US-Vorherrschaft beenden – in nur einem Gipfel? | Dr. Warwick Powell

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Dr. Warwick Powell argumentiert, dass der jüngste US‑China‑Gipfel eher als formelle Annäherung denn als substanzieller strategischer Wendepunkt fungierte. Er führt aus, dass der kurze, nur leicht vorbereitete Besuch darauf abzielte, zwischenmenschliches Vertrauen zurückzusetzen und eine günstige Stimmung für künftige technische Gespräche zu schaffen, statt strategische Streitfragen zu lösen. Die große Wirtschaftsdelegation – Apple, Tesla, Nvidia und Finanzunternehmen – signalisiert kommerzielle Motive und Druckfaktoren, die das US‑Engagement prägen, doch institutionelle Beschränkungen in Washington begrenzen rasche politische Kurswechsel. Powell liest Xis Anrufung der „Thukydides‑Falle“ nicht als Fatalismus, sondern als Appell, die Staatskunst zu beleben und Verflechtungen zu managen, und bietet den USA damit die Möglichkeit, einem multipolaren Ordnungsverständnis beizutreten, ohne auf Vormachtstellung zu verzichten. Der Iran‑Konflikt und die offenbarten Grenzen US‑amerikanischer Machtprojektion stärken das chinesische Vertrauen, dass koercitive Vormacht schwindet, wodurch wirtschaftliche Überlegenheit und pragmatische Diplomatie in den Vordergrund rücken. Powell schließt, der Gipf

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Die kurze, intensitätsarme Begegnung zwischen den USA und China zeigt weniger ein einmaliges Scheitern als vielmehr eine sich abzeichnende Neuordnung geopolitischer Gewichte. Der Gipfel – formell ruhig, inhaltlich begrenzt – war weniger ein dramaturgischer Wendepunkt als ein Spiegel dessen, wie beide Seiten mit internen Zwängen, externen Erwartungen und der Realität multipolarer Macht umgehen. Aus den Zuschriften und Analysen des Gesprächs ergibt sich ein Bild: China sucht Wege, die eigene Macht nicht provozierend, sondern systemstabilisierend zu inszenieren; die USA operieren innerhalb institutioneller Beschränkungen und versuchen, ökonomische Verflechtungen zu wahren, während ihre strategische Vorherrschaft an Kontur verliert. ## Trumps China-Besuch und Pekings Frustration Die Debatte um Trumps kurzen Besuch in China hebt eine Erwartungslücke hervor. Aus chinesischer Perspektive schien die Vorbereitung unzureichend – wichtige, komplexe Themen wurden nicht ernsthaft vorab vertieft. Diese Frustration zeigt, dass Peking Gipfel nicht nur als Bühne für symbolische Gesten versteht, sondern als Instrument, um langfristige Koordinierung und Stabilität zu sichern. Im Gespräch wurde deutlich, dass viele chinesische Beobachter enttäuscht waren: Ein Gipfel ohne tiefgehende Vorbesprechungen kann kaum die strategische Substanz liefern, die Peking anstrebt. Gleichzeitig darf man die Funktion des Treffens nicht unterschätzen: Es diente der Wiederherstellung persönlicher Kontakte und der Beruhigung der Atmosphäre. Beide Seiten nutzten das Treffen, um ein Mindestmaß an Vertrauen zu signalisieren — ein notwendiger, wenn auch nicht hinreichender Schritt für substantielle Vereinbarungen. Dass der Besuch vor allem als „Wir lernen uns wieder kennen“-Gipfel erinnerlich bleibt, unterstreicht, wie sehr Interaktion trotz strategischer Rivalität weiterhin gefragt ist. ## Iran, Hormus und was die USA angeblich besprochen haben Ein zentrales Zwischenstück der öffentlichen Lesarten war die Frage, ob Iran, die Straße von Hormus und Atomfragen Gegenstand substanzieller Absprachen waren. Offiziell berichtete die US-Seite, es habe Einigkeit gegeben: Krieg beenden, Freihandel durch die Straße von Hormus, und keine iranische Atomwaffe. Unter Berücksichtigung der Gespräche wurde jedoch klar, dass diese Punkte in Pekings offiziellen Verlautbarungen kaum oder gar nicht auftauchten. Diese Differenz illustriert zwei Dinge: erstens divergierende Narrative, die jeweils innenpolitische Zielsetzungen bedienen; zweitens die pragmatische Haltung Chinas gegenüber regionalen Machtspielen. Aus chinesischer Sicht liefen die Öltransporte weiter, Zahlungsflüsse und diplomatische Kanäle funktionierten, und der Status quo der Schifffahrt blieb de facto intakt. Peking erscheint weniger daran interessiert, moralische Imperative amerikanischer Art zu reproduzieren, als vielmehr die Funktionsfähigkeit von Energie- und Handelsverbindungen zu sichern. Das wiederum erklärt, warum ein Amerika-narrativ über eine „gemeinsame Einigung“ nicht automatisch deckungsgleich mit dem chinesischen Verständnis sein muss: Beide Seiten können dieselbe Szene sehen und dennoch unterschiedliche Schlüsse ziehen. ## Xi, Trump und die Thukydides-Falle Ein Abschnitt der Gespräche drehte sich um die Thukydides-Falle — die Idee, dass aufstrebende Mächte und etablierte Hegemonen zwangsläufig in Konflikt geraten. Xi Jinping präsentierte diese Debatte als zu überwindendes Paradigma und bot das Konzept einer „konstruktiven strategischen Stabilität“ an. Das ist keine bloße Rhetorik: Es ist ein Versuch, das Narrativ zu verschieben weg von Nullsummenlogik und hin zu einer Form der Koexistenz, die rivalisierende Interessen anerkennt, ohne sie zwingend militarisieren zu müssen. Der US-Präsident setzte dem eine persönlichere, relationale Dimension entgegen: Betonung von Freundschaft, persönlicher Beziehung und pragmatischem Umgang. Diese Differenz in Ton und Stil verdeutlicht ein tieferes strukturelles Problem. Während Peking eine langfristige, narrative Neuverpackung der Großmachtrivalität anstrebt, bleiben US-Institutionen und innenpolitische Kräftekonstellationen oft auf kurzfristige Taktiken und symbolische Signale fixiert. Dr. Warwick Powell weist darauf hin, dass die US-Seite in solchen Momenten oft nicht die institutionelle Kohärenz hat, um strategische Neuausrichtungen schnell umzusetzen — die Macht des „permanenten Staates“ bremst Initiativen, die über saisonale Politik hinausreichen. ## Das Ende der amerikanischen Vormachtstellung? 00:21:34 Chinas Einladung zu einer multipolaren Welt Im Verlauf des Gesprächs wurde die Frage nach dem Ende der amerikanischen Vormachtstellung mehrfach aufgeworfen. Powell argumentiert, dass Vormacht heute eher noch im Rückspiegel existiert: Die Vereinigten Staaten bleiben mächtig, aber nicht mehr automatisch führend in jeder internationalen Frage. China hingegen gestaltet aktiv Strukturen, die Multipolarität normalisieren und gleichzeitig Peking eine Führungsrolle ermöglichen, ohne dass dies in einem direkten, konfrontativen Machtanspruch geschieht. Diese „Einladung zu einer multipolaren Welt“ ist strategisch klug: Sie bietet anderen Staaten Wege zur Kooperation, ohne sie zwingend zu einer Wahl zwischen Washington und Peking zu zwingen. In der Praxis bedeutet das, dass Staaten wie Indien, große afrikanische Staaten oder europäische Akteure flexibler agieren können, ohne sich einem absoluten Lager zugehörig zu fühlen. Powell beschreibt diese Entwicklung als schrittweise Zähmung eines einstigen Hegemonialitätsanspruchs. Die USA stehen damit vor der Herausforderung, ihre Rolle neu zu definieren — nicht notwendigerweise als Rückzug aus der Weltbühne, sondern als Anpassung an eine Realität, in der mehrere Mächte handlungsfähig und legitim sind. Die innere US-Politik macht diesen Anpassungsprozess schwierig. Kongress, Sicherheitsapparate und wirtschaftliche Interessengruppen drücken in unterschiedliche Richtungen. Gleichzeitig produziert Chinas pragmatische Außenpolitik Anreize für Drittstaaten, sich von einer reinen US-Ausrichtung zu lösen. Dadurch entsteht ein langsamer, aber nachhaltiger Prozess der Enthegemonialisierung. ## US-Militärbasen und die bröckelnde Architektur der Vormachtstellung Ein Aspekt, der im Gespräch wiederkehrend thematisiert wurde, ist die Rolle der militärischen Präsenz: US-Stützpunkte, Bündnisarchitekturen und die Logistik globaler Machtprojektion. Powell stellt nüchtern fest: Militärische Infrastruktur allein garantiert keine politische Vorherrschaft mehr. Die Wirksamkeit von Basen hängt von geopolitischer Legitimität, regionaler Akzeptanz und wirtschaftlicher Verflechtung ab. Wenn Staaten alternative Sicherheitsgarantien und ökonomische Angebote erhalten, schrumpft der marginale Nutzen einer globalen Basislandschaft. Die „bröckelnde Architektur“ manifestiert sich nicht in plötzlichen Abrissen, sondern in schleichender Erosion: Bündnispartner ringen mit innenpolitischem Druck, regionale Akteure suchen Autonomie, und wirtschaftliche Realitäten machen Verteidigungspräsenz allein zu einem unzureichenden Werkzeug. In Teilen der indopazifischen Region, so das Gespräch, wird genau abgewogen, wie viel Sicherheit über Basen und wie viel über Handel, Investitionen oder diplomatische Initiativen zu bekommen ist. Diese Verschiebung ist strategisch bedeutsam, weil sie Macht nicht nur als militärische, sondern als komplexe Mischung aus Ökonomie, Diplomatie und Symbolik begreift. Eine Architektur, die sich stark auf Militär stützt, gerät in Schwierigkeiten, wenn rivalisierende Mächte alternative, überzeugende Modelle anbieten. Damit verlieren US-Basen an relativer Schlagkraft — nicht über Nacht, aber stetig. Schlussbetrachtung Das Fazit des Gesprächs ist ambivalent, aber nüchtern. Der Gipfel war kein Ereignis, das die US-Hegemonie in einem einzigen Schlag beendete — und genau das suggerierte der provokante Titel der Debatte. Vielmehr illustriert das Treffen, wie die Dynamik globaler

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US-Vorherrschaft beenden – in nur einem Gipfel? | Dr. Warwick Powell Der US-China-Gipfel war eines der größten Nicht-Ereignisse des Jahres. Das sagt viel über den Zustand der US-Hegemonie nach dem gescheiterten Iran-Krieg aus. Heute spreche ich mit Dr. Warwick Powell, Adjunct Professor an der Queensland University, über das mit Spannung erwartete Supermacht-Treffen. Warwicks YouTube: https://www.youtube.com/channel /UCwNMn_U9JRjaTrajApH-mKg Warwicks Substack: https://warwickpowell.substack.com Unterstützt uns auf Substack: https://pascallottaz.substack.com Unser Shop: https://neutralitystudies-shop. fourthwall.com 00:00:00 Trumps China-Besuch und Pekings Frustration 00:02:36 Die US- Wirtschaftsdelegation: Apple, Tesla, Technologie und Finanzen 00:05:13 Iran, Hormus und was die USA angeblich besprochen haben 00:09:44 Kein Drama, keine Folgen: Lief der Gipfel tatsächlich reibungslos ab? 00:11:05 Xi, Trump und die Thukydides-Falle 00:14:53 Nvidia, Chips und die Grenzen der US-Technologiemacht 00:19:07 Das Ende der amerikanischen Vormachtstellung? 00:21: 34 Chinas Einladung zu einer multipolaren Welt 00:32:53 Wie Japan, Australien und die Region das Treffen interpretieren werden 00:35:57 US-Militärbasen und die bröckelnde Architektur der Vormachtstellung 00:45:31 Taiwan, „China verlieren“ und Amerikas unvollendeter Kalter Krieg 00:53: 55 Warwick Powells neues Buch und abschließende Gedanken #Pascal Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“. Heute wieder mit meinem Freund und Kollegen, Dr. Warwick Powell, Professor an der Queensland University. Warwick, schön, dass du wieder da bist. Freut mich auch, Pascal. Wir haben ja diesen Besuch von Donald Trump in China. Ursprünglich war der für den letzten Monat geplant, aber dann hat Donald Trump seinen Iran-Krieg nicht gewonnen, also hat er ihn verschoben. Und dann wurde plötzlich angekündigt, dass der Besuch diese Woche stattfindet. Jetzt war er also zwei Wochen in China. Was hältst du von diesem Besuch, und wie, glaubst du, ist er gelaufen? #Warwick Powell Zunächst einmal denke ich, es war ein sehr kurzer Besuch, und die Vorbereitungen im Vorfeld waren ziemlich begrenzt. Ein Teil des Feedbacks, das ich von chinesischer Seite bekommen habe, war tatsächlich eine gewisse Frustration darüber, dass die US-Seite sich nicht wirklich auf die Themen konzentriert hat, die ein Gipfel wie dieser eigentlich behandeln könnte. Zum Teil liegt das wohl daran, dass die Vereinigten Staaten stark in andere Kriege verwickelt sind, was viel Energie und Aufmerksamkeit bindet. Deshalb gab es, denke ich, eine gewisse Enttäuschung, dass viele der Themen nicht die Vorbereitung bekommen würden, die man normalerweise erwarten würde. -- 1 of 17 -- Und als Folge davon wurde der Gipfel zu einem ziemlich eng umrissenen Ereignis. Ich denke, das Ziel war zunächst einmal, wieder ein gewisses Vertrauensverhältnis herzustellen – also eine Stimmung zu schaffen, die hoffentlich in die späteren, inhaltlich wichtigeren Gespräche über viele verschiedene Themen hineinwirkt. Außerdem sollte der Gipfel eine Gelegenheit bieten, dass die amerikanische Regierung und einige ihrer zentralen Akteure überhaupt zum ersten Mal ihre chinesischen Gesprächspartner persönlich treffen konnten. In gewisser Weise war es also eher ein „Wir lernen uns wieder kennen“-Gipfel, statt einer Zusammenkunft, die sich schon mit den großen Sachfragen befasst. Das Zweite, was an diesem Ereignis wirklich interessant war, war natürlich die sehr große Wirtschaftsdelegation, die Präsident Trump begleitet hat – im Gegensatz zu einer großen Gruppe von Beamten und Fachleuten, die sonst mit den verschiedenen Themen befasst sind. Wenn man sich die Liste der Geschäftsleute anschaut, die an den paar Tagen teilgenommen haben, dann kann man sie im Grunde, würde ich sagen, in drei große Gruppen einteilen – oder vielleicht in dreieinhalb. Die erste Gruppe bestand aus einigen Unternehmen, die bereits tief im chinesischen Ökosystem verwurzelt sind und tatsächlich stark von den chinesischen industriellen Lieferketten abhängen. Und ich spreche hier natürlich von Apple und Tesla. Dann hatten wir eine ganze Reihe von Unternehmen aus dem Technologie- und Informationsbereich – egal ob im Hardware-Sektor oder anderswo –, die sich auf einer bestimmten Ebene verzweifelt wünschen, tief im chinesischen Markt Fuß zu fassen. Aber aus unterschiedlichen Gründen war ihr Zugang zu diesem riesigen Markt eingeschränkt. Dann hatten wir auch etliche Leute aus der amerikanischen Finanzdienstleistungsbranche dabei. Das fand ich interessant, weil eines der großen, sich gerade entfaltenden Themen – also einige dieser grundlegenden, im Hintergrund schwelenden Fragen – im Kern das amerikanische Geschäftsmodell betrifft. Genauer gesagt, das globale Geschäftsmodell der USA und in diesem Zusammenhang auch den US-Dollar und die Bereitschaft anderer Länder und Zentralbanken, diesen zu recyceln. Vor allem US-Dollar auf bestimmte Weise. Und ich bin mir sicher, dass diese Finanzdienstleister sehr darauf bedacht waren, sich Chancen im wachsenden und reifenden chinesischen Finanzsektor zu sichern. Es steht außer Frage, dass das einer der Wachstumsbereiche in China ist, und diese Unternehmen hätten nur allzu gern ein Stück von diesem Geschäft. Und der letzte Teil betraf tatsächlich einige Leute aus der Lebensmittelbranche, die ganz sicher ebenfalls auf Marktzugang hofften. Alles in allem kann man sagen: Dass es keinerlei Pannen gab, war an sich schon ein positives Ergebnis. Aber was die großen Themen angeht – also bilaterale Fragen, die globale Struktur, künstliche Intelligenz oder den Krieg im Iran und so weiter – da, würde ich sagen, ist kaum Fortschritt erzielt worden. #Pascal Wissen Sie, ob sie überhaupt darüber gesprochen haben? Denn auf der einen Seite war letzte Woche der iranische Außenminister Araghchi tatsächlich in Peking und hat sich, glaube ich, mit seinem -- 2 of 17 -- Amtskollegen Wang Yi getroffen. Außerdem waren die Iraner natürlich auch bei den Russen. Und bald reisen die Russen selbst – Wladimir Putin wird sich ebenfalls in Peking mit Xi treffen. Im Moment scheint ja wirklich jeder nach China zu gehen. Warum eigentlich? Wissen wir irgendetwas darüber, ob die Chinesen und die Amerikaner überhaupt über Iran gesprochen haben? #Warwick Powell Also, laut dem Social-Media-Beitrag oder dem Bericht des Weißen Hauses beziehungsweise von Präsident Trump kam das Thema Iran tatsächlich zur Sprache – vor allem in Bezug auf zwei Dinge, oder eigentlich drei, wenn man so will. Erstens gab es eine Einigung zwischen den Amerikanern und den Chinesen, dass dieser Krieg beendet werden muss. Zweitens, dass die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr offen bleiben soll. Und drittens, dass Iran keine Atommacht mehr werden darf. Wenn man allerdings die chinesischen Veröffentlichungen liest, dann, glaube ich, findet man keinen Hinweis auf diese drei Punkte – zumindest habe ich keinen gesehen. #Pascal Also, äh, und das – ich hab davon bisher überhaupt nichts gehört. #Warwick Powell Nein. Okay. #Pascal Also, es ist nur die amerikanische Seite, die behauptet, sie hätten das besprochen und dass diese drei Punkte mit ihren Gesprächspartnern abgestimmt seien. #Warwick Powell Also, wissen Sie, vielleicht wurden diese Themen angesprochen, vielleicht auch nicht. Aber sie scheinen jedenfalls nicht besonders im Mittelpunkt des chinesischen Interesses gestanden zu haben, bei den Punkten, die tatsächlich behandelt wurden. Das andere ist, denke ich, in Bezug auf Westasien, den Iran und die Straße von Hormus: Während Präsident Trump in Peking war, gab es Berichte, dass etwa dreißig Schiffe aus der Straße von Hormus Richtung China ausgelaufen sind, beladen mit Öl. Und insofern – selbst wenn Präsident Trumps eigene Erinnerung an die Gespräche richtig ist und es tatsächlich eine allgemeine Einigkeit darüber gab, dass die Straße für den Schiffsverkehr offen bleiben soll – glaube ich, sehen die Chinesen das so: Aus ihrer Sicht ist sie offen. Und, na ja, so ist es eben. Ein weiterer Punkt, den die Amerikaner angesprochen haben, war nicht nur, dass die Passage für den Verkehr offen sei, sondern auch, dass es dort keine Maut geben werde. Ich bin mir sicher, dass -- 3 of 17 -- China grundsätzlich auch lieber keine Maut hätte. Aber das gilt nur unter idealen Bedingungen. Und im Moment sind die Bedingungen alles andere als ideal. Trotzdem fahren die Tanker, die Chinesen stimmen sich mit den Iranern ab, Zahlungen werden geleistet, wenn es nötig ist – und vielleicht auch nicht immer. Aus chinesischer Sicht, denke ich, sehen sie das Ganze deutlich pragmatischer. Nicht, weil sie unbedingt eine Mautstation in der Straße von Hormus errichten wollen, sondern weil sie einfach verstehen, dass die Amerikaner diese Kraftprobe selbst heraufbeschworen haben. Sie haben sie verloren, und Iran kann derzeit – solange nichts anderes ausgehandelt wird – die sogenannte Hormus-Waffe einsetzen. #Pascal Ja, also, wissen Sie, es gibt eigentlich keinen guten Grund zu glauben, dass der Iran für alle dieselben Regeln anwenden müsste. Ich meine, die Mautstelle kann die chinesischen Schiffe ja kostenlos durchlassen und von anderen Gebühren verlangen. Und wenn man auf der guten Seite des Iran steht – so wie China – dann hat man wahrscheinlich bessere Chancen, also günstiger oder sogar kostenlos. Der Punkt ist ein bisschen, dass die Vereinigten Staaten das immer so formulieren, als würden sie die Prinzipien des Völkerrechts verteidigen, richtig? Aber das ist nicht in Ordnung. Niemand steht über dem Gesetz – außer natürlich der Hegemon, klar. Aber die ganze Angelegenheit kam mir ehrlich gesagt ziemlich unspektakulär vor. Ich hatte wirklich den Eindruck, es gab keine großen Folgen, kein Drama. Und eigentlich, ja, eigentlich hat sich die amerikanische Delegation wohl ganz ordentlich verhalten und ist auch bei allem mitgegangen, was die chinesische Seite vorbereitet hatte. Oder haben Sie von irgendetwas gehört, das völlig schiefgelaufen ist? #Warwick Powell Nein, und genau das meine ich. Ich denke, was die Formalitäten, das Verhalten und den Ablauf angeht, lief alles sehr reibungslos. Es gab also keine, sagen wir, öffentlich bekannten Ausbrüche oder irgendetwas in der Art. Es scheint auch keine schlechte Stimmung gegeben zu haben, keine lauten Stimmen oder ähnliches. Und vielleicht liegt das zum Teil daran, dass die wirklich heiklen Themen gar nicht auf den Tisch kamen. Die Themen wurden eher auf einer sehr allgemeinen Ebene angesprochen. Das konnte man, glaube ich, auch in den Aufnahmen der offiziellen Eröffnungsreden beider Präsidenten sehen. Präsident Xi Jinping hat dabei eine bestimmte Reihe von Anliegen und Sichtweisen dargelegt – sowohl in Bezug auf die bilateralen Beziehungen selbst, als auch darauf, welche Bedeutung diese Beziehungen weltweit haben. Er hat das Ganze im Zusammenhang mit der sogenannten Thukydides-Falle dargestellt und dabei einige rhetorische Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel: Können wir diese sogenannte Thukydides-Falle überhaupt überwinden? Und können wir damit ein neues Modell für Beziehungen zwischen Staaten schaffen? Im Grunde hat er diese Fragen dann selbst beantwortet, indem er das Konzept einer konstruktiven strategischen Stabilität vorgeschlagen hat. Diese Idee hatte übrigens auch Präsident Trump unterstützt. Der Kernpunkt ist also: Präsident Xi Jinping wollte die Natur der bilateralen Beziehungen neu definieren – und zwar jenseits des Denkens in Kategorien der Thukydides-Falle. Er -- 4 of 17 -- wollte das übliche Entweder-oder, die Nullsummenlogik, die in diesem Konzept steckt, überwinden und Raum schaffen für das, was man im Grunde als Staatskunst bezeichnen kann. Das war es, was er versucht hat zu tun. Und auf der anderen Seite hat Präsident Trump viel stärker auf die persönliche Beziehung gesetzt. So nach dem Motto: Wir kennen uns schon lange, es ist eine Ehre, hier in China zu sein, es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein – solche Dinge eben. Ich denke, wir hatten d