Steht der Dritte Weltkrieg bevor? | L. Kasradze & A. Kachikian

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Lasha Kasradze und Arthur Kachikian warnen, dass eine von westlichen Akteuren vorangetriebene Eskalation rund um Iran die Gefahr birgt, eine weitreichendere regionale und globale Konfrontation zu entfachen. Kasradze ordnet die Kampagne als Teil einer umfassenderen Strategie ein, Russland und China durch exportiertes Chaos zu schwächen, und betont, dass eine Destabilisierung Irans den Südkaukasus gefährden und die regionale strategische Tiefe aushöhlen würde. Kachikian hebt drohende wirtschaftliche Erschütterungen, eine mögliche militärische Überdehnung der USA sowie die Unmöglichkeit einer Besetzung Irans ohne hohe Verluste und langandauernden Aufstand hervor. Beide unterstreichen die entscheidende, ambivalente Rolle der Türkei und die Gefahr, dass der Kaukasus angesichts sich verschärfender Großmachtrivalität erneut zur „Pulverkammer“ werden könnte. Sie kritisieren den westlichen Informationseinfluss in Kleinstaaten – insbesondere Armenien – und argumentieren, dass mediengetriebene, westlich gestützte Narrative politische Kapitulation und Verwundbarkeit gegenüber externer Manipulation gefördert haben. Die Gesprächspartner sehen in der Multipolarität für Kleinstaaten mehr Handlungs

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## Einführung Was aus der jüngsten Diskussion hervorgeht, ist weniger eine Vorhersage als eine Warnung: Die weltpolitische Lage hat sich in einer Weise verfestigt, die lokale Konflikte rasch in regionale oder gar globale Konfrontationen verwandeln kann. Die Gesprächsrunde zeichnet ein Bild, in dem strategische Kurzsichtigkeit, ökonomische Panik und das Spiel der Großmächte zusammenwirken und dadurch die Wahrscheinlichkeit ungewollter Eskalationen erhöhen. Im Zentrum steht nicht allein ein militärisches Kalkül, sondern die Kombination aus geostrategischen Ambitionen und dem Zerfallen historischer Sicherheitsarchitekturen — ein Cocktail, der Regionen wie den Südkaukasus und den Persischen Golf besonders verwundbar macht. ## Gefahreneinschätzung Südkaukasus Der Südkaukasus erscheint im Gespräch als offenes Pulverfass. Die historische Verwundbarkeit der Region, geprägt durch ethnische Spannungen, ungeklärte Grenzen und externe Einflussnahmen, bleibt intakt. Die Diskussion betont, dass lokale Machtverschiebungen — etwa Gewinne auf dem Schlachtfeld oder politische Schwächung eines Nachbarn — sofort Kettenreaktionen auslösen können. Staaten wie Armenien, Aserbaidschan und Georgien werden hier nicht als autonome Akteure allein gesehen, sondern als Spielbretter, auf denen größere Mächte versuchen, strategische Vorteile zu sichern. Die unmittelbare Gefahr ist, dass eine Eskalation in einer Richtung Anschauungen und Allianzen so verändert, dass das regionale Gleichgewicht in Richtung dauerhafter Instabilität kippt. Wirtschaftliche Schocks, Flüchtlingsströme und die Wiederholung ethnischer Gewalt sind plausible Folgen — und genau solche Konsequenzen stehen im Raum, falls die Lage nicht entflechtet wird. ## Nördliche Front gegen den Iran Ein zentrales Thema der Debatte ist die Hoffnung mancher Akteure, den Iran von Norden aus zu destabilisieren oder zu überziehen, mithilfe von Verbündeten und nicht-staatlichen Gruppen. Die Gesprächsteilnehmer verweisen darauf, dass derartige Vorstöße in der Praxis hochriskant und militärisch schwer zu rechtfertigen sind. Ein großangelegter Bodenkrieg gegen den Iran würde massive Truppenkontingente erfordern und die Invasoren sofort zu Zielen für asymmetrische Antworten machen — Drohnen, Raketen und Guerillataktiken wären die Folge. Zudem würde eine Zerstörung oder Zerlegung des iranischen Staates nicht nur Innenpolitik und Ethnienordnung durcheinanderbringen, sondern auch Russland und China in ihrer strategischen Südausrichtung beeinträchtigen. Kurz: Ein „nördlicher Angriff“ wäre zugleich ein Test, ob die globalen Akteure bereit sind, eine Eskalationsspirale zu riskieren, die weit über den Nahen Osten hinausreicht. ## Folgen am Golf und regionale Rückwirkungen Die ökonomischen und sicherheitspolitischen Rückwirkungen eines solchen Krieges am Persischen Golf wären enorm. Versorgungsketten, Öl- und Gaspreise sowie weltweite Transportwege — allen voran die Straße von Hormus — stünden auf dem Spiel. Die Diskussion macht deutlich: Schon die Drohung, diese Korridore zu unterbrechen, reicht aus, um globale Marktpaniken und Versorgungsengpässe auszulösen. Militärisch gesehen würde eine Ausweitung des Konflikts am Golf die Präsenz externer Mächte intensivieren und die Region in einen permanenteren Krisenmodus bringen. Darüber hinaus würden paramilitärische Gruppen, Stellvertreterkämpfe und Terrorakte die Sicherheitslage weiter destabilisieren — ein Szenario, das handelnde Staaten in langwierige, kostenintensive Interventionen ziehen könnte. ## Armenien-Korridor und äußere Kontrolle Ein wiederkehrendes Motiv in der Debatte ist die Geburt von „Korridoren“ als Instrument äußeren Einflusses. Wenn ein Korridor geschaffen wird — sei es wirtschaftlich, militärisch oder territorial —, verändert das sofort die lokale Machtarchitektur. Für Armenien bedeutet das Risiko, dass externe Mächte Infrastruktur und Transitwege nutzen, um politische Zwecke durchzusetzen. Solche Korridore verwandeln souveräne Staaten in strategisch verwaltete Räume; damit einher geht die Gefahr, dass lokale Führungseliten zu Stellvertretern größerer Mächte degradiert werden. Die langfristige Folge wäre weniger Unabhängigkeit als die permanente Abhängigkeit von externen Sicherheitssubventionen, die jederzeit zur politischen Erpressung taugen. ## Georgien und der Propagandakampf Die Diskussion beleuchtet auch den inneren Kampf um Narrative. Georgien wird als Beispiel genannt, wo eine geschickte, manchmal manipulative Medien- und PR-Strategie nationale Stimmungen und Solidaritäten formt. Propaganda fungiert hier nicht nur als Informationskampf, sondern als Mittel, um Gesellschaften zu spalten oder zu einen — je nachdem, wer sie steuert. In Konfliktphasen kann dies die Mobilisierungshaltung verstärken, Misstrauen gegenüber Institutionen schüren und demokratische Diskurse unterminieren. Die strategische Nutzung von Medieninformation ist damit ein Katalysator: Sie kann politische Handlungsspielräume erweitern, aber auch rigide und gefährliche Muster zementieren. ## Lehren aus der Ukraine und Kriegswarnungen Aus den Erfahrungen der Ukraine lassen sich klare Lehren ziehen, die in der Diskussion wiederkehren. Erstens: Lokale Konflikte können schnell bremsend auf internationale Allianzen wirken und zugleich Großmächte in langwierige, teure Konflikte hineinziehen. Zweitens: Militärische Erfolge ohne strategische Tiefe bergen das Risiko, als Pyrrhussiege zu enden. Drittens: Westliche Unterstützungen können lokale Eliten stärken, die dann keineswegs notwendigerweise demokratische oder friedensfördernde Ziele verfolgen. Die Gesprächspartner warnen vor dem Narrativ, dass militärische Interventionen allein kurzfristig „Lösungen“ produzieren; tatsächlich öffnen sie oft langfristige, schwer kontrollierbare Krisendynamiken. ## China, Russland und das Systemgleichgewicht Aus der Debatte geht hervor, dass ein potenzieller Zusammenbruch des Iran nicht nur regionalen, sondern globalen Einfluss hätte, weil er Russlands und Chinas strategische Leitungen beeinträchtigen würde. Der Iran ist in diesem Szenario mehr als ein Nachbarstaat: Er ist ein Puzzleteil im Systemgleichgewicht zwischen großen Mächten. Das Gespräch macht klar, dass eine gezielte Schwächung Teherans als indirekter Angriff auf die Interessen Moskaus und Pekings interpretiert werden müsste — mit allen Konsequenzen für Bündnisse, Versorgungskorridore und diplomatische Beziehungen. In einem enger verflochtenen Eurasien würde die Störung eines zentralen Knotens systemische Rückwirkungen erzeugen, die weit über die ursprünglich beteiligten Akteure hinausreichen. ## Demokratiekrise und abschließende Gedanken Die Debatte schließt mit einer düsteren Bestandsaufnahme der Demokratie als vulnerabler Form politischer Ordnung. Wenn externe Mächte autoritäre, opportunistische Regime stützen, werden demokratische Normen ausgehöhlt; die Folge sind Vertrauenskrisen, institutionelle Schwächung und die Zunahme repressionsfähiger Führungspersonen. Die Gesprächsrunde mahnt, dass viele der heutigen Entscheidungen in westlichen Hauptstädten nicht nur militärische, sondern zivilisatorische Risiken bergen: Die politische Antwort auf externe Bedrohungen — sei sie militärisch oder wirtschaftlich — kann die Demokratie selbst in die Krise treiben. Abschließend bleibt die dringende Aufforderung, Eskalationsdynamiken nicht als unvermeidlich hinzunehmen, sondern als das Ergebnis politischer Entscheidungen, die gestoppt oder zumindest gemildert werden könnten. Was aus der Diskussion klar hervorsticht, ist der Mangel an einfachen Antworten. Die Instrumente, mit denen Staaten heute Macht projizieren, sind vielfach dieselben, die schon historische Katastrophen ermöglichten: Korridore, Stellvertreter, wirtschaftliche Erpressung und Medienmanipulation. Doch es gibt auch ein lehrreiches Argument in der Runde: Systemstabilität ist kein Selbstläufer. Sie erfordert Zurückhaltung, Diplomatie und ein Bewusstsein dafür, dass das Spiel mit regionalen Spannungen

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Steht der Dritte Weltkrieg bevor? | L. Kasradze & A. Kachikian Der politische Westen setzt alles aufs Spiel. Unter der Führung der USA stehen die alten Kolonialreiche, die ihren Machtverlust nie überwunden haben, kurz davor, den größten globalen Krieg seit den 1940er Jahren zu entfesseln. Und wofür? Gemeinsam mit Lasha Kasradze aus Georgien und Arthur Khachikian aus Armenien untersuche ich die Risiken, die Angst und die brutale Logik des scheiternden westlichen Imperiums. Links: Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com (Option für den akademischen Bereich in den Profileinstellungen aktivieren: https://pascallottaz.substack.com/s/academic) Merch & Spenden: https://neutralitystudies-shop.fourthwall.com Kapitelmarken: 00:00:00 Einführung 00:00:38 Gefahreneinschätzung Südkaukasus 00:10:28 Nördliche Front gegen den Iran 00:22:50 Folgen am Golf und regionale Rückwirkungen 00:28:18 Armenien-Korridor und äußere Kontrolle 00:34:46 Georgien und der Propagandakampf 00:40:37 Lehren aus der Ukraine und Kriegswarnungen 00:44: 50 China, Russland und das Systemgleichgewicht 00:50:31 Demokratiekrise und abschließende Gedanken #Pascal Willkommen zurück, alle zusammen, zu *Neutrality Studies*. Mein Name ist Pascal Lottaz, und heute sind zwei meiner Lieblingsanalysten aus dem Kaukasus bei mir: Lasha Kats-Ratze aus Georgien und Arthur Kachikian aus Armenien. Arthur, Lasha, willkommen zurück. Vielen Dank, ich freue mich sehr, euch beide ausnahmsweise einmal in derselben Sendung zu haben – normalerweise spreche ich mit euch getrennt. Aber heute wollen wir darüber sprechen, was allgemein im Südkaukasus geschieht und natürlich auch in der Grenzregion zu Iran. Darf ich euch beide vielleicht zunächst um eure Einschätzung bitten, worauf wir heute, am 24. März, besonders achten sollten? Vielleicht beginnen wir mit Arthur und dann Lasha. #Arthur Kachikian Danke. Ich sage Ihnen, worauf wir achten sollten: Es steht eine wirtschaftliche Katastrophe bevor. Ich bin kein Ökonom, aber nach dem, was ich in den Nachrichten und Schlagzeilen sehe, werden die Preise für Treibstoff, Gas, Öl – und dann auch für Lebensmittel – in die Höhe schießen. Wir stehen vor einer globalen Wirtschaftskrise. In einigen asiatischen Ländern gibt es bereits Treibstoffknappheit. Das wird sich ausbreiten. Und wir sehen diesem Wahnsinn zu, diesem Projekt, die Straße von Hormus und die Insel Kharg zu besetzen, was den Konflikt weiter eskalieren, zu amerikanischen Opfern führen und amerikanische Soldaten zu leichten Zielen für iranische Drohnen und Raketen machen wird. Selbst militärisch ergibt das absolut keinen Sinn. Und selbst wenn es -- 1 of 17 -- gelingt, ebnet es den Weg für die USA, in Szenarien wie im Irak und in Afghanistan hineinzurutschen – acht Jahre im ersten, zwanzig Jahre im zweiten. Ich weiß nicht mehr, wie ich mit Menschen, die solche Entscheidungen treffen, vernünftig reden soll. Das ist, kurz gesagt – das wäre meine kurze Zusammenfassung. #Pascal Lasha, worauf liegt im Moment dein Hauptaugenmerk, während du versuchst zu verstehen, was in und um den Iran herum geschieht? #Lasha Kasradze Nun, ich teile den Pessimismus. Leider sehe ich das Glas hier als halb leer, denn, sehen Sie, wir wissen, dass dieser Krieg – zuerst der 12-tägige Krieg und jetzt dieser Plan, Iran und andere souveräne Nationen zu zerstören und zu zerschlagen – etwas viel Größeres in sich trägt. Natürlich gibt es hier ein sehr starkes, grundlegendes Element, nämlich Israel und die Art und Weise, wie die Verhandlungen geführt wurden. Ich würde in die frühen 1990er Jahre zurückgehen, als Israel versuchte, über Aserbaidschan in die Region vorzudringen. Dieses Element kann nicht ausgeschlossen werden. Aber es gibt hier natürlich ein größeres Bild. Es geht darum, die Region zu schwächen und Chaos in den weiteren Raum zu exportieren. Und das Ziel hier ist Russland, das Ziel hier ist China – auf Kosten der Vasallen, der südkaukasischen Republiken. Natürlich geht es darum: Wenn der Iran fällt, wird Armenien keinen guten Tag haben. Russland kann es sich nicht leisten, diesmal untätig zu bleiben, so wie es in den 90er-Jahren bei Serbien der Fall war. Damals konnte es nichts tun, und dann entlud es gewissermaßen seine Rache an Georgien im Jahr 2008 und schließlich an der Ukraine. Diese westliche Philosophie, zu tun, was man will, kam bei Putin nicht gut an. Gleichzeitig konnten sie aber auch nichts gegen den Kosovo unternehmen, als Bush den Kosovo, einen historischen Teil Serbiens, abtrennte. Kurz gesagt, ich glaube nicht, dass Russland sich diesmal dasselbe leisten kann. Ich denke, Russland beobachtet sehr genau, was passiert. China ebenso. Und der Südkaukasus – es wird nicht gut für den Südkaukasus ausgehen, wenn der Iran fällt oder auf die eine oder andere Weise zerschlagen wird. Also, wissen Sie, wenn dieser Krieg eskaliert, werden alle drei Republiken unter Druck geraten. Ich bleibe bei meiner Meinung und sage, dass, wenn Alijew denkt, dies sei eine Art Triumph – nun, es gab einen kurzfristigen Triumph; wir alle wissen, was in Bergkarabach passiert ist. Aber es gibt keine strategische Tiefe und keine strategische Zukunft, wenn man die Lage so einschätzt, weder für Aserbaidschan noch für Armenien. Was also denkt Paschinjan? Vielleicht kann Arthur uns dazu eine bessere Einschätzung geben. Ich weiß, dass Georgien sich weitgehend sehr geschickt im Hintergrund hält. Aber insgesamt denke ich, dass dieses ganze iranische Fiasko eine potenzielle Katastrophe für die gesamte Region darstellt, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Auswirkungen und den geowirtschaftlichen Projekten, die derzeit stattfinden. -- 2 of 17 -- #Pascal Nein, das tut es. Arthur, siehst du irgendwelche Anzeichen von Panik aus Armenien oder der Region im Allgemeinen? Ich meine, das ist auch für den Südkaukasus äußerst, äußerst gefährlich, oder? Zusätzlich zu all den täglichen Verbrechen durch die Bombardierung des Iran. #Arthur Kachikian Nun ja, ich stimme meinem Kollegen zu – meinem geschätzten Kollegen. Wenn man das große Ganze betrachtet, ist dies ein Angriff auf Russland und China. Sobald der Iran fällt, werden alle Nord- Süd-Verbindungen von Russland in den Iran und weiter in den Süden unterbrochen. Dadurch wird die Isolation Russlands zunehmen – Russland wird also noch isolierter werden. Und China wird von seiner Energieversorgung im Persischen Golf abgeschnitten. Das ist also ein Angriff auf Russland und China. Der Iran ist ein wichtiger Verbündeter beider Länder. Ich stimme Lasha zu, dass Russland es sich nicht leisten kann, untätig zu bleiben. Aber gleichzeitig kann es sich Russland eigentlich nicht leisten, sich einzumischen, da es bereits in einen groß angelegten Konflikt mit praktisch dem gesamten NATO-Block in der Ukraine verwickelt ist. Es ist also schwer vorstellbar, wie Russland eine weitere Region übernehmen könnte. Der Kaukasus als Ganzes ist ein weiteres Pulverfass. Man kann eine Parallele zu den Balkans oder dem Nahen Osten ziehen – es ist wie ein zweiter Balkan oder ein zweiter Naher Osten. Es kann explodieren. In den 1990er Jahren ist es tatsächlich explodiert. Wenn du dich erinnerst, gab es den Krieg in Tschetschenien, den Konflikt zwischen Georgien und Abchasien und dann Ossetien sowie den Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern um Karabach, das heute nicht mehr existiert. Die Bevölkerung wurde vertrieben. Es ist also ein Pulverfass, und es könnte explodieren. Ich denke, in dieser Region sehen wir wahrscheinlich die Hegemonie der Türkei und Aserbaidschans. Sie stehen in enger Allianz. Das wird für die Armenier nicht gut ausgehen. Diese Person, die durch Drittländer an die Macht gebracht wurde – das ist nicht wirklich unser Anführer. Er ist ein Autokrat, ein Tyrann. Er verhaftet die Führer unserer Kirche, verhaftet Journalisten, schlägt sie zusammen, verhaftet und misshandelt Anwälte – Dinge, die wir im Westen niemals sehen würden. Aber leider wird er vom Westen unterstützt. Nicht der erste und nicht der letzte Diktator, der vom Westen unterstützt wird. Die Strategie dieses Mannes ist totale Unterwerfung. Im Grunde hat er Armenien ausgeliefert. Er führt jede Anweisung aus, die er von unseren Nachbarländern und aus Europa erhält. Sein einziges Ziel ist es, an der Macht zu bleiben, denn wenn er es nicht ist, wird er sich vielen Fragen zu der Katastrophe stellen müssen, die er über Armenien gebracht hat. So ist Armenien erneut zu einer Spielkarte geworden – nur ein Bauer oder ein Handlanger, wie Lasha sagt – in den Händen der Großmächte. Wir haben damit viel Erfahrung, und all das ist sehr, sehr tragisch. Es endet gewöhnlich damit, dass Armenier ausgelöscht werden. Die Kurden haben diese Lektion in den letzten acht oder zehn Jahren zweimal gelernt, und wir haben sie in den letzten 150 Jahren gelernt. -- 3 of 17 -- Einer der Gründe, warum der Völkermord an den Armeniern geschah, war, dass sie bestimmten Mächten vertrauten, sie würden sie schützen, verteidigen und, nun ja, dass man sich auf sie verlassen könne. So ist es zu Ende gegangen. Es besteht also eine große Gefahr, dass sich dieser Konflikt auf den Kaukasus ausweitet. Ich hoffe, das passiert nicht. Es hat mehrere ziemlich ernste Warnungen an Aserbaidschan gegeben, die von bestimmten Autoritäten – Kommentatoren, darunter Professor Marandi – ausgesprochen wurden, und irgendwie vermute ich, dass er wahrscheinlich etwas weiß, wenn er das sagt. Vielleicht spiegelt er in seinen Äußerungen eine offizielle Position wider. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass Aserbaidschan sich nicht einmischt. Bisher war es sehr vorsichtig, selbst nachdem Drohnen auf seinem Territorium abgestürzt sind. Aber es ist ein Pulverfass; es könnte explodieren. Die Lage könnte sich erheblich verschlechtern, wenn dieser Konflikt andauert. #Pascal Hey, ganz kurze Unterbrechung — ich wurde vor Kurzem von YouTube gesperrt. Obwohl ich jetzt wieder da bin, kann das jederzeit erneut passieren. Deshalb bitte ich euch, nicht nur hier zu abonnieren, sondern auch meinen Newsletter auf Substack. Das ist pascallottaz.substack.com. Der Link steht unten in der Beschreibung. #Lasha Kasradze Und jetzt zurück zum Video. #Pascal Darf ich kurz fragen – gleich in der allerersten Kriegswoche hörten wir, dass es Pläne oder zumindest Gespräche darüber gab, dass einerseits kurdische Milizen möglicherweise vom irakischen Territorium aus eingreifen könnten und andererseits aserbaidschanische Truppen vielleicht aus dem Norden, aus dem Kaukasus, kommen würden, richtig? Aber keines von beidem ist wirklich passiert. Ich weiß also nicht, ob das nur Medienspekulationen und Gerüchte waren oder ob im Hintergrund tatsächlich jemand daran gearbeitet hat. Hat einer von Ihnen – vielleicht fangen wir mit Russland an – irgendwelche Informationen darüber, ob in dieser Hinsicht noch etwas im Gange ist, also etwa eine Eskalation des Krieges von Norden her? Denn im Moment konzentrieren wir uns ja immer noch hauptsächlich auf die Golfregion, auf die Straße von Hormus und den Raketenkrieg. Aber besteht die Gefahr, dass es doch noch zu einer Art Bodeninvasion kommt – nicht durch US-Soldaten vor Ort, sondern durch Menschen, die die Grenze von der einen oder anderen Seite überschreiten? #Lasha Kasradze Ich habe nichts in diesem Ausmaß oder in dieser Detailtiefe gehört, Pascal, außer dass das gesamte Kurdenproblem seit Langem ein beständiges Thema im Nahen Osten ist. Die Türkei hat dies vielleicht -- 4 of 17 -- auf brillante Weise zu ihrem eigenen Vorteil genutzt. Erdoğan hat ein geschicktes Spiel gespielt, aber wie weit sein Risiko aufgehen und anhalten wird, ist eine andere Frage. Wir erinnern uns, wie er dies zu seinem Vorteil nutzte, als Syrien zusammenbrach. Aber die Sache ist die: Die Türkei ist ein gewaltiger Faktor in diesem Zusammenhang – ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Problems. Im Moment sitzt sie zwischen den Stühlen, spielt ihr regionales Gleichgewicht aus, und das hat für Erdoğan funktioniert. Seien wir ehrlich darüber. Was den Iran betrifft