Iran zerlegt westliche Kriegspropaganda – mit Lego-Filmen | Explosive Media
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Explosive Media formuliert einen bewussten, kulturell verankerten Ansatz zur Narrativkriegsführung und verwendet dabei LEGO-ähnliche Animationen, um westliche Kriegsnarrative über den Iran zu hinterfragen. Die Urheber der Gruppe — langjährige iranische Medienpraktiker — erläutern, dass die Spielzeug-Ästhetik die Abwehrhaltung der Zuschauer senke, Nostalgie nutze und empathische Kritik ermögliche statt entmenschlichender Diffamierung. Ihr erklärtes Ziel sei keine Zwangspropaganda, sondern die Anregung zu eigenständiger Infragestellung westlicher Politik, Militärbudgets und medialer Orthodoxien. Auf Erfahrung mit Informationskriegführung und schneller, KI-gestützter Produktion bauend, beschreiben sie ein dezentralisiertes „Lego Resistance Front“ sowie ein breiteres Mosaik von Nachahmenden, die populärkulturelle Codes (Minions, Simpsons, Toy Story) nutzen, um westliche Zielgruppen zu erreichen. Das Interview verortet diese Praktiken in einem größeren geopolitischen Kontext: asymmetrische mediale Auseinandersetzung als Fortführung des Konflikts, der demokratisierende Effekt der KI auf erzählerische Macht sowie Irans Betonung zivilisatorischer Tiefe und moralischer Deutungshoheit. Explo
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## Einführung
Die Diskussion über die iranischen Lego-Filme, wie sie in dem Gespräch mit Explosive Media zur Sprache kommt, enthüllt ein Grundprinzip moderner Kriegsführung: Narrative können kämpfen, ohne Gewehrfeuer abzugeben. Was zunächst wie ein kurioses kulturelles Artefakt wirkt — kurze Stop‑Motion-ähnliche Clips mit Spielzeugfiguren — entpuppt sich als strategisches Instrument. Diese Videos mobilisieren Nostalgie, brechen Abwehrmechanismen und öffnen Räume für Fragen, die offizielle Medien oft zuschütten. Im Kern steht die Behauptung, dass Informationssouveränität heute nicht länger ausschließlich Staaten vorbehalten ist; kleine, agile Gruppen können mit begrenzten Mitteln enorme Reichweiten erzielen und Debatten verschieben. Die Gespräche zeigen, wie solche digitalen Guerillas Narrative entlarven, aber zugleich auf Werte setzen, die jenseits bloßer Propaganda liegen: Würde, Empathie und ein Appell an die gemeinsame Menschlichkeit.
## Werte, Würde und kulturelle Stimme
Was in den Lego-Filmen überrascht, ist nicht nur die Form, sondern vor allem der moralische Ton. Explosive Media beschreibt eine Kultur, in der Würde und Ethik nicht abhandenkommen, selbst wenn es um die Konfrontation mit mächtigen Gegnern geht. Statt einfachem Hass oder Verachtung manifestiert sich ein respektvoller Spott — eine Höflichkeit im Verspotten. Dieser Wertkanon ist kein taktisches Manöver allein; er entspringt einer tiefer verwurzelten sozialen und religiösen Tradition, die das Handeln in Konflikten normativ einbettet.
Die Gesprächsaussagen illustrieren, wie narrative Praktiken kulturelle Identität spiegeln: Geschichten, Sprichwörter und religiöse Erinnerungen durchziehen die Erzählungen und erzeugen Glaubwürdigkeit. Indem Explosive Media bewusst auf Demütigung verzichtet, wird ein anderes Bild vom „Feind“ gezeichnet — nicht als entmenschlichte Zielscheibe, sondern als politisch fehlgeleitete Person, die dennoch adressierbar bleibt. Das hat zwei Effekte. Erstens erhöht es die Resonanz bei Zuschauern, die sich von brutaler Feindseligkeit abgestoßen fühlen. Zweitens unterminiert es die moralische Legitimität gegnerischer Narrative, die häufig auf Dehumanisierung beruhen.
Diese Haltung ist auch strategisch nützlich: Wer eine Botschaft in Würde verpackt, erleichtert die Selbstreflexion bei einem außenstehenden Publikum. Die Videos laden zum Fragen ein — nicht zum direkten Überreden — und schaffen so einen leichteren Einstieg in komplexe Debatten über Krieg, Sanktionen und geopolitische Interessen.
## Kreativer Prozess, Humor und Empathie
Der kreative Motor hinter diesen Produktionen ist zugleich banal und bemerkenswert: eine unermüdliche Ideensammlung, schnelle Produktion und eine Kultur des Experimentierens. Explosive Media schildert einen Prozess, der aus gemeinsamer Arbeit, jahrelanger Praxis und einem tiefen Verständnis medialer Mechaniken resultiert. Die Geschwindigkeit ist nicht nur logistisches Talent, sondern Ausdruck einer Kultur, die gelernt hat, unter Druck zu schaffen. Das erlaubt Reaktionsfähigkeit im Narrativwettbewerb: aktuelle Ereignisse werden rasch aufgegriffen und mit einer pointierten, oft humorvollen Wendung präsentiert.
Humor und Ironie sind zentrale Stilmittel — doch sie sind nicht zynisch. Vielmehr handelt es sich um eine fein austarierte Form der Verspottung, die Höflichkeit wahrt und Empathie fördert. Das ist kein bloßes ästhetisches Detail. Empathie ist Teil der Strategie: Statt das Publikum zu beleidigen, wird es eingeladen, Gemeinsamkeiten zu erkennen. Lego als Medium funktioniert hier doppelt: Es mobilisiert Kindheitsnostalgie und erzeugt zugleich einen emotionalen Widerspruch, der Abwehrmechanismen senkt. Die Figuren sind stilisiert und damit ausreichend distanziert, um Kontroversen zu vermeiden, aber auch konkret genug, um Wiedererkennung und Satire zu ermöglichen.
Diese Kombination aus Humor, Schnelligkeit und Empathie erklärt die virale Kraft der Clips. Sie leisten nicht nur Narrative über politische Motive, sondern vermitteln ein Bild einer Kultur, die humanitär, gebildet und kreativ ist — ein Gegenbild zu stereotypen Darstellungen im Mainstream.
## Friedensfront und Ansprache des Westens
Aus dem Gespräch wird deutlich, dass die Zielgruppe sich erweitert hat: Anfangs für ein iranisches Binnenpublikum produziert, richten sich viele Clips heute explizit an westliche Zuschauer — besonders an die USA. Die Intention ist nicht nur Konfrontation, sondern Dialog: Fragen stellen, Bewusstsein schaffen, kritisches Denken gegenüber eigenen Regierungen fördern. Explosive Media betont, dass die Filme keinen Zwang ausüben wollen; sie sollen Denkanstöße geben und den Zuschauer dazu bringen, die Kosten von Konflikten zu hinterfragen.
Diese transnationale Kommunikation ist eine Form der „Volksdiplomatie“ oder interpersonellen Diplomatie, die staatliche Kanäle umgeht. Indem Narrative direkt Menschen in anderen Gesellschaften adressieren, entsteht ein neuer Raum für Verständigung — selbst in Zeiten diplomatischer Gegensätze. Zudem nutzen die Macher westliche kulturelle Codes, weil sie deren Wirkung kennen: Bildungsstand, Popkultur und mediale Rezeptionsmuster werden bedacht, um die Botschaft wirksam zu platzieren. Das ist keine naive Annäherung; es ist ein kalkulierter Versuch, Schichten politischer Narrative zu durchdringen.
Gleichzeitig bleibt die Botschaft klar: Es geht um die Verteidigung eigener Souveränität und Werte. Explosive Media formuliert das nicht als platte Anti‑West‑Propaganda, sondern als moralische und politische Gegenrede — eine, die sowohl die Notwendigkeit von Widerstand als auch das Ziel langfristigen Friedens ins Feld führt. Der Balanceakt besteht darin, die Spannung zwischen Verteidigung und Dialog produktiv zu halten.
## Krieg, Kreativität und spirituelle Bedeutung
Das Gespräch bringt eine provokante, aber konsistente Sichtweise auf Krieg und Frieden zum Vorschein: Frieden sei ohne Kampf gegen die „Feinde der Menschheit“ nicht möglich. Diese Position verankert militärische Konfrontation in einer moralisch‑spirituellen Logik — eine Logik, die sich sowohl in traditionellen Narrativen als auch in modernen Medienproduktionen manifestiert. Für Explosive Media ist der Medienkampf ein legitimes Schlachtfeld; die kreative Produktion wird als Teil eines umfassenderen Verteidigungsauftrags verstanden.
Gleichzeitig bleibt Spiritualität ein leitendes Moment: Geschichten über Prophetengestalten oder persische Sprichwörter zeigen, wie religiöse und kulturelle Erinnerung die Handlungen legitimiert und ihnen Sinn verleiht. Kreativität wird so zur spirituellen Praxis, zu einem Mittel, das innere Widerstands‑ und Identitätsressourcen nach außen trägt. Die Autoren hinter den Clips sehen ihre Arbeit als Ergänzung zu realen geopolitischen Auseinandersetzungen — nicht als Ersatz, aber als integralen Teil einer sozialen Mobilisierung.
Interessant ist die Verbindung zwischen dieser spirituellen Legitimierung und der technologischen Modernität der Mittel: Mit einfachen digitalen Werkzeugen, KI‑Hilfen und viralen Plattformen entstehen Formen des Widerstands, die zugleich archaische Narrative und hypermoderne Taktiken bündeln. Das macht die Bewegung schwer kalkulierbar: Sie ist tief kulturell verwurzelt und gleichzeitig flexibel gegenüber neuen Medienumgebungen.
Abschließend bleibt die Beobachtung, dass diese Synthese aus Kreativität, Moral und strategischer Kommunikation ein Beispiel dafür ist, wie verletzliche Gesellschaften Medienmacht zurückgewinnen können. Anstatt in Aneignung oder bloßer Provokation zu verharren, setzen die Produzenten auf eine Kultur der Fragen: Warum Krieg? Wem nützt er? Welche Werte stehen auf dem Spiel? Diese Fragen könnten, wenn sie breit genug gehört werden, langfristig mehr verändern als Propagandaplakate oder militärische Aufmärsche.
Fazit: Die Lego‑Filme sind weit mehr als ironische Clips; sie sind ein illustratives Lehrstück moderner Narrativkriegsführung, das Würde, Humor und kulturelle Tiefe verbindet. In
Transcript
Iran zerlegt westliche Kriegspropaganda –
mit Lego-Filmen | Explosive Media
Der Iran-Krieg wird nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt, sondern auch an der Medienfront. Und
der Iran hat dort GROSS gewonnen – mit den unglaublich populären Lego-Filmen, die die iranische
Position erklären und das US-System von Krieg und Zerstörung entlarven. Gleichzeitig bauen die
Macher der Lego-Filme auch Brücken zur US-Bevölkerung. Gemeinsam mit Benjamin Schoendorff
vom Podcast „Resistance is Fertile“ interviewe ich einen der Iraner hinter den Videos der Gruppe, die
sich „Explosive Media“ nennt – die Lego-Widerstandsfront. Links: Explosive Media: https://lnk.bio
/ExplosiveMediaa Resistance is Fertile Podcast: https://resistanceisfertilepodcast.substack.com
Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com (Opt-in für den akademischen Bereich
in deinen Profileinstellungen: https://pascallottaz.substack.com/s/academic) Merch:
https://neutralitystudies-shop.fourthwall.com Spenden: https://neutralitystudies.com/donate
Zeitmarken: 00:00:00 Einführung 00:00:42 Lego-Strategie und Mission 00:05:50 Werte, Würde und
kulturelle Stimme 00:08:36 Westliches Publikum und narrative Kriegsführung 00:11:39 Kreativer
Prozess, Humor und Empathie 00:15:38 Risiko, Publikum und mediale Resistenz 00:21:10
Friedensfront und Ansprache des Westens 00:27:25 KI als neuer Gleichmacher 00:31:32 Krieg,
Kreativität und spirituelle Bedeutung
#Pascal
Willkommen zurück, alle zusammen, zu Neutrality Studies – und diesmal sogar in Zusammenarbeit
mit Benjamin Schoendorf vom Podcast „Resistance is Fertile“. Heute haben wir einen ganz
besonderen Gast: einen der kreativen Köpfe hinter den großartigen iranischen LEGO-Filmen. Wir
nennen ihn einfach Mr. Explosive Media. Außerdem ist Navid bei uns, der bei Bedarf mit
Übersetzungen helfen wird. Aber jetzt noch einmal: Herzlich willkommen, Mr. Explosive Media.
#Explosive Media 1
Hallo, Freunde. Wir freuen uns, in eurem Podcast zu sein.
#Pascal
Vielen Dank, dass Sie sich darauf eingelassen haben. Sie haben in den letzten, ich würde sagen,
zwei Monaten diese großartigen Lego-Clips und Filme gemacht, und wir würden wirklich gern ein
bisschen mehr über Ihre Motivation erfahren. Können Sie uns also vielleicht zuerst sagen, warum Sie
sich entschieden haben, mit dem Westen über Lego-Filme zu kommunizieren?
#Explosive Media 1
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Das ist eine gute Frage. Lego hat eine verspielte, kindliche Bildsprache. Wenn Menschen also etwas
so Ernstes wie Krieg in einem niedlichen, nostalgischen Format sehen, entsteht ein seltsamer
emotionaler Widerspruch, weißt du. Dieser Widerspruch senkt ihre psychologischen
Abwehrmechanismen. Und in den modernen Medien zählen die ersten paar Sekunden, das ist
entscheidend. Lego sorgt dafür, dass die Leute nicht einfach weiterscrollen, sondern kurz anhalten,
statt das Video sofort abzulehnen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit Lego echte Personen auf
eine stilisierte, charmante Weise nachbilden kann, ohne nach Hyperrealismus zu streben. Bei
hyperrealistischen Bildern fangen die Zuschauer sofort an, nach Fehlern zu suchen. Aber bei Lego ist
die Reaktion eher: Wow, das sieht ja wirklich aus wie Lego-Trump, weißt du? Und darüber hinaus
weckt Lego bei vielen westlichen Zuschauern Kindheitsnostalgie. Es wirkt vertraut, sicher und
emotional zugänglich. Manchmal kann ein Spielzeug eine Wahrheit transportieren, die Menschen von
einem Politiker oder Journalisten ablehnen würden.
#Benjamin Schoendorff
Ausgezeichnet. Darf ich fragen, wie Ihr Team eigentlich zusammengekommen ist? Haben Sie sich
gezielt zusammengeschlossen, um diese Lego-Videos zu produzieren? Oder kannten Sie sich schon
vorher und haben dann entschieden, Ihre Kräfte zu bündeln, um dem US-israelischen Imperium auf
dem Feld der Erzählungen entgegenzutreten?
#Explosive Media 1
Wir waren schon lange befreundet, bevor all das überhaupt begann. Etwa fünf Jahre lang haben wir
gemeinsam an Medienprojekten gearbeitet, die sich auf innenpolitische Themen im Iran
konzentrierten. Ohne es zu merken, haben uns diese Jahre auf diesen Moment vorbereitet. Als der
Konflikt begann, waren wir bereits in der Lage, eine eigene Medienfront für unser Land aufzubauen
– eine legale Widerstandsfront. Anfangs richtete sich unser Publikum ausschließlich an Iranerinnen
und Iraner. Aber nach der internationalen Reaktion auf unser erstes Video wurde uns klar, dass das
Schlachtfeld viel größer war, als wir gedacht hatten. In vielerlei Hinsicht sehen wir uns als Guerillas
eines asymmetrischen Medienkriegs – kleine Teams, begrenzte Mittel, aber die Fähigkeit, schnell zu
handeln und Millionen von Menschen zu erreichen.
#Pascal
Wow, das ist eine wirklich interessante Art, das auszudrücken. Das heißt also, Sie sind anfangs
davon ausgegangen, dass Ihre Videos nur für das heimische Publikum gedacht waren, also für
Iranerinnen und Iraner. Und erst später dachten Sie: Okay, wir können auch mit den Amerikanern
sprechen, wir können mit den Europäern sprechen. Was war also ursprünglich das Ziel dieser Videos
– und was ist das Ziel jetzt, im Mai zweitausendsechsundzwanzig?
#Explosive Media 1
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Ich finde, wirklich erfolgreiche Medien sollten für sich selbst sprechen. Die Macherinnen und Macher
sollten nicht neben ihrem Werk stehen müssen, um zu erklären, was es bedeutet. Das Werk selbst
sollte die Botschaft schon in sich tragen. Aber vielleicht ist die bessere Frage: Was will explosive
Medien eigentlich von diesen westlichen Zuschauern? Die Antwort ist einfach. Wir wollen, dass die
Menschen Fragen stellen. Wir wollen, dass sie selbstständig denken. Wir wollen, dass sie ihre
Regierungen, ihre Politiker und die Handlungen, die in ihrem Namen geschehen, kritisch
hinterfragen. Fragt euch: Ist das die Zukunft, die euch versprochen wurde? Ist endlose Instabilität
wirklich das, wofür ihr euer ganzes Leben gearbeitet habt? Wollt ihr wirklich, dass eure Steuern
Bomben finanzieren, die Zivilisten und Kinder auf der ganzen Welt töten – und, na ja, keine Schulen?
Im Gegensatz zu traditionellen Propagandasystemen versuchen wir nicht, Überzeugungen durch
Manipulation in die Köpfe der Menschen zu pflanzen. Wir zeigen Realitäten – und wir stellen Fragen
zu diesen Realitäten.
#Benjamin Schoendorff
Wow, das ist wirklich faszinierend. Und mir ist aufgefallen, dass die US-israelische Propaganda – und
westliche Propaganda allgemein – stark auf Codes von Sexualisierung und überwältigender Gewalt
basiert. Aber deine Videos, du hast das ja schon ein bisschen erklärt, sind viel subtiler. Im Gegenteil,
du machst dich eher über diese Codes lustig, ohne sie zu verstärken. Und du scheinst wirklich auf
höhere Werte zu setzen: Würde, Selbstbestimmung, Respekt, Liebe zur Gemeinschaft, Familie,
Spiritualität – und sogar auf das gemeinsame Menschsein. Denkst du, das spielt eine Rolle bei der
fast universellen Anziehungskraft deiner Videos?
#Explosive Media 1
Das ist eine sehr gute Frage. Das war nie eine geplante Strategie. Es kommt ganz natürlich aus
unserer Kultur und Identität. Wir stammen aus einer Tradition, in der Moral eine große Rolle spielt –
auch gegenüber Gegnern. Unsere religiösen und kulturellen Vorbilder haben uns gelehrt, dass Würde
und Ethik selbst in Konflikten überleben müssen, sogar in Kriegen gegen Feinde. Es gibt eine alte
Geschichte über den Propheten des Islam, die ich Ihnen erzählen möchte. In den frühen Jahren
seiner Mission in Mekka gab es einen Mann, der jedes Mal, wenn der Prophet die Straße entlangging,
Asche und Müll auf ihn warf. Eines Tages war dieser Mann plötzlich verschwunden.
Nach ein paar Tagen fragte der Prophet: „Wo ist unser Freund?“ Die Leute sagten ihm, der Mann sei
krank geworden. Also ging der Prophet, um ihn zu besuchen. Der Mann brach vor Scham in Tränen
aus – und er wurde Muslim, verstehst du? Diese Geschichte sagt mehr über unsere Kultur aus als
jede politische Rede. Es gibt auch ein persisches Sprichwort: Was aus einem Krug herausfließt, war
schon vorher darin. Wenn sich in unserer Arbeit also Würde, Zurückhaltung, Spiritualität oder
Menschlichkeit zeigen, dann nicht, weil das in irgendeinem Besprechungsraum geplant wurde. Es ist
einfach das, was wir sind. Und wie du gesagt hast, es ist einfach das, was die westlichen Medien und
westlichen Politiker sind.
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#Pascal
Hey, ganz kurz eine Unterbrechung, weil ich vor Kurzem von YouTube gesperrt wurde. Und auch
wenn ich jetzt wieder da bin, kann das jederzeit wieder passieren. Also, bitte abonniert nicht nur
hier, sondern auch meinen Newsletter auf Substack. Das ist pascallottaz.substack.com. Den Link
findet ihr unten in der Beschreibung. Und jetzt geht’s weiter mit dem Video. Eines der interessanten
Dinge an deinen Videos, besonders an denen, in denen du in letzter Zeit direkt zur US-Bevölkerung
gesprochen hast, ist, dass du darin zeigst, wie gut du verstehst, wie die US-amerikanische und, zu
einem großen Teil, auch die europäische Kultur funktioniert. Und du sprichst auch einige der
Probleme der US-Bevölkerung an. Denn, wie du in deinen Videos völlig richtig zeigst, die Mehrheit
der Menschen will keinen Krieg mit Iran.
Das wollen sie nicht. Wirklich nicht. Und du kannst genau darüber sprechen, über diese Probleme.
Wie kommt es, dass du diese westliche Kultur so gut verstehst? Und glaubst du, es gibt eine
Möglichkeit, auch Menschen aus dem Westen einzuladen, endlich etwas über deine Kultur zu lernen?
Ich habe nämlich den Eindruck, dass es da ein großes Wissensdefizit gibt.
#Explosive Media 1
Vielleicht sind wir einfach nur so etwas wie ein Trailer, wissen Sie, ein kleiner Einblick, der die Leute
dazu anregt, über die Schlagzeilen hinauszuschauen und selbst eine tiefere, menschlichere Seite der
iranischen Kultur zu entdecken. Ja, und Ihr Wissen über den Westen – woher kommt das eigentlich?
Wir studieren an der Universität viele verschiedene Fächer, aber die Menschen im Iran sind sehr gut
gebildet, besonders in politischen Themen. Wir lesen Medien, wir schauen Filme, wir hören
amerikanische Musik, verstehen Sie? Wir wissen eine Menge über die amerikanische Kultur.
#Benjamin Schoendorff
Vielleicht haben Sie das schon ein bisschen beantwortet, aber als jemand, der sich selbst mit
psychologischer und narrativer Kriegsführung beschäftigt, fällt mir beim Anschauen Ihrer Videos auf,
dass Sie sich damit offenbar sehr gut auskennen. Haben einige von Ihnen das tatsächlich studiert,
oder wissen Sie einfach instinktiv, wie man wirkungsvolle Gegen-Narrative präsentiert?
#Explosive Media 1
Unsere Hintergründe sind eigentlich sehr unterschiedlich, nicht speziell in psychologischer
Kriegsführung oder Propagandaforschung. Aber Iranerinnen und Iraner haben Jahrzehnte intensiven
Mediendrucks, Sanktionen, Informationskriege und konkurrierende Erzählungen erlebt. Auf eine
seltsame Weise lernt man in so einem Umfeld, wie Medien funktionieren. Vielleicht stammt unser
Verständnis also weniger aus Lehrbüchern und mehr aus gelebter Erfahrung.
#Pascal
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Und wie gehst du bei der Planung dieser Videos vor? Es kommen ja ziemlich viele raus. Wie findest
du die richtigen Themen, an denen du arbeiten willst? Viele davon waren ja echte Erfolge. Wie sieht
dein kreativer Prozess aus?
#Explosive Media 1
Wir haben eine Ideensammlung, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Wir
schreiben Ideen auf, wir denken über sie nach, sogar im Schlaf. Wir sammeln sie in dieser
Ideensammlung. Wenn etwas passiert, wählen wir eine davon aus. Und wir sind kreative Menschen.
Iraner sind kreative Menschen. Deshalb schreiben wir schnell, wir arbeiten schnell, und wir setzen
die Ideen auch schnell um. Viele Leute fragen uns: „Warum seid ihr so schnell?“ Ich weiß es nicht.
Wir sind Iraner, wir sind einfach schnell. Ich kann nicht sagen, warum wir so schnell sind.
#Benjamin Schoendorff
Ein weiteres auffälliges Element in deinen Videos ist der Humor und die Ironie. Sie sind in fast jeder
Szene spürbar, und trotzdem wirkt es nie gemein. Ich weiß nicht, wie du das machst, aber du