Im Zentrum dieses Austauschs vertritt Dr. Jonas Tögel die Auffassung, dass in Europa — insbesondere in Deutschland — ein bewusst gesteuerter kognitiver Wandel hin zur Militarisierung stattfindet, angetrieben durch anhaltende Propaganda, NATO‑Planungen und ökonomische Anreize. Tögel dokumentiert, wie gesamtgesellschaftliche Botschaften Schulen, Medien und junge Menschen erreichen, die Aufrüstung normalisieren und die Bevölkerung gegen abweichende Narrative immunisieren. Er verbindet diese diskursive Kampagne mit NATO‑ und US‑Strategien, die darauf abzielen, Europa gegenüber Russland zu spalten und zu schwächen, und warnt vor sich selbst erfüllender Eskalation, wenn westliche Staaten ukrainische Angriffe ermöglichen und Waffentransfers leisten. Trotz der allgegenwärtigen Kriegskommunikation identifiziert Tögel Quellen des Widerstands: die Zurückhaltung Jugendlicher, sich rekrutieren zu lassen, lokales Aktivismus sowie die Möglichkeit, dass wahrheitsgetreue Aufklärung die öffentliche Zustimmung umkehrt. Er betont, dass Erschöpfung und mediale Überforderung Massenmobilisierungen für den Frieden schwächen, argumentiert jedoch, dass die ungeschminkte Benennung imperialer Interessen und d
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Europa steht an einer Weggabelung: Entweder wir erkennen die systematischen Mechanismen, die eine Normalisierung von Krieg und Militarismus befördern, oder wir lassen uns von einer inszenierten Angstpolitik in einen Abgrund treiben. Die jüngste Gesprächsrunde mit Dr. Jonas Tögel macht deutlich, dass es sich bei der heutigen Kriegshysterie nicht um zufällige Stimmungen handelt, sondern um eine durchdachte, weitreichende Operation—ein Zusammenspiel aus Narrativen, militärischer Öffentlichkeitsarbeit und institutionellen Weichenstellungen, das die Gesellschaft Schritt für Schritt remilitarisiert. Wer das erwartet, erkennt zugleich einen Gegenentwurf: politisches Bewusstsein, ziviler Widerstand und kulturelle Gegenstrategien, die verhindern können, dass die Angst das letzte Wort bekommt.
## Deutsche Kriegsstimmung und Wiederaufrüstung
Die Debatte um Wiederaufrüstung und nationale Sicherheit in Deutschland wirkt weniger wie ein spontanes Stimmungsbild als wie die Folge langfristiger, koordinierter Anstrengungen. Militärische Planungen und Analysen, die längst öffentlich zugänglich sind, zeigen ein Ziel: die Herstellung und Aufrechterhaltung eines Images von Russland als existentieller Bedrohung. Diese Erzählung wird in einer Vielzahl von Kanälen reproduziert—Medien, politische Statements, Studien—und erhält dadurch eine scheinbare Evidenz, die sich schwer erschüttern lässt. Dr. Jonas Tögel weist darauf hin, dass solche Narrative nicht bloß informieren, sondern mobilisieren sollen: Schulen werden angegangen, die Industrie wird umgesattelt, gesellschaftliche Praktiken werden auf Kriegsbereitschaft getrimmt.
Unübersehbar ist der ökonomische Motor dieser Entwicklung. Sektoren, die einst zivile Produkte herstellten, werden als potenzielle Rüstungsproduzenten umfunktioniert; wirtschaftliche Umstellungen werden als unausweichliche Antwort auf geopolitische Bedrohungen verkauft. Das Ergebnis ist ein dreifacher Effekt: erstens die Verschiebung materieller Ressourcen in Richtung Militär, zweitens die Legitimierung von Staatsausgaben für Verteidigung und drittens die kulturelle Verankerung einer Angst, die als rationale Vorsorge präsentiert wird. Dieses Klimaszenario macht Kritik schwer—sie erscheint dann schnell unpatriotisch oder naiv.
## Jugendwiderstand und öffentliche Angst
Dass die Remilitarisierung bis in Klassenzimmer vordringt, ist ein befremdlicher Aspekt dieser Transformation. Auf Werbetagen, bei Schulbesuchen und Informationsveranstaltungen präsentiert sich die Bundeswehr als attraktive Option für junge Menschen, die in einer unsicheren Welt nach Perspektiven suchen. Doch die Resonanz ist ambivalent: Viele Jugendliche bleiben skeptisch, einige verweigern gar die bürokratischen Formulare, mit denen sie in Kontakt mit der Armee treten sollen. Dies ist ein politisches Zeichen—kein bloßer Generationenkonflikt, sondern Ausdruck einer ethischen Reflexion über Krieg und Opferbereitschaft.
Gleichzeitig existiert eine mediale Darstellung, die diese Skepsis pathologisiert: Junge Menschen werden als unengagiert oder egoistisch dargestellt, wenn sie sich einem Aufruf zur Waffendienste verweigern. Die Realität ist komplexer. Der Widerstand der Jugend kann als Ressource gesehen werden—als Potential, die öffentliche Debatte zu verschieben und alternative Werte in den Vordergrund zu rücken. Diese Dynamik zeigt auch, wie prekär der gesellschaftliche Konsens ist: Das etablierte Narrativ wankt, und dort, wo Institutionen versuchen, Unbehagen mundtot zu machen, entstehen Brüche, in denen sich zivilgesellschaftliche Opposition formieren kann.
## NATO-Druck und Europa
Die Rolle der NATO und der Einfluss globaler Interessen auf europäisches Handeln wurden im Gespräch deutlich benannt: Vorstellungen von Sicherheit sind nicht rein europäisch, sie sind in ein Geflecht transatlantischer strategischer Überlegungen eingebettet. Dr. Tögel macht darauf aufmerksam, dass bestimmte US-Strategien ein langfristiges Ziel verfolgen—die geopolitische Marginalisierung einer potenziellen Konkurrentin. Deutschlands Position wurde historisch und politisch in diese Struktur hineinreguliert; die Folge ist eine Abhängigkeit, die sich in militärischen Planungen und politischen Prioritäten manifestiert.
Das Bild, das dabei entsteht, ist das eines Kontinents, der zwischen Selbstbehauptung und Fremdbindung hin- und hergerissen ist. Wenn nationale Entscheidungen im Schatten größerer strategischer Pläne getroffen werden, wird die Frage nach demokratischer Kontrolle drängender. Welche Parlamente, welche Bürgerinnen und Bürger entscheiden wirklich über Krieg und Frieden? Die Antwort liegt nicht nur in Institutionen, sondern in der öffentlichen Kritik und in der Bereitschaft, solche transatlantischen Machtkonstellationen offen zu benennen und zu diskutieren.
## Gaza, Iran und imperiale Gewalt
Die Gesprächsrunde erweitert die Perspektive über Europa hinaus und verwebt lokale Debatten mit globalen Mustern imperialer Gewalt. Konflikte wie in Gaza oder Spannungen mit dem Iran werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer größeren Logik, die militärische Interventionen als Mittel politischer Gestaltung normalisiert. Diese Fortsetzung von Gewalt unter dem Deckmantel humanitärer oder sicherheitspolitischer Gründe zeigt, wie eng Narrative und militärische Praxis heute verbunden sind.
Zugleich offenbart sich eine heikle Doppelmoral: Die Unterstützung bestimmter Akteure in Konfliktszenarien wird mit Demokratie- und Freiheitsrhetorik begründet, während dieselben Maßnahmen in anderen Kontexten kritisiert würden. Dieses selektive Moralisieren unterminiert internationale Glaubwürdigkeit und schafft Raum für Gegenpropaganda, die die Heuchelei globaler Machtpolitik entlarvt. Für jene, die für eine andere Welt eintreten, ist es wichtig, diese Zusammenhänge klar und öffentlich zu benennen—nicht als Verschwörung, sondern als analytisch begründete Beobachtung imperialer Kontinuitäten.
## Friedensbewegung und Kriegsbotschaften
Die Agenturen der Deeskalation haben an Sichtbarkeit verloren. Antikriegsbewegungen, die in früheren Jahrzehnten mobilisieren konnten, erscheinen fragmentiert und in ihrer Reichweite begrenzt. Die Gründe sind vielfältig: mediale Zersplitterung, politische Entfremdung, Erschöpfung vieler Aktivistinnen und Aktivisten. Doch das Gespräch zeigt auch, wo Hoffnung liegt: in lokalen Initiativen, in öffentlicher Aufklärung und in mutigen Stimmen, die den Diskurs herausfordern. Die zentrale Aufgabe besteht darin, die Friedensbewegung neu zu denken—als Netzwerk unterschiedlicher Akteursgruppen, die nicht nur Protest organisieren, sondern alternative Sicherheitskonzepte entwickeln.
Essentiell ist dabei eine Rückkehr zur Ehrlichkeit im öffentlichen Raum. Wenn Kriegsvorbereitungen offen diskutiert und komplexe militärische Pläne sichtbar gemacht werden, entsteht ein Raum für demokratische Auseinandersetzung. Und wenn Menschen beginnen, die Kosten der Aufrüstung in Mensch und Geld zu kalkulieren, verliert die Kriegsrhetorik ihren Glanz. Die Friedensbewegung muss daher die Sprache der Alltagserklärbarkeit finden: Wo gefährdet Aufrüstung Jobs, Lebensperspektiven und demokratische Freiheiten? Solche Fragen sprechen ein breiteres Publikum an und machen die Debatte anschlussfähig.
## Propagandataktiken und Gegenstrategien
Das Gespräch analysiert eine Palette von Propagandataktiken: Vereinfachung komplexer Sicherheitsszenarien, emotionales Framing, wiederholte Inokulation gegen widersprüchliche Informationen und die Nutzung technologischer Mittel wie KI zur Skalierung von Narrativen. Diese Werkzeuge sind wirksam, weil sie nicht nur informieren, sondern Wahrnehmungen formen—und damit politische Handlungsbereitschaft prägen. Sie funktionieren besonders gut in Momenten gesellschaftlicher Unsicherheit, wenn schnelle Antworten mehr Gewicht haben als differenzierte Analysen.
Gegenstrategien müssen deshalb mehrfach ansetzen. Erstens: Faktenarbeit und Bildung—nicht als Elfenbeinturm, sondern in zugänglichen Fo
Transcript
Mutiger Forscher deckt auf: NATO zielt auf
Gehirne von EU-Bürgern | Dr. Jonas Tögel
Die Kriegshysterie in Europa ist kein Zufall. Sie wurde über lange Zeit durch Kriegsnarrative,
Propaganda und tatsächliche Pläne kognitiver Kriegsführung in der Bevölkerung des Kontinents
vorbereitet und verankert. Heute spreche ich mit Dr. Jonas Tögel, einem deutschen
Propagandaforscher und Autor. Wir diskutieren über Kriegsbotschaften in Europa, die militärische
Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr an Schulen, den Widerstand der Jugend, NATO-Narrative, die
Rolle der USA und der EU, den Zusammenbruch der Antikriegsbewegung sowie darüber, wie
Propaganda, Angst und Medienüberflutung die öffentliche Meinung formen. Außerdem sprechen wir
über öffentlichen Widerstand, Selbstfürsorge und darüber, wie man eine Friedensbewegung am
Leben erhält. Links: Dr. Jonas Tögel YouTube: https://www.youtube.com/@DrJonasToegel Neutrality
Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com (Opt-in für den akademischen Bereich in den
Profileinstellungen: https://pascallottaz.substack.com/s/academic) Merch: https://neutralitystudies-
shop.fourthwall.com Spenden: https://neutralitystudies.com/donate Zeitmarken: 00:00:00
Einführung 00:01:59 Deutsche Kriegsstimmung und Wiederaufrüstung 00:12:42 Jugendwiderstand
und öffentliche Angst 00:22:28 NATO-Druck und Europa 00:30:30 Gaza, Iran und imperiale Gewalt
00:40:08 Friedensbewegung und Kriegsbotschaften 00:48:30 Propagandataktiken und
Gegenstrategien 00:57:27 Selbstfürsorge und abschließende Gedanken
#Pascal
Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“ heute Abend – mit meinem Freund und
Kollegen, Dr. Jonas Tögel, Amerikanist und Propagandaforscher an der Universität Regensburg.
Jonas, schön, dass du wieder da bist.
#Jonas Togel
Hallo, Pascal.
#Pascal
Schön, dich wiederzusehen. Du warst ja schon mal hier auf dem Kanal, aber für alle, die das damals
verpasst haben: Du bist nicht nur Wissenschaftler, sondern hast auch deinen eigenen YouTube-Kanal
auf Deutsch. Wenn ihr Deutsch versteht, schaut euch unbedingt Jonas an. Er gehört zu den wenigen
deutschen Akademikern, die wirklich versuchen, aus dieser kleinen Box auszubrechen, in der wir uns
oft bewegen, und auf seinem Kanal eigene Analysen anzubieten. Dort beschäftigt er sich vor allem
damit, die verschiedenen Mechanismen zu untersuchen, mit denen in den deutschen und
europäischen Mainstream-Medien derzeit Propaganda eingesetzt wird.
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Und er redet nicht einfach nur darüber, er kennt sich wirklich gut damit aus. Er hat mehrere Bücher
dazu geschrieben, unter anderem dieses hier. Es hat auch einen deutschen Titel, übersetzt heißt es
„Kognitive Kriegsführung“. Darin hat Jonas – und darüber haben wir ja schon in einem unserer
letzten Gespräche gesprochen – analysiert, wie die NATO selbst kognitive Kriegsführung einsetzt und
sich darauf vorbereitet, sie nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen die eigene
Bevölkerung anzuwenden. Und genau das ist der beunruhigendste Teil. Er schreibt schon seit einiger
Zeit über Propaganda. Und ich freue mich sehr, dass du wieder dabei bist.
#Jonas Togel
Ich freu mich auch, wieder hier zu sein. Es ist immer ein Vergnügen, in deinem Kanal zu sein, Pascal.
#Pascal
Also, reden wir mal ein bisschen darüber, was in Europa eigentlich passiert. Ich habe in letzter Zeit
viele Nachrichten und Gespräche darüber bekommen, dass diese Kriegseuphorie, vor allem in
Deutschland, immer schlimmer wird. Auch die mediale Erzählung über einen möglichen Krieg mit
Russland wird immer düsterer. Und was das Ganze noch beunruhigender macht: Ich hatte gerade
ein Gespräch mit Stanislaw Krapivnik, der meinte, dass die Russen inzwischen den Deutschen
glauben – und sich ebenfalls auf einen Krieg vorbereiten. Wir steuern also auf eine selbsterfüllende
Prophezeiung zu. Kannst du uns vielleicht ein bisschen erklären, wo wir in Deutschland gerade
stehen, bei diesem unaufhörlichen Drang in Richtung Krieg?
#Jonas Togel
Also, wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es, glaube ich, immer schwieriger wird, einen Ausweg zu
finden. Denn das Narrativ, das in den letzten Jahren aufgebaut wurde – und das dieses
Kriegsgeschehen stützt – ist sehr einfach, aber auch sehr gefährlich. Im Kern lautet es: Russland ist
eine große Bedrohung. Und dann gibt es Studien – also, das ist wirklich ein sehr einfaches Narrativ –
die sagen: Russland wird Europa und Deutschland in den nächsten Jahren angreifen. Da fragt man
sich natürlich: Woher wissen die das eigentlich? Und wenn Russland wirklich so stark ist, warum
warten sie dann ein paar Jahre, bis wir uns vorbereitet haben? Und dann, wenn wir bereit sind, dann
kommen die Russen.
Also, das ist keine besonders intelligente Erzählung, muss ich sagen. Aber sie wird auf allen Kanälen
verbreitet. Nicht auf allen – YouTube-Kanäle wie deiner zum Beispiel sind da eine sehr wertvolle
Ausnahme. Es gibt gute alternative Informationen, aber die erreichen eben nicht die Mehrheit der
Menschen. Also haben wir dieses Narrativ, das aufgebaut wird und das wir jetzt verteidigen müssen.
Und was wir jetzt sehen, ist, dass die Militarisierung, die du gerade erwähnt hast, irgendwie in alle
Bereiche der Gesellschaft eindringt. Ein bisschen so wie damals bei COVID‑neunzehn, als man sagte:
Okay, wir müssen jetzt dieses Virus bekämpfen. Die Schulen müssen mitkämpfen, zu Hause muss
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gekämpft werden, am Arbeitsplatz auch. Die ganze Gesellschaft muss sich im Grunde darauf
einstellen, sich auf diesen Kampf gegen COVID vorzubereiten.
Es ist ähnlich. Es ist wie ein umfassender gesellschaftlicher Wandel, der gerade stattfindet. Und das
sage nicht ich, sondern wenn man die Papiere des Militärs liest, in denen sie die Lage analysieren
und beschreiben, was getan werden muss, dann sprechen sie von einem gesamtgesellschaftlichen
Ansatz. Wenn wir also über kognitive Kriegsführung reden, über diesen Wandel im Denken, der
stattfinden muss, dann ist das ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz. Und der zieht sich durch alle
Bereiche. Wir haben zum Beispiel Schulen – und wissen Sie, wenn ich Vorträge halte, da sitzen oft
Hunderte von Leuten, und es gibt immer ein paar Eltern, die mir sagen, dass sie sich große Sorgen
machen, weil jetzt die Bundeswehr in die Schulen kommt.
Und sie werben junge Leute an, wissen Sie, Schulkinder, vierzehn, fünfzehn, sechzehn Jahre alt.
Weil man ihnen eine Geschichte erzählt. So nach dem Motto: Hey, das ist doch cool, wenn du zur
Bundeswehr gehst. Wir haben diese tollen Panzer, und du kannst sie dir anschauen. Es gibt Tage der
offenen Tür, da kannst du zur Bundeswehr gehen, dich in die Panzer oder Flugzeuge setzen, was
auch immer. Das wirkt ein bisschen wie bei den Pfadfindern – Hauptsache, es macht Spaß. Und die
Leute, na ja, sie melden sich dann eben. Genau das passiert im Moment an den Schulen. Da wird
eine bestimmte Erzählung verbreitet, und alles, was irgendwie nicht zur offiziellen Linie passt, wird
als Verschwörungstheorie abgestempelt und soll abgelehnt werden.
Weißt du, das ist … wir könnten jetzt ins Detail gehen, aber das nennt man Inokulation. Man will
also, dass die Leute widersprüchliche Informationen ausblenden und dass sie bei dieser NATO-
Erzählung auf Linie gebracht werden. Dann haben wir natürlich die Medien, wo es bestimmte
Zielgruppen gibt. Es gibt alle möglichen Kanäle, die ständig dieses Narrativ vom großen russischen
Bedrohungsszenario verbreiten und dass wir wieder aufrüsten müssen. Und natürlich gibt es da
auch, das dürfen wir nicht vergessen, die wirtschaftliche Seite. Wir wissen doch alle, am Ende geht’s
um die Wirtschaft – das hat man ja schon in den Neunzigern gesagt. Und klar, die Wirtschaft geht
offensichtlich bergab.
Europa und Deutschland sind auf einem Selbstmordkurs. Sie schneiden sich von der günstigen
Energie ab, die ihre Wirtschaft jahrzehntelang getragen hat. Und jetzt müssen sie irgendwie eine
Wirtschaft am Leben halten. Was macht man da? Man stellt um – die Produktionslinien, die Autos
bauen, kann man problemlos so umbauen, dass sie Panzer herstellen. Und genau das passiert im
Moment. Wohin man auch schaut, es ist so, wie du gesagt hast: Überall lauern Bedrohungen, es ist
gefährlich, und es ist beängstigend zu sehen, was da gerade geschieht. Und ich habe mir neulich die
sogenannte Bevölkerungsbefragung angesehen – also so eine Umfrage.
Ja, also für ganz Deutschland, von der deutschen Armee, von der Bundeswehr. Und sie haben
herausgefunden – na ja, zuerst einmal wissen sie das, und sie wissen es ganz genau, und sie
schreiben das auch ganz deutlich –, dass wir dieses Bild einer russischen Bedrohung brauchen. Das
steht im Zentrum all dieser Veränderungen, die gerade passieren. Wir brauchen, dass die Menschen
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glauben, Russland sei eine große Bedrohung. Das schreiben sie so, ja. Und sie haben da, na ja,
Programme. Sie schicken Leute los – Tausende. Da steckt eine Menge Geld dahinter. Tausende und
Abertausende Menschen gehen in deutsche Haushalte und führen dazu Interviews. So nach dem
Motto: Was halten Sie von der Bundeswehr? Was halten Sie von Wladimir Putin?
Was halten Sie von der deutschen Bundeswehr? Finden Sie, dass wir wieder aufrüsten sollten? Ist
mehr Geld für Verteidigung eine gute Idee? Es wurden ungefähr dreihundert Fragen gestellt, und die
Ergebnisse sind in einer Studie zusammengefasst. Dabei kam im Grunde heraus, dass der Wandel im
Denken tatsächlich stattfindet. Etwa achtzig Prozent – also acht von zehn Menschen in Deutschland
– sehen die Bundeswehr als eine sehr wertvolle und angesehene Institution. Und ungefähr zwei
Drittel, also zwischen sechzig und siebzig Prozent der Deutschen, sind fest davon überzeugt, dass es
diese große russische Bedrohung gibt, gegen die wir aufrüsten, uns vorbereiten und verteidigen
müssen – und dass wir unsere Gesellschaft entsprechend verändern sollten, um nicht von Russland
überrollt zu werden.
Wie Sie ja schon gesagt haben, wenn man das Ganze mal aus einer Art Ego-Perspektive betrachtet
und versucht, alle Seiten einzubeziehen – genau das haben Sie gerade beschrieben. Für die Russen
persönlich wird diese Remilitarisierung Deutschlands und Europas natürlich als Bedrohung
wahrgenommen. Denn man kann nicht einfach nur defensiv aufrüsten. Die andere Seite wird immer
denken – und das durchaus mit gutem Grund –, dass das Ganze offensiv wirkt. Und dass die andere
Seite ihrerseits ebenfalls Schritte vorbereitet. Ich weiß, Sie haben darüber schon gesprochen, und
man könnte ewig so weitermachen. Die Ukraine darf russische Energieziele angreifen, und wenn
man Russland dann sozusagen in die Enge treibt – was soll die größte Atommacht der Welt dann
tun? Ganz gleich, wohin man schaut, es ist einfach Wahnsinn.
#Pascal
Ich meine, noch schlimmer – wie Stanislav Kropivkin gerade gesagt hat – es geht ja nicht nur
darum, dass die Ukraine russische Ölanlagen angreifen darf. Es geht darum, dass sie überhaupt in
die Lage versetzt wird, das zu tun, oder? Und die Ukraine nutzt all diese NATO-Daten und die
Infrastruktur, um solche Ziele anzugreifen. Die Drohnen, die auf Russland losgeschickt werden,
stammen im Grunde aus Europa. Und Europa ist sogar stolz darauf – stolz darauf, dass man der
Ukraine hilft und dass Rheinmetall die Ukraine bei der Waffenproduktion unterstützt. Und die Russen
sagen dann sinngemäß: Wie lange sollen wir uns das eigentlich noch gefallen lassen, von Ländern,
die offen sagen, sie bereiten sich auf einen großen Krieg mit uns vor? Jedenfalls, die Lage wird
immer schlimmer.
Die Russen sind jetzt an dem Punkt, an dem sie darüber nachdenken, was sie in Europa angreifen
könnten. Und, na ja, Europa wird wohl die ersten russischen Schläge abbekommen, weil die Russen
jetzt bereit sind, das zu tun. Ich meine, das ist inzwischen so etwas wie eine sich selbst erfüllende
Prophezeiung. Es ist, ähm, ich weiß nicht, es ist wirklich – es ist unglaublich beängstigend. Und ich
hatte gehofft, dass du mir sagen würdest, dass das, was Matthias Desmet eine Massenbildung
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nennt, bei u