Amerikanischer Imperialismus im Friedensgewand
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Jeffrey D. Sachs behauptet, dass der von der Trump-Administration vorgeschlagene UN-Entwurf amerikanischer Imperialismus sei, getarnt als Friedensprozess und darauf ausgerichtet, die Möglichkeit eines souveränen palästinensischen Staates zu beseitigen. Er argumentiert, der Entwurf schaffe ein von den USA und dem Vereinigten Königreich dominiertes „Board of Peace“, dessen Vorsitz Trump innehätte und dem weitreichende souveräne Befugnisse über die Verwaltung, die Grenzen, den Wiederaufbau und die Sicherheit des Gazastreifens eingeräumt würden — wodurch die palästinensische Selbstbestimmung der externen Verfügungsmacht untergeordnet werde. Sachs stellt dies als moderne Rückkehr zu mandatärer Kontrolle dar, ermöglicht durch den Schutz israelischer Ziele durch die USA und eine Strategie des Teile-und-Herrsche gegenüber widerstrebenden Staaten. Außerdem behauptet er, Israel begehe in Gaza Genozid, und dass das US-Veto die palästinensische UN-Mitgliedschaft blockiert habe. Sachs fordert einen alternativen Ansatz des Sicherheitsrats, verankert im Völkerrecht: Anerkennung Palästinas als souveränes UN-Mitglied, Schutz der territorialen Integrität anhand der Grenzen von 1967, Entsendung einer
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## Ein neues Mandat unter alter Flagge: Warum diese Debatte mehr ist als Diplomatie
Die gegenwärtige Auseinandersetzung um einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat offenbart mehr als taktisches Geplänkel: Sie ist ein Prüfstein dafür, wie internationale Machtpolitik heute funktioniert — und wie leicht Friedensrhetorik als Vorwand für Kontrolle missbraucht werden kann. In der eingespielten Audiorede analysiert Jeffrey D. Sachs, dass der Vorschlag, der formell als Friedensprozess verkauft wird, faktisch die politische Kontrolle über Teile Palästinas in die Hände einer von Washington dominierten Institution legen würde. Das ist kein technokratisches Detail. Es geht um die Frage, ob ein Volk das Recht auf Selbstbestimmung und souveräne Regierung behalten darf, oder ob seine Zukunft erneut dem Ermessen fremder Mächte ausgeliefert werden soll.
Die Diskussion ist besonders brisant, weil sie an historische Muster erinnert: Koloniale Mandate, Machtprojektionen unter neuem Namen, und die Instrumentalisierung multilateraler Foren zur Legitimierung einseitiger Interessen. Sachs benennt das nicht als bloße Analogie, sondern als wiederkehrende Politik — nur mit anderen Flaggen. Diese Einordnung zwingt dazu, die vorgeschlagene Resolution nicht als abstrakte juristische Formulierung zu lesen, sondern als politisches Programm mit klaren Gewinnern und Verlierern.
## Was der Resolutionsentwurf vorsieht — und was er verschleiert
Der Entwurf, wie ihn die Rede schildert, geht weit über normale Friedenssicherungsmaßnahmen hinaus. Formal zielt er auf eine Verwaltung und einen Wiederaufbau Gazas ab, de facto aber würde er die Entscheidungsmacht über Grenzen, Sicherheit und politische Übergangsprozesse entziehen. Besonders problematisch ist die Bestimmung, dass die Übertragung von Autorität an palästinensische Instanzen vom „Friedensgremium“ abhängen soll — also von einem Gremium, das faktisch von den USA und ihren Verbündeten dominiert würde.
Sachs weist darauf hin, dass der Text die Entstehung einer Art transnationaler Aufsichtsbehörde bedeutet: Ein Organ, das nicht nur Vorgaben macht, sondern souveräne Kompetenzen ausübt. Damit würde Gaza formal von einer palästinensischen Souveränität getrennt, die nur als Punkt in einem Zeitplan existiert, den andere festlegen. Wesentlich ist die Asymmetrie: Während Wiederaufbau, Grenzen und Sicherheitsarrangements Gegenstand externer Entscheidung wären, bliebe den Palästinensern die Rolle der Wartenden.
Diese Konstruktion verschleiert sich hinter Friedensvokabular. Wer von „Wiederaufbau“ und „Sicherheit“ spricht, appelliert an humanitäre Empfindsamkeiten. Sachs erinnert daran, dass genau diese Worte als Vehikel dienen können, um Kontrolle zu institutionalisiere n — besonders wenn die operative Leitung in Händen von Staaten liegt, die strategische Ziele verfolgen, statt neutrale Vermittler zu sein.
## Imperialistische Mechanismen in moderner Gestalt
Die Rede stellt die Behauptung auf, dass es sich hierbei um modernen Imperialismus handelt: kein offenes Kolonialreich mit Flaggen und Gouverneuren, aber eine externe Herrschaft durch politische, militärische und ökonomische Hebel. Diese Beherrschungsform wirkt subtiler, ist aber keineswegs weniger wirkmächtig. Drei Mechanismen stechen hervor.
Erstens die Entmündigung: Indem man die Selbstverwaltung an Bedingungen knüpft und an ein Gremium delegiert, das den Zeitrahmen kontrolliert, wird die Souveränität de facto ausgesetzt. Zweitens die territoriale Fragmentierung: Der Entwurf, so Sachs, trennt Gaza vom übrigen Palästina — ein klassischen Teile-und-herrsche-Move, der nationale Solidaritäten schwächt und langfristig die Chancen auf einen souveränen palästinensischen Staat reduziert. Drittens die strategische Abhängigkeit: Staaten, die sich dem Entwurf widersetzen, werden mit wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Konsequenzen konfrontiert — Zugang zu Technologien, Finanzinstitutionen und sogar militärische Reaktionen werden als Druckmittel eingesetzt.
Sachs warnt, dass solche Instrumente systematisch eingesetzt werden, um geopolitische Ziele durchzusetzen: Nicht nur in der Region, sondern global, wo Bündnispolitik und ökonomische Hebelpunkte die Staatenwelt durchziehen. Das Ergebnis ist eine Welt, in der internationale Institutionen nicht mehr nur moderieren, sondern befähigt und benutzt werden, um die Interessen mächtiger Staaten zu vergegenwärtigen.
## Die humanitäre und geopolitische Dimension: Folgen für Palästina und die Region
Die unmittelbaren humanitären Folgen dieses Machtspiels sind verheerend. Sachs spricht von einem Völkermord, von massiven zivilen Opferzahlen und einer systematischen Verarmung und Zerstörung, die nicht nur kurzfristig wirkt, sondern gesellschaftliche Strukturen, Gesundheitssysteme und wirtschaftliche Lebensgrundlagen langfristig vernichtet. Wenn Wiederaufbau unter fremder Kontrolle steht, droht zudem, dass Ressourcen politisch kanalisiert werden und nicht jenen zugutekommen, die sie dringend benötigen.
Auf geopolitischer Ebene betont Sachs, dass diese Politik das Potenzial hat, regionale Spannungen zu katalysieren: Konflikte im Horn von Afrika, im Libanon, in Syrien, im Irak und im Jemen sind schon jetzt Teil eines größeren Geflechts, in dem Israel und die USA offen oder verdeckt strategische Interessen durchsetzen. Eine Nahoststrategie, die auf Ausgrenzung statt Integration setzt, verstärkt Instabilität und delegitimiert multilateralistische Lösungsansätze.
Darüber hinaus hat die Diskreditierung internationaler Institutionen durch solche Manöver globale Folgen. Wenn die UNO als Forum zur Legitimation unilateraler Machtpolitik instrumentalisiert wird, verlieren kleinere Staaten Vertrauen in multilaterale Mechanismen. Das öffnet Raum für alternative Konstrukte — oft weniger transparent und ebenso von Machtasymmetrien geprägt.
## Was echte Friedenspolitik beinhalten müsste: Sachs’ vier Forderungen
Die Rede formuliert klare Normen, wie ein tatsächlich friedensdienlicher Resolutionsentwurf aussehen müsste. Diese vier Kernforderungen sind zugleich minimaler Maßstab und politisches Programm.
Erstens die Anerkennung Palästinas als souveräner Staat in den Vereinten Nationen, ohne dass die USA ihr Veto zur Blockierung einsetzen. Diese Anerkennung wäre ein juristisches Korrektiv gegen jahrzehntelange politische Ausgrenzung und ein Schritt, der die Voraussetzung für gleichberechtigte Verhandlungen schafft.
Zweitens der Schutz territorialer Integrität gemäß den Grenzen von 1967 für sowohl Palästina als auch Israel. Diese Grenze ist nicht romantische Nostalgie, sondern ein politisch definierter Ausgangspunkt, der international breit als Grundlage eines friedlichen Nebeneinanders verstanden wird. Eine feste Zusage hierzu würde dauerhafte Expansionen stoppen und Verhandlungen auf eine klare Faktengrundlage stellen.
Drittens die Einsetzung einer UN-mandatierten Schutztruppe, überwiegend aus muslimischen Staaten. Diese Forderung zielt auf Legitimität und Akzeptanz vor Ort; Schutztruppen aus Staaten, die als neutral oder zumindest nicht Teil der direkten Konfliktparteien gelten, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Präsenz als Schutz und nicht als Besatzung verstanden wird.
Viertens die Entwaffnung und Entfinanzierung von nichtstaatlichen, kriegführenden Akteuren — verbunden mit Garantien für die gegenseitige Sicherheit Israels und Palästinas. Frieden erfordert nicht nur das Schweigen der Waffen, sondern das Abtreten externaler Ressourcen und Netzwerke, die Konfliktparteien bestärken und militarisieren.
Diese Forderungen sind weder unrealistisch noch idealistisch. Sie sind der Versuch, mit klaren Regeln einen Weg zu beschreiben, der Souveränität, Menschenrechte und Sicherheit in Einklang bringt — als Gegenentwurf zur Übertragung souveräner Befugnisse an fremde Gremien.
## Verantwortung der internationalen Gemeinschaft und die politischen Hürden
Die Rede skizziert auch, warum es politisch so schwer ist, diesen Weg zu gehen. Mächtige Staaten ha
Transcript
Amerikanischer Imperialismus im
Friedensgewand
[Neuhochladung] Palästina bleibt das ewige Opfer der Manöver der USA und Israels. Die Folgen sind
nicht nur für Palästina verheerend, das einem regelrechten Völkermord ausgesetzt war, sondern
auch für die arabische Welt und darüber hinaus. Gelesen von Jeffrey D. Sachs. Den Essay finden Sie
hier: https://www.commondreams.org/opinion/trump-s-ploy-at-the-un-is-american-imperialism-
masquerading-as-a-peace-process Mehr von Jeffrey D. Sachs: https://www.jeffsachs.org [Eine
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#Jeffrey Sachs
Trumps Manöver bei den Vereinten Nationen ist amerikanischer Imperialismus, der sich als
Friedensprozess tarnt. Die Trump-Regierung treibt in dieser Woche im Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen eine von Israel entworfene Resolution voran, die darauf abzielt, die Möglichkeit eines
palästinensischen Staates zu beseitigen. Die Resolution bewirkt drei Dinge: Sie etabliert die politische
Kontrolle der USA über Gaza, sie trennt Gaza vom Rest Palästinas, und sie erlaubt den Vereinigten
Staaten – und damit Israel –, den Zeitplan für den angeblichen Rückzug Israels aus Gaza
festzulegen, was de facto niemals geschehen würde. Das ist Imperialismus, der sich als
Friedensprozess ausgibt. An sich ist das keine Überraschung.
Israel bestimmt die US-amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten. Überraschend ist, dass die
Vereinigten Staaten und Israel mit diesem Skandal tatsächlich davonkommen könnten, wenn die
Welt nicht mit Dringlichkeit und Empörung ihre Stimme erhebt. Der Entwurf einer Resolution des UN-
Sicherheitsrats würde ein von den USA und dem Vereinigten Königreich dominiertes
Friedensgremium schaffen, das von niemand Geringerem als Donald Trump selbst geleitet würde
und mit weitreichenden Befugnissen über Gazas Verwaltung, Grenzen, Wiederaufbau und Sicherheit
ausgestattet wäre. Diese Resolution würde den Staat Palästina an den Rand drängen und jede
Übertragung von Autorität an die Palästinenser von der Gnade des Friedensgremiums abhängig
machen.
Dies wäre eine offene Rückkehr zum britischen Mandat vor hundert Jahren, mit dem einzigen
Unterschied, dass diesmal die Vereinigten Staaten das Mandat innehätten statt Großbritannien. Wäre
es nicht so völlig tragisch, wäre es zum Lachen. Wie Marx sagte, wiederholt sich die Geschichte:
zuerst als Tragödie, dann als Farce. Ja, der Vorschlag ist eine Farce. Doch Israels Völkermord ist es
nicht – er ist eine Tragödie ersten Ranges. Unglaublicherweise würde laut dem Resolutionsentwurf
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dem Friedensrat in Gaza souveräne Machtbefugnisse übertragen. Die palästinensische Souveränität
bliebe dem Ermessen des Rates überlassen, der allein entscheiden würde, wann die Palästinenser,
Zitat, „bereit“ seien, Zitatende, sich selbst zu regieren – vielleicht in weiteren hundert Jahren.
Sogar die militärische Sicherheit ist dem Vorstand untergeordnet, und die vorgesehenen Streitkräfte
würden nicht dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen oder dem palästinensischen Volk, sondern
der sogenannten „strategischen Führung“ des Vorstands unterstehen. Die US-israelische Resolution
wird genau deshalb vorgelegt, weil der Rest der Welt – abgesehen von Israel und den Vereinigten
Staaten – zu zwei Tatsachen erwacht ist. Erstens begeht Israel Völkermord, eine Realität, die sich
täglich im Gazastreifen und im Westjordanland zeigt, wo unschuldige Palästinenser zur Zufriedenheit
der israelischen Verteidigungsstreitkräfte und der illegalen israelischen Siedler im Westjordanland
ermordet werden.
Zweitens ist Palästina ein Staat, wenn auch einer, dessen Souveränität weiterhin durch die
Vereinigten Staaten behindert wird, die ihr Veto im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einsetzen,
um Palästinas ständige Mitgliedschaft in der UNO zu blockieren. In der UNO stimmte die
Generalversammlung im vergangenen Juli und dann erneut im September mit überwältigender
Mehrheit für die Staatlichkeit Palästinas – eine Tatsache, die die israelisch-amerikanische zionistische
Lobby in höchste Alarmbereitschaft versetzte und zum aktuellen Resolutionsentwurf führte. Um ihr
Ziel eines „Großisrael“ zu erreichen, verfolgt die Vereinigten Staaten eine klassische Teile-und-
herrsche-Strategie, indem sie arabische und islamische Staaten mit Drohungen und Anreizen unter
Druck setzen.
Wenn sich andere Länder den Forderungen der USA und Israels widersetzen, werden sie von
wichtigen Technologien abgeschnitten, verlieren den Zugang zu Finanzierungen der Weltbank und
des IWF und erleiden israelische Bombardierungen – selbst in Ländern, in denen US-Militärbasen
vorhanden sind. Die USA bieten keinen echten Schutz; vielmehr inszenieren sie ein
Schutzgelderpressungssystem, indem sie Zugeständnisse von Ländern erzwingen, wo immer sie
Einfluss haben. Diese Erpressung wird andauern, bis die Weltgemeinschaft solchen Taktiken
entgegentritt und auf einer echten palästinensischen Souveränität sowie auf der Einhaltung des
Völkerrechts durch die USA und Israel besteht. Palästina bleibt das endlose Opfer der Manöver der
USA und Israels.
Die Ergebnisse sind nicht nur verheerend für Palästina, das einem offenen Völkermord ausgesetzt
war, sondern auch für die arabische Welt und darüber hinaus. Israel und die USA befinden sich
derzeit – offen oder verdeckt – im Krieg über das Horn von Afrika, den Sudan, Somalia, Nordafrika,
Libyen, das östliche Mittelmeer, den Libanon, Syrien, die Arabische Halbinsel, den Jemen und
Westasien, einschließlich des Irak und des Iran. Wenn der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im
Einklang mit der UN-Charta echte Sicherheit gewährleisten will, darf er dem Druck der USA nicht
nachgeben, sondern muss entschlossen im Einklang mit dem Völkerrecht handeln. Eine Resolution,
die wirklich dem Frieden dient, sollte vier wesentliche Punkte enthalten. Erstens sollte sie den Staat
Palästina als souveränes UN-Mitglied willkommen heißen, wobei die USA ihr Veto aufheben.
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Zweitens sollte sie die territoriale Integrität des Staates Palästina und Israels gemäß den Grenzen
von 1967 schützen. Drittens sollte sie eine vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mandatierte
Schutztruppe einrichten, die aus mehrheitlich muslimischen Staaten besteht. Viertens sollte sie die
Entfinanzierung und Entwaffnung aller kriegführenden nichtstaatlichen Akteure einschließen und die
gegenseitige Sicherheit Israels und Palästinas gewährleisten. Die Zwei-Staaten-Lösung steht für
echten Frieden – nicht für den Politizid und Genozid an Palästina oder die fortgesetzten Angriffe von
Milizen auf Israel. Es ist an der Zeit, dass sowohl Palästinenser als auch Israelis in Sicherheit leben
können und dass die Vereinigten Staaten und Israel die grausame Illusion aufgeben, dauerhaft über
das palästinensische Volk zu herrschen.
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