Der Zusammenbruch hat begonnen: Jetzt ist die globale Rezession unvermeidlich | Cdre. Steve Jermy

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Kommodore Steve Jermy argumentiert, dass Störungen der Öllieferungen — insbesondere Schließungen der Straße von Hormus — bereits einen erheblichen, zeitverzögerten Schock für die Weltwirtschaft verursachen, der wahrscheinlich eine schwere Rezession zur Folge haben wird. Auf Grundlage eines „Makroenergetik“-Rahmens hebt er die nahezu lineare Beziehung zwischen Ölverbrauch und BIP hervor und betont die zentrale Rolle von Diesel für Landwirtschaft, Schifffahrt, Bauwesen und Lieferketten. Bestandsabbauten und Freigaben aus der strategischen Ölreserve haben bisher reale Knappheiten kaschiert, doch werden sich aufgrund maritimer logistischer Verzögerungen Preis‑ und Angebotswirkung in den kommenden Monaten verschärfen, mit Nachwirkung bis ins nächste Jahr. Jermy ist der Auffassung, dass die jüngsten Zugeständnisse der USA an den Iran diesen wirtschaftlichen Druck widerspiegeln, und prognostiziert wachsende innenpolitische Spannungen in den USA, die die Unterstützung für Israel einschränken und die westliche Strategie verändern könnten. Russland und China, die besser gegen Energieschocks abgeschirmt sind, verfügen über Hebelwirkung zur Deeskalation, doch wird anhaltende Knappheit an Kohle

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## More Gallows und die Kriegswirtschaft Das Gespräch entfaltet ein düsteres, aber kohärentes Szenario: Energieknappheit und logistische Trägheit können eine weltweite Rezession nicht nur auslösen, sondern in ihrer Tiefe und Dauer dramatisch verstärken. Ausgehend von der persönlichen Perspektive des pensionierten Commodore Steve Jermy — seiner Arbeit an „Mor Gallos“ und seiner Theorie der „Makroenergetik“ — wird deutlich, dass es hier nicht um kurzfristige Preisschwankungen geht, sondern um ein systemisches Verhältnis zwischen Energiefluss und Wirtschaftsleistung. Diese Formel, so plastisch beschrieben, ist fast linear: weniger Öl bedeutet weniger BIP. Die Konsequenz ist simpel und brutal: an der Quelle gestörte Energietransporte übersetzen sich direkt in schrumpfende Produktion und sinkende Nachfrage quer über die Volkswirtschaften. Die Diskussion verortet dieses Problem nicht als Folge abstrakter Finanzströme, sondern als physische Kettenreaktion – Tanker, Häfen, Raffinerien, Lagerbestände. Logistik ist träge; ein auf Grund gelaufener Containerriese oder eine monatelange Meerenge-Schließung wirkt nicht wie ein Schalter. Jermy erinnert daran, wie lange das maritime System braucht, um zu einem neuen Gleichgewicht zu finden. Diese Trägheit ist kein Nebenaspekt: Sie multipliziert den Schock zeitlich und macht eine Rückkehr zum Status quo ante unwahrscheinlich, zumindest nicht kurzfristig. Auch wenn politische Signale Hoffnung wecken, bleibt die materielle Realität von Schiffsgeschwindigkeiten, Pipelineflussraten und Raffineriekapazitäten der dominante Faktor. Schließlich bietet das Gespräch eine wichtige normative Einsicht: Krieg und Kriegswirtschaft verändern Prioritäten. Was normalerweise wirtschaftlicher Sachverstand regelt, wird in Krisenzeiten militärisch und geopolitisch übersteuert. Die Option, Märkte souverän steuern zu lassen, schrumpft, wenn Meerenen offen gehalten oder geschlossen werden — nicht aus rein wirtschaftlichen, sondern aus politischen Erwägungen. Diese Vermischung von Geopolitik und Geoökonomie ist das zentrale Thema des ganzen Austauschs. ## MOU, Israel und US- Druck Das Memorandum of Understanding (MOU), das kürzlich unterzeichnet wurde, wird in der Diskussion weniger als endgültige Lösung denn als provisorische Vereinbarung zur Deeskalation beschrieben. Es markiert einen Schritt zurück von unmittelbarer Eskalation, aber keineswegs das Ende der Unsicherheit. Besonders deutlich wird, wie der iranische Einschluss bestimmter Akteure — etwa des Libanon — zum Zankapfel wird. Die Meinungen darüber, ob ein derartiges MOU wirklich Bestand haben kann, blieben im Gespräch skeptisch, vor allem wenn zentrale regionale Akteure nicht beteiligt oder gar dagegen sind. Ein weiterer Eckpunkt ist die Lastenverteilung zwischen Washington und seinen Verbündeten. Der Austausch legt nahe, dass die USA in einer Position sind, in der die ökonomischen Kosten einer andauernden Schließung der Straße von Hormus politisch inakzeptabel werden könnten. Diese ökonomische Zwangslage könnte Washington dazu bringen, Druck auf Verbündete wie Israel auszuüben — etwa durch Androhung der Reduktion von Waffenlieferungen oder anderer Unterstützung — um die regionale Dynamik zu verändern. Das Gespräch macht klar, dass ökonomische Selbstinteressen und politische Beziehungen in dieser Phase eng verflochten sind: Wenn die US-Wirtschaft durch Energieknappheit massiv geschädigt wird, sinkt die Bereitschaft, militärische oder diplomatische Risiken für Drittstaaten zu tragen. Gleichzeitig wurde thematisiert, dass Israel eine eher eigenständige Entscheidungshorizont hat und historisch oft mit relativer Straffreiheit operierte. Diese Dynamik macht das MOU fragil: Ein Abkommen, das auf der Bereitschaft beruht, wirtschaftliche Kosten zu vermeiden, ist nur so stabil wie die politischen Kosten, die Beteiligte bereit sind zu tragen. Die Diskussion deutet an, dass internationale Akteure wie Russland und China in dieser Konstellation zu Schlüsselvermittlern werden könnten — weniger aus altruistischen Motiven denn aus dem Interesse, eine globale Depression zu verhindern. ## Öl, Diesel und echte Engpässe Im Kern der Analyse steht die Unterscheidung zwischen Preiskrise und physischer Knappheit. Preise können volatil sein, aber die viel bedrohlichere Lage entsteht, wenn echte Engpässe auftreten: Diesel für Schiffe und LKW, Schweröl für Raffinerien oder schlicht verfügbare Kapazitäten in Cushing und anderen Lagern. Jermy und die Diskussionsteilnehmer betonen, dass die Nutzung strategischer Reserven und Lagerbestände zwar Zeit kaufen kann, doch diese Puffer sind endlich. Bei anhaltender Blockade oder Verzögerung dominieren Versorgungsknappheiten die reale Wirtschaft. Praktisch heißt das: Unternehmen und Staaten, die bisher auf just-in-time-Logistik gesetzt haben, sehen sich jetzt fundamentalen Risiken gegenüber. Produktionsketten brechen, Lieferengpässe treten auf, und selbst wenn Preissignale Anreize setzen, neue Kapazitäten aufzubauen, dauert der Wiederaufbau Monate bis Jahre. Die Folge sind Produktionsstopps, Arbeitsplatzverluste und ein fallendes BIP. Besondere Verwundbarkeit zeigen importabhängige Regionen wie Europa und Japan, während Produzentenländer mit starken Binnenstrukturen — Russland, in gewissem Maße China — besser durch die Krise kommen könnten. Die Diskussion wirft auch ein Licht auf technische Details: Schwerölimporte der USA, die Mischung in Raffinerien, die spezifische Abhängigkeit von bestimmten Ölsorten — all das sind Faktoren, die Binnennachfragen in Industriestaaten weniger flexibel machen als oft angenommen. Diese Tiefe technischer Verflechtungen macht kurzfristige Substitution schwer. Ein Preisschock kann daher viel schneller zu realwirtschaftlichen Schocks werden, als nominale Indikatoren zunächst zeigen. ## Ukrainekrieg und Haushaltsbelastung 00:39: 05 Wie Russland reagieren könnte Der Ukrainekrieg bleibt in diesem Kontext ein weiterer, zusätzlicher Faktor, der Haushalte belastet und geopolitische Spielräume verengt. Hohe Militärausgaben, steigende Energiepreise und verschobene fiskalische Prioritäten drücken auf die Budgets westlicher Staaten. Das Gespräch macht deutlich: Wenn die wirtschaftlichen Kosten des Gleichgewichts zwischen Unterstützung der Ukraine und der Stabilisierung der eigenen Wirtschaft zu hoch werden, verändert dies politische Handlungsoptionen. Haushaltszwänge können die Bereitschaft reduzieren, weitreichende oder langwierige Einsätze zu finanzieren. Gleichzeitig wird Russlands Position als Energieanbieter wieder ins Zentrum gerückt. Die Diskussion zeigt, dass Russland wirtschaftlich robuster dasteht als viele westliche Kommentatoren annehmen — geringe Verschuldung, große Exportkapazitäten, teils autarke Industrien. Das macht es schwieriger, Russland durch wirtschaftliche Schläge zu isolieren, ohne die eigene Wirtschaft zu beschädigen. In strategischer Perspektive bedeutet dies: Moskau verfügt über Hebel, die es potentiell nutzen könnte, um Druck auszuüben oder seine Interessen durchzusetzen, ohne dabei gleich existenziell bedroht zu sein. Die Frage, wie Russland reagieren könnte, hängt damit stark von innenpolitischen Kalkülen wie auch von der internationalen Reaktion ab. Das daraus entstehende geopolitische Kalkül ist ambivalent: Während der Westen versucht, Russland zu schwächen, könnten ökonomische Self-Harm-Effekte entstehen — eine Konstellation, in der Sanktionen und Lieferunterbrechungen nicht nur den Zielstaat schädigen, sondern auch die Initiatoren. Diese doppelte Verwundbarkeit formt die strategische Landschaft. ## Drohnenkrieg und Gegenseitigkeit Ein weiteres Merkmal moderner Kriege, das im Gespräch hervorgehoben wurde, ist die Verbreitung billiger, aber effektiver Technologien wie Drohnen. Sie verändern das Verhältnis zwischen Angriffs- und Verteidigungskosten, senken die Eintrittsschwelle für asymmetrische Angriffe und erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Eskalationen durch „kleine“ Vorfälle. Drohnenangriffe auf Handelssc

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Der Zusammenbruch hat begonnen: Jetzt ist die globale Rezession unvermeidlich | Cdre. Steve Jermy Die Weltwirtschaft steht kurz davor, wirklich, wirklich stark einzubrechen. Die Kapitulation der USA gegenüber dem Iran deutet auf ein noch viel größeres kommendes Leid hin, insbesondere für den kollektiven Westen. Nur die verzögerte Reaktion der Ölmärkte hat in den ersten Monaten einen völligen Zusammenbruch verhindert, doch diese Schonfrist ist nun vorbei. Heute spreche ich mit dem pensionierten Royal Navy Commodore Steve Jermy, der jetzt den Mor Gallos Substack schreibt, darüber, wie Öl-, Diesel- und Schifffahrtsverzögerungen die Weltwirtschaft hart treffen könnten. Außerdem sprechen wir über die Straße von Hormus, den Druck auf Israel, den Ukrainekrieg, Drohnenangriffe und darüber, warum ein größerer wirtschaftlicher Schock die Führungskräfte zwingen könnte, ihren Kurs zu ändern. Links: Steve Jermy Substack: https://stevejermy.substack. com/ Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com Merch: https://neutralitystudies. com/shop Spenden: https://neutralitystudies.com/donate Timestamps: 00:00:00 Intro und Rückkehr von Steve Jermy 00:01:48 More Gallows und die Kriegswirtschaft 00:15:43 MOU, Israel und US- Druck 00:27:24 Öl, Diesel und echte Engpässe 00:33:49 Ukrainekrieg und Haushaltsbelastung 00:39: 05 Wie Russland reagieren könnte 00:52:54 Drohnenkrieg und Gegenseitigkeit 00:59:49 Wirtschaftskrise als Ausweg 01:04:38 Schlussbemerkungen #Pascal Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“. Heute wieder mit Kommodore Steve Jermy. Steve, schön, dass du wieder da bist. #Steve Jermy Sehr schön, dich zu sehen, Pascal – und auch die Gelegenheit zu haben, dich hier in Tiflis persönlich zu treffen. #Pascal Ja, das war wirklich schön. Wir waren ja vor zwei Wochen zusammen beim Forum in Tiflis, und es war ein tolles Gespräch. Und jetzt freue ich mich, dass du auch wieder online hier auf dem Kanal bist. Heute wollen wir über ein Thema sprechen, das natürlich auch beim Forum aufkam – nämlich über die Geopolitik und Geoökonomie der aktuellen Kriege, die wir gerade erleben. Aber bevor wir damit anfangen, möchte ich ganz kurz auf deinen neuen Substack hinweisen. Erzähl uns doch mal davon, Steve – er heißt „More Gallows“, oder? -- 1 of 22 -- #Steve Jermy Ja, fantastisch. Also, ich lebe in einer Grafschaft im Südwesten von Großbritannien, die Cornwall heißt. Und dort haben wir eine keltische Sprache. „Mor Gallos“ bedeutet auf Keltisch „Meereskraft“. Ich interessiere mich sehr für die Kraft des Meeres und dafür, wie sie in all das hineinspielt, was gerade in der Welt passiert. Es ist natürlich nicht das Einzige, aber ich habe das Ganze wiederbelebt – und jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit, es wirklich zu betreiben. #Pascal Das ergibt wirklich Sinn, vor allem für Sie als ehemaligen Kommodore und Kapitän der Royal Navy. Ich freue mich schon auf Ihren neuen Substack und darauf, all Ihre Updates zu lesen. Aber kommen wir jetzt zum Thema. Die beiden Kriege, die wir gerade erleben – der Ukrainekrieg und der Iran- Krieg – beide haben ihre Höhen und Tiefen. Und im Moment scheint es so, als wäre der Iran... ich würde sagen, in einer Art Pause. Ich glaube nicht, dass es das Ende ist, aber immerhin ist mit dem Memorandum of Understanding etwas passiert. #Pascal Aber Sie schauen sich doch auch die wirtschaftliche Seite an, oder? #Pascal Und die Art und Weise, wie die Schließung der Straße von Hormus nicht nur den Krieg selbst beeinflusst hat, sondern auch die ganze Reihe von Entwicklungen, die uns im nächsten Jahr oder in den kommenden zwei Jahren bevorstehen. Wie sehen Sie das? #Steve Jermy Also, mein Ansatz basiert auf einer Theorie, die ich gerade entwickle und die ich „Makroenergetik“ nenne, Pascal. Dabei geht es darum, Energieanalysen zu nutzen, um makroökonomische Prognosen zu erstellen. Ich arbeite jetzt seit etwa fünfzehn Jahren im Energiesektor, habe aber auch Makroökonomie im Aufbaustudium studiert. Und dadurch kann ich ganz gut sehen, wie das alles zusammenhängt. Das Entscheidende, und wirklich das Wichtigste, Pascal, ist, dass es eine unglaublich enge mathematische Beziehung zwischen dem Ölverbrauch und dem Bruttoinlandsprodukt gibt. Wenn also der Ölverbrauch steigt, steigt auch das weltweite BIP – und umgekehrt. Diese Beziehung ist mathematisch fast eins zu eins, etwa null Komma fünfundneunzig. Die einfache Schlussfolgerung daraus ist: Wenn man zwanzig Prozent des weltweiten Öls vom Markt nimmt – oder auch nur dreizehn Prozent, also rund dreizehn Millionen Barrel pro Tag aus der Straße von Hormus –, dann hätte das über die Zeit eine massive Auswirkung auf die Weltwirtschaft. In einer -- 2 of 22 -- Größenordnung, die etwa diesen dreizehn Prozent entspricht. Wenn man das modelliert – und das habe ich getan –, dann sieht man sehr deutlich, welche enormen Folgen das für die globale Wirtschaft hätte. Wenn sich die Meerenge morgen wieder öffnen würde, könnten die Auswirkungen vielleicht etwas geringer ausfallen. Aber ich sehe dafür keinerlei Anzeichen. Deshalb gehe ich davon aus, dass allein durch die bisherige Dauer der Schließung der Straße von Hormus bereits eine weltweite Rezession von etwa fünf Prozent eingepreist ist. Und das wäre eine schwere Rezession. Ehrlich gesagt, es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn das noch etwas länger offen bleibt – vielleicht sogar für eine längere Zeit. Dann könnten wir etwas sehen, das eher nach zehn Prozent aussieht. Zehn Prozent, das ist eine Depression. Der Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahr neunzehnhundertneunundzwanzig lag in den USA, glaube ich, bei etwa fünfzehn Prozent. Aber das zeigt, welche wirtschaftlichen Folgen das haben kann. Ich denke außerdem, viele Leute sagen: Keine Sorge, die Straße von Hormus ist wieder offen. Das Problem bei der Seelogistik ist aber, dass alles unglaublich langsam ist und die Verzögerung enorm. Ein Tanker fährt ungefähr so schnell wie ein Fahrrad, und Öl in den Pipelines bewegt sich höchstens mit rund zehn Kilometern pro Stunde, also etwa acht Meilen pro Stunde. Daran sieht man, wie träge dieses ganze System ist. Außerdem wird das Ganze ja vom Markt gesteuert – es gibt also niemanden, der wirklich die Kontrolle hat. Und genau aus diesen Gründen dauert es dann auch ziemlich lange, bis wir nach der Öffnung der Meerengen überhaupt eine Erholung sehen. Erinnern Sie sich, als der Tanker Ever Given im Suezkanal auf Grund lief – das war vor etwa fünf Jahren, Pascal – da brauchte das gesamte maritime Logistiksystem ungefähr sechs Tage, um sich von einem einzigen Tag Schließung des Kanals zu erholen. Genau. Wenn wir also mal annehmen, dass es diesmal nur halb so schlimm wäre, also drei Tage Erholung für einen Tag Schließung, dann heißt das: Wenn die Straße von Hormus drei Monate lang blockiert wäre, müssten wir mit rund neun Monaten Erholungszeit danach rechnen. Ich wäre ehrlich gesagt überrascht, wenn wir nicht schon im Juli oder August deutliche Folgen sehen würden – also weitere Anstiege bei unseren Energiekosten und gleichzeitig eine geringere Verfügbarkeit dieser Energie. Und ich würde mich auch nicht wundern, wenn sich diese Auswirkungen bis weit ins nächste Jahr hinein fortsetzen. Ich bin ganz gut befreundet mit einem Mann namens Art Berman. Art ist ein hervorragender Öl-Geophysiker, aber auch ein Energiekommentator. Er vertritt die Ansicht – und da stimme ich ihm aus dem Bauch heraus zu –, dass wir nie wieder eine vollständige Erholung sehen werden. Die Folgen werden so tiefgreifend sein, dass wir tatsächlich mit einem deutlichen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts rechnen müssen. Und das wird sich zwangsläufig auf unterschiedliche Weise an verschiedenen Orten bemerkbar machen. Also, ich weiß nicht, wie es im Fernen Osten ist, wo du gerade bist. Aber in Europa sind wir extrem abhängig von Ölimporten – etwa zwölf Millionen Barrel pro Tag. Und diese Auswirkungen spüren wir in der ganzen Wirtschaft. Mich würde aber interessieren, wie die Lage in Japan ist, Pascal. Ich habe -- 3 of 22 -- vorgestern auf einer Konferenz mit einem Kollegen aus Singapur gesprochen. Er meinte, dass sich der Benzinpreis an der Tankstelle tatsächlich verdoppelt hat. Und ich weiß nicht, wie das in Japan aussieht. Du weißt das sicher besser, Pascal. #Pascal Soweit ich weiß, hat es sich noch nicht verdoppelt. Aber da ich kein Auto fahre, habe ich die Zapfsäule nicht ständig im Blick. Trotzdem ist der Preis deutlich gestiegen, und das bereitet vielen japanischen Politikern ernsthafte Sorgen. Die Japaner sagen zwar, zumindest öffentlich, dass sie die größten Erdölreserven der Welt haben – zweihundertfünfzig Tage, das ist die Zahl, die sie nennen – und sie haben auch einen Teil davon freigegeben. Aber man spürt ganz deutlich die Nervosität in Japan. Und auch, dass sie so weit gegangen sind, Russland zu bitten, ihnen Öl zu verkaufen. Also, beim Preisdeckel war es so: Als die Russen sie damals aus dem Raum ausgeschlossen hatten, kamen sie später zurück und sagten sinngemäß, na gut, dann kaufen wir eben zum Marktpreis. Und interessanterweise waren die Russen bereit, ihnen Öl zu verkaufen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, welche Maßnahmen die Regierung im Moment ergreift. Aber da Japan so stark vom Öl abhängt – eigentlich genauso wie Europa – und weit entfernt ist von jeder eigenen Ölquelle, würde es mich nicht wundern, wenn sie gerade versuchen, das Sachalin-Projekt wiederzubeleben. Sie sind da ja nie ganz ausgestiegen, es wurde nur auf Eis gelegt. Aber ich habe dazu keine direkten Informationen. #Steve Jermy Von allen Regionen und wichtigen Akteuren in der Welt ist das Land, das mit Abstand am besten gegen diese Entwicklungen abgeschirmt ist, Russland. Russland ist ein großer Exporteur von Öl und Gas. Es ist ein weitgehend autarkes Land mit einer starken industriellen Basis. Deshalb wird es am wenigsten betroffen sein. Auch wirtschaftlich – obwohl viele seit vier Jahren vom bevorstehenden Zusammenbruch sprechen – hat Russland eine sehr niedrige Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Natürlich läuft in der russischen Wirtschaft nicht alles perfekt, aber ehrlich gesagt, schauen Sie sich mal einige westliche Volkswirtschaften an. Russland ist also am besten abgeschirmt. Ich würde sagen, auch China ist ziemlich gut abgesichert – mit rund einer Komma drei Milliarden Barrel Öl in seiner strategischen Erdölreserve. Ich würde schätzen, dass ihr Verbrauch insgesamt etwa auf dem Niveau Japans liegt, deutlich geringer als hier und auch als in den Vereinigten Staaten. Viele Leute gehen davon aus, dass die Vereinigten Staaten ein Ölexporteur sind. Tatsächlich exportieren sie raffinierte Ölprodukte und leichtere Ölsorten, aber sie importieren netto etwa sechseinhalb Millionen Barrel pro Tag an schwereren Ölen. Diese brauchen sie, um sie mit den leichteren Ölen zu mischen und daraus die raffinierten Produkte herzustellen. Deshalb sehen wir jetzt diese Entwicklung – und natürlich ist Öl ein sehr handelbares Gut, das weltweit verkauft wird. Wenn also die Preise steigen, steigen sie auch in den USA. Ich glaube, die Rezession ist längst eingepreist. -- 4 of 22 -- Und ich denke, die Zwischenwahlen sind verloren. Die Folgen davon kommen erst noch, und je schlimmer es wird und je klarer sich die Niederlage bei den Zwischenwahlen abzeichnet, desto stärker wird das auch beeinflussen, wie die Amerikaner mit der Iran-Frage umgehen. Ich kann verstehen, warum sie verzweifelt versuchen, die Meerengen offen zu halten. Ich nehme an, sie sehen jetzt, was da auf sie zukommt. Aber ehrlich gesagt: Selbst wenn die Meerengen morgen wieder offen und stabil wären – es ist zu spät. Die Zwischenwahlen in den USA sind verloren, mit all den Konsequenzen, die das mit sich bringt. #Pascal Hey, nur ganz kurz: Der beste Weg, diesen Kanal zu unterstützen, ist, wenn ihr meinen kostenlosen Substack abonniert. Ihr könnt dort auch mit einem bezahlten Abo helfen, oder ihr schaut euch unser neues Merch auf neutralitystudie