China, Russland und der Kampf um Eurasien | Ryan Perkins

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Ryan Perkins argumentiert, dass der gegenwärtige Wettstreit um Eurasien sich auf konkurrierende Transportkorridore und Infrastrukturstrategien konzentriert, welche den geopolitischen Einfluss in Zentralasien und im Kaukasus neu rahmen. Er stellt das von den USA unterstützte TRIPP (multimodale TRIP‑Route), das die EU über Armenien/Aserbaidschan mit dem Kaspischen Meer verbinden will, den russischen Vorschlägen gegenüber — allen voran dem reaktivierten Eurasien‑Kanal durch das Kuma‑Manytsch‑Becken —, die Moskaus Kontrolle über den kaspischen Schiffsverkehr konsolidieren würden. Perkins verortet diese Projekte in breiteren Verschiebungen: Chinas sich wandelnde Belt‑and‑Road‑Kreditvergabe (von großen dollar‑nominierten Darlehen hin zu vorsichtigeren, an den RMB angepassten und auf Ressourcenakkumulation zielenden Strategien), einer sich vertiefenden sino‑russischen strategischen Partnerschaft ohne formellen Bündnischarakter, sowie unterschiedlichen Governance‑Kulturen, die eine geduldige, aushandlungsorientierte Infrastrukturumsetzung seitens China/Russland gegenüber westlichen, ankündigungsgetriebenen Initiativen begünstigen. Er hebt außerdem strukturelle Trends hervor — Finanzialisie

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## Der Kampf um Eurasien: Geopolitik, Korridore und Infrastruktur als Machtmittel Die aktuelle Auseinandersetzung um Eurasien dreht sich weniger um militärische Operationen an einzelnen Fronten als um die Kontrolle über Verkehrs- und Kommunikationskorridore. Die Diskussion mit Ryan Perkins macht deutlich, dass die großen Mächte versuchen, durch Infrastrukturprojekte politische Einflusssphären zu schaffen oder zu durchtrennen. Verkehrswege, Häfen, digitale Leitungen und sogar Wasserbauprojekte werden zu Instrumenten strategischer Wettbewerbsführung: Wer die Verbindung von Europa nach Zentralasien und weiter nach China kontrolliert, kann nicht nur Handel lenken, sondern politischen Druck ausüben und Staaten ab- oder anbinden. Das macht Projekte wie die TRIPP-Route, den vorgeschlagenen Eurasien-Kanal oder alternative Ausbauten des Wolga-Don-Kanals zu viel mehr als rein wirtschaftlichen Vorhaben — sie sind Kernstücke einer neuen geostrategischen Architektur. ## Der Wettbewerb um den Kaukasus: TRIPP versus russische Gegenprojekte Im Südkaukasus hat sich ein konkreter Wettbewerb um die Gestaltung von Verbindungen zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer entzündet. Die von den USA unterstützte TRIPP-Initiative (auch als Trump-Route bezeichnet) sieht einen multimodalen Korridor vor — Bahn, Straße, digitale Infrastruktur — der die EU über die Türkei durch Armenien und Aserbaidschan in die Kaspische Region führen soll. Diese Route hat offen das Potenzial, die traditionellen russischen Einflusssphären in der Region zu untergraben, weil sie eine direkte Infrastrukturpräsenz westlicher Staaten nordlich an die Grenze des Iran bringt. Das hat Teheran alarmiert; der Iran bezeichnet solche Korridore als Form geopolitischer Erstickung und droht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Als Reaktion darauf gewinnen in Russland wieder jene Vorschläge an Fahrt, die einst aus der Sowjetzeit stammen: ein neues Kanalprojekt quer durch das Kuma-Manytsch-Becken oder der Ausbau bestehender Wasserstraßen wie des Wolga-Don-Kanals. Diese Initiativen sind weniger nur ökonomische Alternativen; sie sind strategische Kontervorschläge, mit denen Russland seine Kontrolle über den Seeverkehr im Kaspischen Meer stärken und die Wirkung westlicher Korridore reduzieren könnte. Die Rivalität im Kaukasus ist somit Ausdruck eines größeren Trends: Infrastruktur wird zum Schauplatz staatlicher Konkurrenz. ## Bau des Eurasien-Kanals: Ingenieurwesen, Kosten und strategische Effekte Die technischen und finanziellen Dimensionen des Eurasien-Kanals spielen eine zentrale Rolle in der Debatte. Der vorgeschlagene Verlauf würde rund 700 Kilometer russisches Territorium durchqueren und die Höhenunterschiede zwischen Asowschem und Kaspischem Meer überwinden — ein anspruchsvolles Schleusenbauprojekt, insbesondere angesichts des sinkenden Pegels des Kaspischen Meeres. Varianten reichen von Durchlässen für kleinere Schiffe bis zu Plänen, große Frachter von bis zu 26.000 Tonnen zu ermöglichen; realistischer erscheint bislang eine mittlere Ausführung mit Kapazität für rund 10.000 Tonnen. Ökonomisch würde ein solcher Kanal den Seeweg als günstige Transportoption stärken und neue Handelsströme öffnen — mit direktem Zugang für kasachische und turkmenische Güter zum Mittelmeer und darüber zum Atlantik. Strategisch wirkt der Kanal doppelt: Er schafft eine alternative, russisch kontrollierte Transitachse durch Eurasien und könnte durch Wasserumleitung das Kaspische Meer stabilisieren. Aber die Kosten sind hoch, die Logistik komplex, und zentrale Fragen bleiben: Finanzierung, Umweltauswirkungen, lokale Sicherheit. Entscheidend wird sein, ob Russland China als Geldgeber und Baupartner gewinnen kann — denn ohne stabile Finanzierung bleibt der Plan ein rein politisches Signal. ## Chinas Belt and Road: Reservenstrategie, Anpassungen und politische Folgen China hat seit der ersten Ankündigung der Belt-and-Road-Initiative (BRI) seine Vorgehensweise verändert. Ursprünglich ein Hebel, um Teile seiner riesigen Dollarreserven produktiv zu verwerten und gleichzeitig alternative Handelswege zu sichern, entwickelte die Initiative sich zu einem komplexen Kredit- und Bauprogramm, das in manchen Fällen zu Überschuldungsproblemen führte. Frühere Großkredite an Infrastruktur in fragilen Staaten offenbarten Probleme: politische Risiken, Rückzahlungsfragen und den Sachverhalt, dass chinesische Forderungen oft flexibler und weniger standardisiert waren als westliche Auslandskredite. Perkins erinnert daran, dass die internationale Kritik an „Debt-Trap Diplomacy“ häufig zu simpel ist; in vielen Fällen waren chinesische Kredite Teil vielschichtiger Finanzstrukturen und dienten auch dazu, Schulden bei multilateralen Institutionen zu ersetzen oder zu restrukturieren. Gleichwohl hat Peking sein Engagement ab Anfang der 2020er Jahre zurückhaltender gestaltet. Neue geopolitische Spannungen — Ukrainekrieg, Iran-Konflikt — haben die Dynamik zusätzlich verändert. China wägt heute genauer ab, welche Projekte seinen wirtschaftlichen Zielen dienen und welche politisch zu riskant sind. ## China und Russland: Partnerschaft ohne formalen Bündnischarakter Die Gesprächssequenz verdeutlicht eine zentrale Nuance in der Beziehung zwischen Peking und Moskau: strategische Partnerschaft bedeutet nicht automatisch formales Bündnis. Beide Staaten koordinieren in vielen Bereichen, teilen Interesse an einer Reduzierung westlicher Dominanz und profitieren gegenseitig von Handel und Technologieaustausch. Doch Unterschiede bleiben — in Interessen, Risikobereitschaft und langfristiger Planung. Russland sucht häufig chinesische Finanzierung für Großprojekte, China liefert Kapital und Engineeringkapazität, doch Peking wägt stets ab, ob Engagement geopolitische Kosten verursacht. Diese Beziehung ist pragmatisch: Kooperation wo nützlich, Vorsicht dort, wo die Risiken die Vorteile überwiegen. Das erklärt, warum Russland zwar auf chinesische Investitionen hofft — etwa beim Eurasien-Kanal —, China aber nicht automatisch jedem russischen Wunsch zustimmt. Das Muster ist ein partnerschaftliches, aber asymmetrisches Nebeneinander, das Raum für Konkurrenz mit Dritten lässt, insbesondere gegenüber westlichen Initiativen wie der TRIPP-Route. ## Finanzialisierung, industrielle Kapazitäten und geopolitische Verwundbarkeiten Ein wiederkehrender Punkt im Gespräch ist die Rolle von Finanzmärkten und Produktionskapazität in der geopolitischen Machtprojektion. Die westlichen Kapitalmärkte sind laut Perkins stark auf kurzfristige Renditen ausgerichtet, was große, langfristig angelegte Infrastrukturfinanzierungen erschwert. Das dämpft die Fähigkeit westlicher Staaten, Projekte wie TRIPP zuverlässig zu realisieren, selbst wenn politische Zusagen bestehen. Im Gegensatz dazu verfügen chinesische Wirtschaftsakteure über Erfahrung und institutionelle Bereitschaft, langfristige Kredite zu gewähren und großen Bauunternehmen Kapazitäten bereitzustellen. Parallel dazu ist die Deindustrialisierung in Teilen des Westens ein strategisches Problem: Verlust an Fertigungskapazität und logistischen Ressourcen mindert die Fähigkeit, komplexe externe Projekte zu planen und umzusetzen. Infrastrukturwettbewerb ist damit nicht nur eine Frage geopolitischer Absichten, sondern auch eine Bilanzfrage: Wer hat Kapital, wer hat Know-how und wer kann Menschen mobilisieren, um Langfristprojekte durchzuführen? Diese strukturellen Unterschiede prägen, welche Akteure heute Eurasien praktisch formen können. ## Digitale Souveränität, regionale Spannungen und wirtschaftlicher Druck am Persischen Golf Abseits von physischen Korridoren gewichten die Diskussionsteilnehmer digitale Infrastrukturen und Souveränität als neues Schlachtfeld. Die moderne Route ist nicht nur Straße und Schiene, sondern auch Glasfaser, Rechenzentren und Überwachungstechnik — alle Komponenten, die politische Kontrolle und wirtschaftliche Abhängigkeiten schaffen. Projekte wie TRIPP enthalten daher auch digitale Elemente: Datenleitungen, Überwachungsst

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China, Russland und der Kampf um Eurasien | Ryan Perkins Die Großmächte lassen Europa hinter sich. Die USA, China und Russland konzentrieren sich alle auf das neue Kernland des 21. Jahrhunderts: Zentralasien. Ryan Perkins spricht mit Pascal über konkurrierende Transportkorridore quer durch Eurasien, von der von den USA unterstützten TRIPP- Route bis zu Russlands vorgeschlagenem Eurasien-Kanal. Sie diskutieren chinesische Infrastrukturfinanzierung, die Entwicklung der Belt and Road Initiative und die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Peking. Das Gespräch beleuchtet Finanzialisierung, industrielle Kapazitäten, digitale Souveränität und Chinas Ansatz in den internationalen Beziehungen. Perkins stellt zudem seine Interpretation des Iran-Konflikts vor und argumentiert, dass Störungen rund um Hormus als wirtschaftlicher Druck auf Chinas Entwicklung dienen können. Ryans Links: Substack: https://ceinewsletter.substack.com X: https://x.com/ChinaIndicator Global Economic Indicator: https://globaleconomicindicator.com Der Wettbewerb um den Kaukasus: TRIPP und der Eurasien- Kanal: https://ceinewsletter.substack.com/p/the-contest-for-the-caucasus-tripp Die EZB kartiert die Falle, Risse entstehen und Bessent verplappert sich: https://globaleconomicindicator.com/the-ecb- maps-the-trap-cracks-form-and-bessent-slips-up/ Neutrality Studies Links: Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com Neutrality Studies unterstützen: https://neutralitystudies. com/donate Neutrality Studies Shop: https://neutralitystudies.com/shop Zeitstempel 00:00 Ryan Perkins und der Wettbewerb um den Kaukasus 07:19 Bau des Eurasien-Kanals: Ingenieurwesen und Handel 17:31 Chinas Belt and Road und Reservestrategie 24:40 China und Russland: Partnerschaft ohne Bündnis 34:05 Finanzialisierung und der Verlust industrieller Kapazitäten 42:14 Digitale Souveränität und Chinas globaler Ansatz 48:06 China, die Philippinen und regionale Spannungen 51: 53 Iran, Hormus und wirtschaftlicher Druck auf China #Pascal Willkommen zurück bei „Neutrality Studies“, alle zusammen. Heute zum ersten Mal mit einem guten Kollegen, den ich zum ersten Mal in Pskow in Russland getroffen habe, als wir gemeinsam auf derselben Konferenz waren. Das ist Herr Ryan Perkins, ein geopolitischer Analyst mit Sitz in Peking, China. Ryan, herzlich willkommen. #Ryan Perkins Vielen Dank. Vielen Dank, dass ich hier sein darf. #Pascal -- 1 of 21 -- Vielen Dank, dass Sie online zu uns gekommen sind. Sie haben bereits mit Alexander Mercouris gesprochen, und wir alle haben Ihre Beobachtungen zu China und Russland beim Forum sehr genossen. Das war wirklich aufschlussreich. Deshalb wollte ich Sie noch einmal einladen. Sie haben gerade einen Artikel auf Ihrem eigenen Substack veröffentlicht. An alle: Sie können Orion auf Substack abonnieren. Der Artikel heißt: „Der Wettstreit um die Kaukasus-Route und den eurasischen Kanal“. Lassen Sie uns damit beginnen, bevor wir etwas später auf die chinesisch-russischen Beziehungen eingehen. Was genau sind Ihre Beobachtungen dazu? #Ryan Perkins Ich war kürzlich beim Fernöstlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok. Diese Geschichte entstand aus einer Reihe von Gerüchten und Vorschlägen, die dort kursierten. Und es ist tatsächlich sehr interessant, das zu beobachten. Ich denke, man kann diesen Wettbewerb um den Kaukasus durchaus als eine Fortsetzung der anderen Kriege betrachten, die derzeit auf dem eurasischen Kontinent geführt werden. Da ist der Konflikt in der Ukraine. Und da ist der Konflikt in Westasien mit dem Iran, also der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. In vielerlei Hinsicht kann man den sich im Kaukasus entwickelnden Wettbewerb als eine Fortsetzung davon sehen. Der TRIP-Vorschlag, also die Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand, ging aus dem Friedensgipfel zwischen Armenien und Aserbaidschan im vergangenen Jahr hervor, im September vergangenen Jahres in Washington. Es war ein Vorschlag für den Bau eines multimodalen Transportkorridors. Es handelt sich also um eine Bahn- und Straßenverbindung mit digitaler Infrastruktur. Sie verbindet das Schwarze Meer mit dem Kaspischen Meer und verläuft hauptsächlich durch Armenien und Aserbaidschan. Im Kern würde dadurch ein Korridor entstehen, der von der Europäischen Union über die Türkei und dann weiter durch den Kaukasus führt. Und natürlich zielt das ganz klar darauf ab, die Kaukasusregion aus dem traditionellen Einflussbereich Russlands und Irans herauszulösen. Man kann es auch sehr deutlich als einen Weg verstehen, eine Präsenz der Vereinigten Staaten direkt zwischen Russland und Iran zu etablieren. Als ich beim Fernöstlichen Wirtschaftsforum war, gab es dazu, jedenfalls auf russischer Seite, offenbar erhebliche Besorgnis. Und wir haben erlebt, wie ein Vorschlag aus der Sowjetzeit wieder aufgegriffen wurde: eine Wasserroute vom Asowschen Meer zum Kaspischen Meer zu bauen, die direkt durch russisches Territorium führen würde. Ich denke, das kann man durchaus als direkte Gegenmaßnahme zu diesem von den Vereinigten Staaten unterstützten Vorschlag sehen. #Pascal Ja, vielleicht ganz kurz zur geografischen Einordnung, ja? Wir haben hier Aserbaidschan, Armenien und Georgien. Das sind die drei Staaten im Südkaukasus. Der Nordkaukasus hingegen gehört -- 2 of 21 -- natürlich vollständig zu Russland. Und der TRIPP-Korridor, den man in Georgien manchmal auch als Sangesur-Korridor bezeichnet, würde Aserbaidschan über Armenien verbinden. Tatsächlich würde TRIPP hier unten direkt an der Grenze zum Iran anschließen. Ja, genau an dieser Grenze. #Ryan Perkins Das bedeutet buchstäblich, dass US-Infrastruktur direkt nördlich der iranischen Grenze aufgebaut wird. Und die Iraner haben sich dazu sehr, sehr deutlich geäußert. Sie haben gesagt: Das ist im Grunde eine Form geopolitischer Erdrosselung. Und interessant ist: Das haben sie schon gesagt, bevor der Krieg im Februar begann. Sie sind darüber also sehr, sehr besorgt. Und sie haben tatsächlich erklärt, dass sie das stoppen werden, selbst wenn die Russen es nicht tun. Sie haben gesagt: Unabhängig davon, ob die Russen uns dabei unterstützen oder nicht, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu verhindern. #Pascal Es wäre also wirklich nur dieser Abschnitt hier drüben, richtig? Denn das sind zwei Teile Armeniens und zwei Teile Aserbaidschans. Aber der gesamte Vorschlag läuft darauf hinaus, dieses Gebiet im Grunde zu einem langen Streifen eines US-Militärstützpunkts zu machen, richtig? #Ryan Perkins Im Grunde ja. #Pascal Und dann verläuft der verbleibende Vorschlag hier im Norden entlang, richtig? Ja. #Ryan Perkins Das stimmt, ja. Es verläuft vollständig über russisches Staatsgebiet. #Pascal Und Sie sagen, das ist ein Vorschlag, der auf einer früheren Idee beruht, richtig? Ich meine, der stammt noch aus der Sowjetzeit, haben Sie gesagt? #Ryan Perkins Ja, in den neunzehnhundertfünfziger Jahren gab es einen sowjetischen Vorschlag. Ein Teil der Infrastruktur ist also bereits vorhanden, aber sie müsste erheblich ausgebaut werden. Und ich glaube, eines der großen Hindernisse für die Russen ist im Moment die Finanzierung. In dieser Hinsicht schauen sie sehr stark darauf, chinesische Finanzmittel zu bekommen. Denn die Chinesen -- 3 of 21 -- haben offensichtlich enorme Summen in ähnliche Programme investiert. Und sie verfügen auch über sehr viel Erfahrung mit riesigen Infrastrukturprojekten. Es ist also eine vergleichsweise neue Wiederbelebung. Aber natürlich ist auch der TRIPP-Vorschlag ziemlich neu. Er wurde erst im September vergangenen Jahres vorgestellt. Aber ja, sie versuchen, das voranzutreiben. Interessanterweise ist das Eurasienkanal-Projekt eines von zwei Projekten, die sie tatsächlich geprüft haben. Das andere ist ebenfalls ein Kanalprojekt. Dabei würde der Wolga-Don-Kanal ausgebaut. Im Moment gibt es bereits einen Kanal, der Wolga und Don verbindet. Aber er ist sehr, sehr klein und in keinem besonders guten Zustand. Es liegen also zwei Vorschläge auf dem Tisch. Doch im Moment hat, glaube ich, der Eurasienkanal eindeutig den größten Rückenwind. Und genau darüber wurde auf dem Wirtschaftsforum im Fernen Osten gesprochen. #Pascal Und wie waren die Gespräche darüber? Also, wie realistisch ist das überhaupt? Ich kenne das Gelände dort überhaupt nicht. Was müsste man denn tun, um einen so langen Kanal zu bauen? Ich meine, dieser Kanal wäre vermutlich sogar länger als der, der in Amerika den Pazifik mit dem Atlantik verbindet. Das wäre ein Großprojekt. #Ryan Perkins Es sind also ungefähr siebenhundert Kilometer russisches Gebiet, die der Kanal durchqueren müsste. Er würde durch das Kuma-Manytsch-Becken verlaufen. Es ist kein riesiges Kanalprojekt. Ich meine, verglichen mit einigen der größeren Kanäle ist es nicht besonders groß. Denn derzeit werden zwei verschiedene Varianten geprüft. Eine würde Schiffen mit bis zu zehntausend Tonnen erlauben, den Kanal zu passieren. Es gibt auch einen ehrgeizigeren Vorschlag, der von sechsundzwanzigtausend Tonnen ausgeht. Am wahrscheinlichsten wäre meiner Ansicht nach die Variante für zehntausend Tonnen. Das größte Problem ist jedoch, dass das Kaspische Meer mehrere Meter tiefer liegt als das Asowsche Meer. Denn das Kaspische Meer schrumpft seit einigen Jahren. Das große Ingenieurprojekt wäre also der Bau von Schleusen, durch die die Schiffe auf- und abwärts fahren könnten. Einer der Punkte, mit denen das Projekt beworben wird, ist aber, dass dadurch tatsächlich Wasser in das Kaspische Meer umgeleitet und der Meeresspiegel angehoben würde. #Pascal Dass sich das Kaspische Meer tatsächlich wieder auffüllt, ist ein schöner Nebeneffekt. Ja. Hey, nur ein ganz kurzer Hinweis: Ihr unterstützt diesen Kanal am besten, indem ihr meinen kostenlosen Substack abonniert. Ihr könnt auch mit einem kostenpflichtigen Abo dort helfen. Oder ihr holt euch etwas von unserem neuen Merch auf Neutrality Studies Punkt com. Die Links stehen unten. Wir sehen uns dort. Welche Art von neuem Handel würde das ermöglichen, wenn es dazu käme? Ich meine, was ist im Moment noch nicht möglich? Denn Öl und so weiter wird ja durch Pipelines -- 4 of 21 -- transportiert. Straßenverkehr gibt es natürlich auch. Was wäre der große Vorteil eines solchen Kanals? #Ryan Perkins Einer der Schlüssel dabei ist, einen Teil des Handels über das Kaspische Meer zu öffnen. Ein Schifffahrtskanal, der durch russisches Gebiet führen würde, könnte Russlands Kontrolle über den Seeverkehr im Kaspischen Meer deutlich festigen. Aber einer der Hauptfaktoren, die die TITR-Route vorantreiben, ist die Europäische Union. Die EU hat bereits zugesagt, zweihundert Milliarden Euro für die TITR-Route bereitzustellen. Damit soll eine Verbindung von der EU in die Kaspische Region geschaffen werden, vor allem mit Blick auf Kasachstan. Kasachstan hält sich dabei gewissermaßen alle Optionen offen. Das Land will sich nicht vollständig auf die TITR festlegen. Deshalb zeigt es auch vorsichtig großes Interesse an der russischen Route. #Pascal Ich meine, für Kasachstan und Turkmenistan sollte das doch offensichtlich sinnvoll sein, oder? Das würde bedeuten, dass sowohl Turkmenistan als auch Kasachstan dann über den Bosporus auch einen direkten Zugang zum Mittelmeer und zum Atlantik hätten, richtig? Ich meine, das wäre für beide enorm. Was Russland angeht: Russland hat natürlich bereits Zugang zur Ostsee. Aber im Grunde wäre das für alle drei eine weitere, riesige Handelsroute, oder? #Ryan Perkins Zum ersten Mal wirklich wiederbelebt wurde dieses Projekt tatsächlich von Kasachstan im Jahr zweitausendsieben. Und Kasachstan setzte sich damals ziemlich stark dafür ein. Doch dann verschwand das Thema eine Zeit lang wieder. Erst nach September vergangenen Jahres, als die Trump-Regierung begann, über die TITR-Route zu sprechen, fing Russland an, das Interesse an dieser Route wiederzubeleben. #Pascal Aber in diesem Sinne wäre die TITR-Route, wissen Sie, einfach nur der Landkorridor. Im besten Fall hätten Sie dann Lastwag