Globalismus BESIEGT! Multipolarität siegt gegen kolonialen Westen | Dr. Kee Beng Ooi

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Dr. Ooi Kee Beng vertritt die Auffassung, dass die gegenwärtige internationale Ordnung sich aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen, der Nachwirkungen der Dekolonisierung und des Wiederauflebens nicht‑westlicher Handlungsfähigkeit in Richtung Multipolarität verschiebt. Er argumentiert, dass Südostasien optimistisch gestimmt ist, weil aufstrebende regionale Volkswirtschaften — insbesondere China — und beständige pluralistische Gesellschaften westliche Soft‑Power‑Narrative, die Weltpolitik als binären Wettbewerb deuten, schwächen. Anhand historischer Zyklen verortet Ooi den „Aufstieg“ Chinas eher innerhalb lang anhaltender regionaler Einflussstrukturen denn als externe Anomalie und verbindet die Solidaritäten der Bandung‑Ära mit einem erneuten Selbstbewusstsein des Globalen Südens in Afrika und Asien. Er kritisiert persistente orientalistische Annahmen im westlichen Diskurs, warnt davor, uni­polare Ersetzungsnarrative zu reproduzieren, und betont, dass wirtschaftliche Realitäten ideologische Hierarchien umgestalten werden. In sicherheitspolitischer Hinsicht deutet Ooi an, dass zeitgenössische Konflikte (Ukraine, Iran) Überreste einer älteren Ordnung seien, und fordert die Anerkennung

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## Einführung Die gegenwärtigen Krisen – Krieg in Europa, Spannungen im Nahen Osten, wachsende Rivalitäten um Einfluss – erscheinen mancherorts als letzten Zuckungen einer alten Weltordnung. Aus der Perspektive der jüngsten Diskussion mit Dr. Kee Beng Ooi ergibt sich ein anderes Narrativ: Wir erleben nicht einfach chaotische Brüche, sondern die sukzessive Ablösung einer unipolaren, kolonial geprägten Denkweise durch eine zunehmend multipolare Welt. Dieser Wandel ist weniger eine spontane Katastrophe als das Ergebnis historischer Prozesse: wirtschaftlicher Verschiebungen, kultureller Wiedererweckungen und politischer Revitalisierungen, die besonders in Südostasien deutlich spürbar sind. Die Herausforderung besteht nun darin, wie alte Machtstrukturen darauf reagieren – mit Gewalt, Propaganda oder Anpassung. Dr. Kee Beng Ooi betont, dass die Wahrnehmung globaler Bedrohung in Europa und in Teilen Westens stark von medialer Rhetorik und geopolitischer Angst geformt wird. Demgegenüber steht in vielen Teilen Asiens eine pragmatischere Grundstimmung: Alltäglicher Wohlstand, ökonomische Perspektiven und eine historische Erfahrung von Vielheit nähren ein größeres Vertrauen in die Zukunft. Dieses Spannungsverhältnis zwischen westlicher Panik und asiatischem Pragmatismus ist kein bloßes Kommunikationsproblem; es reflektiert fundamentale Differenzen darin, wie Staaten ihre Interessen, Sicherheit und kulturelle Würde definieren. ## Chinas Aufstieg und regionale Geschichte Chinas Einfluss auf Südostasien ist kein neues Phänomen, wie Dr. Kee Beng Ooi mehrfach hervorhebt. Vielmehr ist der sogenannte „Aufstieg“ Chinas Teil einer langen, wellenförmigen Geschichte von kulturellem, ökonomischem und demographischem Austausch. Die Vorstellung, China sei plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht, verkennt Jahrhunderte von Migration, Handel und politischen Verflechtungen, die bereits viele heutige Gesellschaften in der Region geprägt haben. Diese historisch verwurzelte Präsenz macht Chinas Rolle heute anders: weniger als fremde Invasion, mehr als Rückkehr eines bereits bekannten Akteurs mit neuer Macht. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass das gegenwärtige China eine moderne Konstruktion ist. Der Staat greift auf westliche Technologie, Wissenschaft und Verwaltungsformen zurück und mischt diese Elemente mit lokalen Traditionen und autoritären Staatspraktiken. Dr. Kee Beng Ooi beschreibt diesen Prozess als hegelsche Synthese: Eine alte Zivilisation trifft auf westliche Moderne und formt daraus eine neue politische Ordnung. Diese Mischung erzeugt Überschneidungen, Unsicherheiten und Chancen für die Region. Staaten in Südostasien stehen dadurch vor der Wahl, sich in pragmatische Beziehungen einzubinden, Balanceakte zwischen Großmächten zu vollziehen oder alte Formen der Neutralität neu zu denken. Die historische Tiefe erklärt auch, warum Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden chinesischen Angriff – etwa auf Taiwan oder Inseln im Südchinesischen Meer – in vielen Teilen Südostasiens nicht die zwangsläufige Reaktion ist. Die regionale Perspektive ist komplexer: China wird als Nachbar und Handelspartner gesehen, als zugleich wirtschaftliche Chance und strategische Herausforderung. Damit stellt sich weniger die Frage eines unvermeidlichen militärischen Konflikts als die nach der politischen Fähigkeit, mit wachsender Machtverlagerung konstruktiv umzugehen. ## Bandung, Afrika und Souveränität Die Bandung-Konferenz von 1955 fungiert in der Debatte als symbolischer Wendepunkt: ein Moment, in dem Staaten des sogenannten Globalen Südens den Anspruch auf politische Eigenständigkeit formulierten. Dr. Kee Beng Ooi erinnert daran, dass Bandung nicht nur anti-imperiale Rhetorik war, sondern ein praktisches Bekenntnis zur Neutralität, zur Kooperation unter Gleichrangigen und zur Formulierung von Alternativen zur bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges. Diese Tradition einer dritt- oder „alternativen“ Außenpolitik hat bis heute Bedeutung, denn sie bietet ein Modell, wie Staaten Souveränität ohne Unterordnung bewahren können. Aus Sicht vieler Länder Afrikas und Asiens ist Entkolonialisierung nicht abgeschlossen; sie hat Phasen durchlaufen, die politische Unabhängigkeit, aber nicht unbedingt wirtschaftliche Autonomie brachten. Dr. Kee Beng Ooi unterstreicht, dass das gegenwärtige Streben nach einer multipolaren Welt auch eine Fortsetzung des antikolonialen Projekts ist: Staaten wollen nicht länger als passive Ressourcenlieferanten oder strategische Außenposten dienen. Vielmehr geht es darum, die eigene Agenda – Entwicklung, Infrastruktur, Bildung, kulturelle Anerkennung – aktiv zu gestalten. Der heutige Global South verbindet ökonomische Interessen mit einem kulturellen Anspruch: Anerkennung als gleichwertiger Partnerschaftsteil. Diese Kombination ist mächtig, weil sie nicht nur moralische Forderungen stellt, sondern handfeste wirtschaftliche Alternativen schafft. Das wiederum zwingt traditionelle Hegemonen, in neuen Formen der Kooperation zu denken – oder ihre Autorität zu riskieren. Für Dr. Kee Beng Ooi liegt eine Chance der Gegenwart darin, dass ökonomische Realitäten jene mentalen Strukturen in westlichen Zentren hinterfragen, die lange europäisch-zentriert blieben. ## Iran, der Nahe Osten und Öl Die gegenwärtigen Konflikte im Nahen Osten und die Ukrainekrise sind, in Ooi’s Analyse, Überreste eines Denkens, das noch immer in Machtprojektionen und Ressourcenlogiken verharrt. Öl war über Jahrzehnte ein zentrales Instrument strategischer Politik; Kontrolle über Energiewege und -quellen rechtfertigte Interventionen oft als geopolitische Notwendigkeit. Doch in einer multipolaren Welt verlieren monolithische Zugriffsmuster an Plausibilität. Diese Entwicklung verändert auch die Motive und Mittel, mit denen Mächte ihre Interessen durchsetzen. Im konkreten Fall des Iran sind mehrere Ebenen relevant: nationale Selbstbehauptung, regionale Einflussfragen und das globale Interesse an Energieversorgung. Dr. Kee Beng Ooi mahnt, dass westliche Lagerlogiken – Schuldzuweisungen, ideologische Einordnung – zu simplifizierenden Erklärungen führen. Eine komplexere Lesart erkennt historische Demütigungen, innenpolitische Dynamiken und regionale Netzwerke als treibende Kräfte. Wenn globale Machtzentren weiterhin versuchen, Konflikte primär als Schauplätze ihrer Rivalität zu behandeln, dann verlängern sie Konflikte und reduzieren Spielräume für lokale Lösungen. Eine multipolare Welt könnte hier andere Mechanismen eröffnen: mehr regionale Verantwortung, verstärkte diplomatische Einbindung von Staaten, die bisher randständig waren, und eine Entflechtung von Sicherheitspolitik und Rohstoffinteressen. Das heißt nicht, dass Konflikte automatisch enden; es bedeutet jedoch, dass alternative Kanäle für Verhandlung und Kooperation wahrscheinlicher werden, wenn internationale Machtblöcke ihre Exklusivität verlieren. ## Das maritime Südostasien und die Globalisierung Maritimes Südostasien ist die Schnittstelle von Regionalgeschichte, Handel und globaler Geopolitik. Die Straße von Malakka, die Seewege und Hafenstädte bilden seit Jahrhunderten eine Welt, in der Multikulturalität, Handel und pragmatische Politik normal sind. Dr. Kee Beng Ooi betont, dass die Offenhaltung dieser Korridore nicht nur lokalstaatliches Interesse, sondern globales Public Good ist. Die Herausforderung besteht darin, Marineinteressen, Handelsfreiheit und regionale Neutralität so auszutarieren, dass keine Macht im Alleingang das System dominiert. Globalisierung in dieser Region ist weniger ein westlich initiiertes Projekt als ein fortlaufender Prozess von Vernetzung, in dem Akteure wie China, Indien, ASEAN-Staaten und externe Mächte interagieren. Die wirtschaftliche Verflechtung skizziert Wege zur Kooperation: Investitionen, Infrastrukturprojekte, maritime Sicherheitsforen. Zugleich zeigt die Region, wie Diversifizierung von Partnerschaften Stabilität bringt. Staaten, die sich auf mehrere Beziehungen stützen, können Druck von außen besse

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Globalismus BESIEGT! Multipolarität siegt gegen kolonialen Westen | Dr. Kee Beng Ooi Es ist das „letzte Aufbäumen des Kolonialismus“, wie mein heutiger Gast, Dr. Ooi Kee Beng, es ausdrückt. Die Kriege in der Ukraine und im Iran sind Überbleibsel einer Zeit, die bereits vergangen ist und derzeit durch die Realitäten der multipolaren Ordnung abgelöst wird. Dr. Ooi, geschäftsführender Direktor des Penang Institute, erläutert, warum Südostasien hoffnungsvoller in die Zukunft blickt als Europa, wie Chinas Aufstieg Entkolonialisierung und Multipolarität prägt und warum das westliche Denken die Welt noch immer als Wettbewerb betrachtet. Er untersucht die Kolonialgeschichte, den Nahen Osten, die Neutralität der ASEAN und die Offenhaltung der Straße von Malakka. ANMELDUNG zum Penang Peace Dialogue: https://commonwealthofworldchinatowns. com/penang-peace-dialogue Links: Wikibeng: https://wikibeng.com Penang Institute: https://penanginstitute.org ISEAS – Yusof Ishak Institute: https://www.iseas.edu.sg Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com Merch: https://neutralitystudies.com/shop Spende: https://neutralitystudies.com/donate Zeitstempel: 00:00:00 Einführung 00:01:18 Die Aussichten Europas und Südostasiens 00:06:30 Chinas Aufstieg und regionale Geschichte 00:12:43 Entkolonialisierung und eine multipolare Welt 00:24:55 Bandung, Afrika und Souveränität 00:28:39 Orientalismus und die koloniale Weltordnung 00:42:33 Iran, der Nahe Osten und Öl 00:46:29 ASEAN und die Straße von Malakka 00:53:13 Das maritime Südostasien und die Globalisierung #Pascal Willkommen zurück bei Neutrality Studies. Heute zum ersten Mal bei uns: Dr. Ooi Kee Beng, Direktor des Penang Institute und einer der bekanntesten und einflussreichsten Denker Malaysias in Fragen der Politik und Außenpolitik. Dr. Ooi, herzlich willkommen. #Kee Beng Ooi Danke. Danke, Pascal. #Pascal Es ist wunderbar, Sie hier zu haben. Und bevor wir anfangen, möchte ich allen sagen: In Penang wird es tatsächlich eine große Veranstaltung geben, den Penang Peace Dialogue, am fünften und sechsten September, also in weniger als einem Monat. Viele Denker werden auf Ihrer wunderschönen Insel zusammenkommen und über die internationale Lage sprechen. Für alle, die gerne dorthin gehen würden: Bei Neutrality Studies sind noch acht Plätze frei. Sie können mir eine E- Mail schreiben und sagen, dass Sie teilnehmen möchten. Ich stelle gerne den Kontakt her. Und Dr. Ooi, Sie werden ebenfalls Teil dieser Gruppe sein. Dort wird es viele Gespräche über internationale -- 1 of 20 -- Beziehungen geben und Analysen, nun ja, zum Frieden in der Welt. Dr. Ooi, nachdem das geklärt ist: Können wir ein wenig über Ihre Perspektive darauf sprechen, wo wir im Jahr zweitausendsechsundzwanzig stehen, wenn es um Krieg und Frieden geht? Denn, wissen Sie, in Europa sieht es im Moment sehr, sehr düster aus. Wie lautet Ihre Einschätzung unserer Lage? #Kee Beng Ooi Nun, das stimmt, was Sie sagen. Ich glaube, Europa befindet sich in einer Krise. Zum Teil selbst verschuldet, zum Teil, weil man sich manchmal zu viele Gedanken macht. Während man das in diesem Teil der Welt nicht so stark spürt. Man spürt es, wenn man die Massenmedien liest und sieht, wie die Trump-Präsidentschaft auf alle möglichen Dinge reagiert, eher aggressiv und provokativ und so weiter. Von hier aus entsteht also schon der Eindruck: Bereiten sich die Menschen auf einen Krieg vor, oder was ist das? Nun, in Asien insgesamt, zumindest in Ostasien, ist es ruhig. Wenn wir also nicht jeden Tag über einen unmittelbar bevorstehenden Krieg um Taiwan sprechen, dann ist das hier ein ziemlich schöner Teil der Welt. Und nicht nur das: In vielerlei Hinsicht geht es ihm gut. Wirtschaftlich läuft es nicht allzu schlecht, selbst mit den amerikanischen Zöllen und anderen Konflikten, einschließlich des Kriegs in der Ukraine und Iran. Im Allgemeinen sind die Menschen im Alltag also glücklich und optimistisch. Ja, entschuldigen Sie. #Pascal Das ist ein völlig anderes Bild. Ich meine, ich habe jedes Mal, wenn ich Südostasien besuche, sei es Thailand oder Indonesien, denselben Eindruck: Die Menschen scheinen ziemlich zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, oder? Es ist, als stünden gute Dinge bevor. Und wenn man nach Europa kommt, ist alles düster. Alles ist so: Oh, es geht um Krieg. Es wird Krieg geben. Wir müssen uns auf Krieg vorbereiten. Sogar in der Schweiz ist es in gewisser Weise sehr dystopisch. #Kee Beng Ooi Von unserer Seite aus denken wir natürlich, dass die Diskurse und zum Teil die globale Propaganda – ich nenne es mal die globale Propagandamaschinerie – seit nun schon einigen Jahren in einen sehr pessimistischen Modus geraten sind. Und ich würde sagen, das hat sehr negative Auswirkungen auf die westliche Soft Power. Die westliche Soft Power war in diesem Teil der Welt immer sehr stark. Südostasien war größtenteils immer eher, nun ja, prowestlich. Die Menschen mögen westliche Dinge und so weiter. Aber all das ist sehr schnell verschwunden, vermute ich persönlich, wegen Dingen, die wie Propaganda wirken. Es ist, als hätte sich die Realität in Europa plötzlich sehr stark von der Realität hier unterschieden. Und ich denke, als wir hier jünger waren, sagen wir vor dreißig Jahren, waren wir eher bereit zu glauben, dass unsere Situation ziemlich ähnlich ist wie die in Europa. Wir haben uns eher als Teil eines globalen geoökonomischen Ganzen gesehen. Ich glaube, diese Zeit ist vorbei, zum Teil wegen des Aufstiegs Chinas, des Aufstiegs Indiens und so weiter. Ich denke, die wirtschaftliche Realität ist es, die die Dinge vorantreibt. Die Ideologie folgt. Und deshalb sind die -- 2 of 20 -- Menschen hier im Allgemeinen eher optimistisch, denke ich, trotz bestimmter Naturkatastrophen, über die Sie vielleicht gelesen haben. Aber es ist auch ein Teil der Welt, der Unterschiede schon immer recht offen aufgenommen hat. Es ist eine stark maritime Region. Manche nennen sie, glaube ich, das zweite Mittelmeer. Wir hatten in diesem Teil der Welt also schon immer ein gewisses Maß, ein hohes Maß an Multikulturalismus. Es gibt also eine gewisse, nun ja, wenn man es negativ ausdrücken will, Schicksalsergebenheit. Positiv betrachtet, ist das aber auch etwas Gutes, wenn Sie verstehen, was ich meine. Es geht darum, nicht zu schnell zu abhängig vom Rest der Welt zu werden. Und natürlich denke ich, dass vieles mit der Wirtschaft zusammenhängt. Wenn die wirtschaftliche Lage in der Region ziemlich gut ist, nicht nur von Land zu Land betrachtet, dann ist man tendenziell optimistischer. Sozialer Aufstieg scheint sehr real. Es scheint realistisch, dass meine Kinder ein besseres Leben haben werden als ich. Im Allgemeinen herrscht Frieden. Wir sehen keine Gefahr, dass hier ein großer Krieg ausbricht. Das bringt mich vielleicht zu einem wichtigen Punkt. Wir befürchten, dass ein Krieg hier, falls es dazu kommt, von einer westlichen Macht verursacht wird. Er wird nicht von uns verursacht werden. Ich denke, das wäre die allgemeine Stimmung. Und natürlich mag niemand jemanden – wissen Sie, man kann Menschen, Kräfte oder Nationen nicht besonders positiv gegenüberstehen, wenn man glaubt, dass sie versuchen könnten, in diesem Teil der Welt einen Konflikt zu entzünden. #Pascal Wenn Sie sich insbesondere die geopolitischen Analysen westlicher Mainstream-Medien anhören, entsteht sehr schnell der Eindruck, dass China kurz davorsteht, einen Krieg gegen Taiwan oder gegen die Philippinen zu beginnen. Besorgt Sie das in irgendeiner Weise? Oder ist das Teil dessen, was Sie zuvor als Propagandamaschinerie bezeichnet haben? #Kee Beng Ooi Zunächst einmal würde ich sagen: Wir sprechen vom „Aufstieg Chinas“. Ich glaube, wenn man im Westen vom „Aufstieg Chinas“ spricht, klingt das so, als wäre China vor diesem Aufstieg gar nicht da gewesen. #Pascal Ja, genau. #Kee Beng Ooi Sie ist vom Mars herabgefallen oder so. Aber wir haben schon immer mit China gelebt. Ich bin chinesischer Herkunft. Penang ist zu fünfundvierzig Prozent chinesisch. Ich will das chinesische Thema also nicht überbetonen, aber dieser Teil der Welt ist eine Region, in der Chinas Einfluss schon immer recht groß war. Wenn man vielleicht tausend oder zweitausend Jahre zurückgeht, war der -- 3 of 20 -- indische Einfluss recht stark. Denn viele der Kulturen hier, die malaiischen Kulturen, wie sie in Indonesien und Malaysia definiert werden, sind eindeutig indisch geprägt. Darüber liegt dann eine mohammedanische, wenn ich dieses Wort verwenden darf, Schicht, die größtenteils aus Arabien und aus Indien selbst kam. Aber wenn wir nun auf die letzten paar hundert Jahre schauen, sehen Sie, dass der chinesische Einfluss stärker ist. Vor allem durch die Demografie, vor allem durch die Bewegung aus Südchina, durch Einwanderer aus Südchina, und auch durch wirtschaftliche Einflüsse aus China. Da wir gerade darüber sprechen, möchte ich, bevor ich es vergesse, sagen: Wenn wir vom Aufstieg Chinas sprechen, dann gibt es natürlich auch Aufstieg und Niedergang. Und in der chinesischen Geschichte gibt es diese zyklische Bewegung. Dynastien kommen, Dynastien gehen. Und chinesische Dynastien sind im Grunde meist Dynastien Nordchinas. Sie entstehen gewöhnlich im Norden Chinas. Südchina hatte daher immer auch seine eigene Geschichte. Aber jedes Mal, wenn es einen Aufstieg oder einen Niedergang gibt, hat das Auswirkungen, wenn man so will, Nachwirkungen bis nach Südostasien, besonders in die nördlichen Länder. Und wie Sie wissen, stand Vietnam früher tausend Jahre lang unter chinesischer Herrschaft. Aber als sie sich davon befreit hatten, wurde für die vietnamesische Identität sehr deutlich: „Wir sind nicht chinesisch“, richtig? Dieses Gefühl. Natürlich ist es auch schwierig, an Vietnam ohne China zu denken, denn da ist dieser große Nachbar im Norden. Aber auch weiter im Süden gab es Bewegungen von Menschen auf dem Seeweg, nach Norden und nach Süden. Viele Menschen aus dem chinesischen Küstengebiet sind heruntergekommen und haben diesen Teil der Welt beeinflusst. Das wissen wir. Wenn man zum Beispiel Thailand selbst nimmt: Ein großer Teil der heutigen thailändischen Bevölkerung ist chinesischer Herkunft, besonders in Bangkok und so weiter. All das – nun ja, worauf ich mit meinem langen Umweg hinauswill: Wenn man vom Aufstieg Chinas spricht, dann ist das einfach eine fortlaufende Geschichte. #Pascal Hey, nur ein ganz kurzer Hinweis. Am besten unterstützt du diesen Kanal, indem du meinen kostenlosen Substack abonnierst. Du kannst auch mit einem kostenpflichtigen Abo dort helfen oder dir etwas von unserem neuen Merch auf neutralitystudies.com holen. Die Links findest du unten. #Kee Beng Ooi Wir sehen uns dort. Es ist, als würde man über Europa sprechen, als gehörte Frankreich nicht dazu. Sie wissen schon, der Aufstieg Frankreichs. Was soll das bedeuten? Wenn ich es nun so formuliere, möchte ich natürlich auch festhalten: Dieser Aufstieg Chinas ist insofern anders, als er jetzt vollständig von westlichen Technologien, westlichen wissenschaftlichen Denkweisen und so weiter inspiriert ist, richtig? Und all das ist natürlich wichtig. Denn genau das führte zum Niedergang Chinas, zum Fall des Qing-Reichs. Obwohl China damals die stärkste Wirtschaft der Welt war, konnte es sich letztlich nicht wirklich gegen die vor allem militärische Technologie des Westens behaupten. -- 4 of 20 -- Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts, besonders im zwanzigsten Jahrhundert, nun ja, das britische Jahrhundert trat mit einer solchen Macht auf, militärisch, wirtschaftlich und ideologisch, dass das alte chinesische System sich letztlich nicht dagegen behaupten konnte. Und so fiel es. Dieser Aufstieg ist also ein hegelscher Schritt, wenn ich das Wort mal benutze: Der Osten hat als Antithese den Westen. Und jetzt hat man etwas, das, wir wissen nicht genau was, so etwas wie Westernismus mit chinesischen Merkmalen ist? So ähnlich, oder? Da ist diese ganze Mischung aus östlichen chinesischen Kommunisten – wobei Kommunismus ja auch westlich ist.