Putins Indien-Deal schockt die USA | Prof. Anuradha Chenoy

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Professorin Anuradha Chenoy argumentiert, dass die jüngere indische Außenpolitik pragmatische multipolare Manöver widerspiegelt, die unter intensivem Druck der USA stattfinden. Sie betont den Besuch von Präsident Putin und ein Seelogistikabkommen, das den russischen Marinezugang erweitert, und hebt damit hervor, dass Indien seine langjährigen Beziehungen zu Russland aufrechterhält, obwohl es die strategische Kooperation mit den Vereinigten Staaten vertieft. Chenoy kritisiert Washingtons geoökonomische Nötigung—Drohungen mit Zöllen und ein Investitionsversprechen von 500 Milliarden Dollar—als asymmetrische Hebelwirkung, die indische Wirtschaftsinteressen zu subordinieren droht. Sie weist auf Spannungen zwischen Indiens historischer Nichtpaktgebundenheit/Engagement für den Globalen Süden und der engeren Anbindung der Modiregierung an Israel und die USA hin, insbesondere im Kontext des Israel–Iran-Konflikts und von Störungen der Golf-Ölrouten. China bleibt ein komplexer Partner: ökonomische Interdependenz und abgestimmte Grenzmechanismen koexistieren mit strategischer Konkurrenz. Hinsichtlich der BRICS sieht Chenoy die indische Präsidentschaft als Versuch, multipolare Normen zu bewahr

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Die jüngsten Gesten und Abkommen zwischen Indien, Russland und den Vereinigten Staaten machen eines deutlich: Indiens Außenpolitik ist heute weniger eine Linie als ein Kaleidoskop von Interessen, Druckmomenten und strategischen Optionen. Das Gespräch mit Professorin Anuradha Chenoy skizziert, wie Neuverträge, Handelszwänge und geopolitische Verschiebungen zusammenwirken, um eine „strategische Autonomie“ zu formen, die zugleich ambivalent und hochgradig pragmatisch ist. Diese Ambivalenz zeigt sich im Umgang mit Öl und Zöllen, in symbolischen Besuchen, in multipolaren Institutionen wie BRICS und in der schwierigen Gratwanderung zwischen wahrgenommener Großmachtausrichtung und historischen Bindungen an den Globalen Süden. ## Zölle und Investitionszusagen Im Zentrum der aktuellen Spannungen steht die Frage, wie wirtschaftlicher Druck außenpolitische Entscheidungen erzwingt. Die Diskussion machte deutlich, dass die US-amerikanischen Zölle auf indische Waren und die Drohung, den Zugang zu Energiequellen zu regulieren, Teil einer umfassenderen Strategie sind: Lastenverteilung in geopolitischen Allianzen und wirtschaftliche Reindustrialisierung der USA. Indien reagierte darauf mit einem ungewöhnlichen Versprechen, in den kommenden Jahren Investitionen in die US-Wirtschaft zu tätigen; eine Summe, die viele Beobachter als unrealistisch und symbolisch kritisieren. Prof. Anuradha Chenoy hebt hervor, dass diese Zusagen nicht nur ökonomisch, sondern politisch zu verstehen sind: Sie spiegeln Machtungleichgewichte wider, in denen ein aufstrebendes Land wie Indien gezwungen ist, politische Kompromisse zu akzeptieren, um Zugang zu Märkten oder zu technologischem Know-how zu behalten. Gleichzeitig zeigen die Zölle, wie verwundbar Exportindustrien und landwirtschaftliche Produzenten innerhalb Indiens gegenüber externen Schocks sind. Chenoy betont auch die intransparente Natur mancher Absprachen: Verhandlungsdokumente und Bedingungen bleiben oft unter Verschluss, während die Regierung mit öffentlichkeitswirksamen Zahlen operiert. Das erzeugt Misstrauen in der heimischen Fachöffentlichkeit und lässt Zweifel an der Wirksamkeit solcher Maßnahmen aufkommen. Letztlich wirkt das Ganze wie ein Spiegelbild der asymmetrischen Beziehung zwischen einem globalen Hegemon und einem wichtigen, aber vergleichsweise abhängigen Partner. ## Israel-Besuch und Folgen für den Iran 00: 14:40 Indiens gespaltene Außenpolitik Der symbolische Besuch eines indischen Premierministers in Israel, kurz vor einer Eskalation im Nahen Osten, rückt eine tiefe Zerreißprobe in Indiens Außenpolitik ins Zentrum. Die Spannung liegt darin, dass Indien historisch starke Bande sowohl zu Israel als auch zu Ländern des arabischen Raums und zum Iran unterhält. Prof. Chenoy kritisiert die Inkohärenz zwischen Indiens offiziellen Bekenntnissen zu Multilateralismus und Selbstbestimmungsrechten einerseits und der realpolitischen Nähe zu Israel andererseits. Diese Diskrepanz hat innen- wie außenpolitische Konsequenzen: sie entfremdet Teile der muslimisch-arabischen Bevölkerungsgruppen, unterminiert Indiens reputative Rolle als Fürsprecher des Globalen Südens und belastet traditionelle Partnerschaften — allen voran mit dem Iran. Die Folge dieser Balanceakte ist praktischer als rhetorisch. Die Schließung der Straße von Hormus und die allgemeinen Störungen auf den Ölwegen treffen Indien wirtschaftlich hart. Hier zeigt sich, wie symbolische Außenpolitik unmittelbar ökonomische Kosten nach sich zieht. Chenoy weist darauf hin, dass Indiens Zurückhaltung in Bezug auf öffentliche Kritik an militärischen Aktionen oder Völkerrechtsfragen nicht nur moralische Fragen aufwirft, sondern auch strategische Risiken birgt: Langfristige Beziehungen zu Energieexporteuren können beschädigt werden, wenn das Land als Parteinahme wahrgenommen wird. ## Russland, China und US-Macht Die Unterzeichnung von Logistik- und Militärabkommen mit Russland verweist auf eine bewusste Strategie Indiens, seine Verbindungen zu verschiedenen Großmächten auszubauen. Die Konferenzteilnehmende legen dar, dass das Abkommen den russischen Seestreitkräften erleichterten Zugang zum Indischen Ozean verschafft und im Gegenzug indische Interessen in der Arktis stärkt. Dadurch entsteht ein Bild von Indien als Akteur, der zwar enger mit den USA kooperiert, aber zugleich gewichtige Beziehungen zu Russland pflegt — eine Form praktischer Multipolarität. Prof. Chenoy beschreibt, wie diese Politik nicht einfach „gleichzeitige Freundschaft“ ist, sondern ein Kalkül strategischer Autonomie: Indien will nicht vollständig abhängig von einem einzigen Hegemon werden. Allerdings kommt dieses Kalkül unter Druck zu stehen, wenn die USA wirtschaftliche Hebel einsetzt. Die US-Strategie zielt darauf ab, Verbündete in ein wirtschaftlich-militärisches Netzwerk zu integrieren — Lieferketten, Investitionsflüsse und technologische Abhängigkeiten eingeschlossen. Für Indien bedeutet das, Vorteile aus multiplen Beziehungen zu ziehen, ohne sich vollständig in die Kommandostruktur einer Macht einbinden zu lassen. Das ist ein schwieriger Balanceakt in einer Welt, in der China als strategischer Konkurrent zugleich Kooperationspartner in Handel und Entwicklung bleibt. ## Regimewechsel und innenpolitische Stabilität Ein weiterer strängiger Gedanke in der Debatte betrifft die Innenpolitik und das Verhältnis von Regimeinteressen zur Außenpolitik. Die Gesprächsführung deutet an, dass internationale Allianzen und wirtschaftliche Präferenzen nicht losgelöst von der innenpolitischen Agenda zu verstehen sind. Indiens neoliberale Öffnung seit den 1990er Jahren hat eine neue inländische Kapitalistenklasse hervorgebracht, deren Interessen das außenpolitische Verhalten beeinflussen. Die Modi-Regierung wird dabei als Beschleuniger dieses Trends gesehen: Sie verknüpft nationale Großmachtsambitionen mit einer Politik, die internationale Vernetzung vor nationale Schutzinteressen stellt. Chenoy argumentiert, dass diese Dynamik politische Spannungen erzeugt. Während Teile der Bevölkerung und politische Fraktionen an antikolonialen und solidarischen Narrativen festhalten, sucht die Regierungsführung Wege, um ökonomisches Wachstum und geopolitische Anerkennung zu sichern — manchmal auf Kosten traditioneller außenpolitischer Prinzipien. Die Folge ist eine gespaltene Außenpolitik, die sowohl die Anhängerschaft mobilisiert als auch Unzufriedenheit schürt. Ob sich diese Spannungen gegen die Regierungsführung wenden werden, bleibt unklar; die innenpolitische Stabilität hängt davon ab, wie gut wirtschaftliche Versprechen und geopolitische Gewinne die Kosten solcher Kompromisse aufwiegen. ## Iran, BRICS und Spannungen im Golf 00:37: 19 BRICS, Währung und China Die Rolle des Iran und die Entwicklungen innerhalb der BRICS-Gruppe sind ein weiteres komplexes Feld. Das Gespräch stellt heraus, dass Indien bestrebt ist, seine traditionellen Beziehungen im Nahen Osten zu erhalten, während es zugleich Mitglied einer zunehmend heterogenen BRICS-Konstellation ist. BRICS fungiert hier als politischer Raum, in dem Indien Partnerschaften mit Russland und China pflegt, allerdings ohne seine Orientierung an den Prinzipien des Globalen Südens aufzugeben. Ein besonders relevanter Aspekt ist die Frage nach monetärer Souveränität und den Bestrebungen einiger BRICS-Staaten, alternative Zahlungssysteme und Währungen zu fördern. Chenoy erläutert, dass solche Initiativen nicht nur symbolisch sind, sondern wirtschaftliche wie geopolitische Implikationen haben: Sie können Sanktionen umgehen helfen und Handelsbeziehungen neu ordnen. Indien steht dabei vor einer Gratwanderung zwischen der Notwendigkeit, wirtschaftliche Interdependenzen mit China und Russland zu vertiefen, und dem politischen Imperativ, nicht vollständig von diesen Partnern abhängig zu werden. Gleichzeitig tritt der Iran in dieser Matrix als wichtiger Energiepartner auf, dessen Beziehungen zu Indien lange historische Wurzeln haben und dessen Marginalisierung strategische Koste

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Putins Indien-Deal schockt die USA | Prof. Anuradha Chenoy Multipolare Abkommen sind da. Indiens jüngste pragmatische Außenpolitik gegenüber Russland widersetzt sich den westlichen Vorgaben. Professorin emerita Anuradha Chenoy von der Jawaharlal- Nehru-Universität spricht über die Veränderungen in Indiens Außenpolitik: Putins Indienbesuch, US- Zoll- und Öldruck, Modis Haltung zu Israel und Iran, BRICS, China und wie Indien versucht, strategische Autonomie zu wahren, während es zwischen den USA, Russland und dem Globalen Süden balanciert. Links: Economic and Political Weekly: https://www.epw.in Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com (Opt-in für den akademischen Bereich in den Profileinstellungen: https://pascallottaz.substack.com/s/academic) Merch: https://neutralitystudies. com/shop Spenden: https://neutralitystudies.com/donate Timestamps: 00:00:00 Intro und Russland- Besuch 00:07:14 Zölle und Investitionszusagen 00:11:54 Israel-Besuch und Folgen für den Iran 00: 14:40 Indiens gespaltene Außenpolitik 00:24:44 Russland, China und US-Macht 00:30:14 Regimewechsel und innenpolitische Stabilität 00:32:26 Iran, BRICS und Spannungen im Golf 00:37: 19 BRICS, Währung und China 00:45:09 Europa und der Iran-Krieg #Pascal Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“. Heute wieder mit meinem geschätzten Gast, Anuradha Chenoy, Professorin im Ruhestand von der Jawaharlal-Nehru-Universität. Anuradha, schön, dass du wieder da bist. #Anuradha Chenoy Hallo Pascal, ich freue mich sehr, auf deinem Kanal zu sein – ihr macht wirklich eine beeindruckend präzise Analyse der internationalen Politik. #Pascal Vielen Dank, das ist sehr freundlich von Ihnen. Auch Sie schreiben ja viel, vor allem viele Analysen zur indischen Außenpolitik. Und Sie sind natürlich auch Russland-Expertin. Sie haben sich intensiv mit den indisch-russischen Beziehungen beschäftigt. Wir haben darüber schon mehrfach gesprochen. In den letzten zehn Tagen ist in der indischen Außenpolitik ja einiges passiert. Können Sie uns kurz auf den neuesten Stand bringen, was da alles geschehen ist? #Anuradha Chenoy -- 1 of 18 -- Klar. Also, ich denke, ein guter Ausgangspunkt ist, dass es einen Besuch von Putin gab. Präsident Putin war in Indien, und die Presse hat dem Ganzen nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber er hat mehrere wichtige Abkommen unterzeichnet. Zum Beispiel – und ich nenne Ihnen ein besonders interessantes – haben Indien und Russland ein Abkommen über den Austausch maritimer Logistik geschlossen. Dadurch können russische Schiffe in indischen Häfen anlegen, was ihnen mehr Zugang zum Indischen Ozean verschafft. Indien hat übrigens schon früher ein ähnliches Abkommen mit den Amerikanern unterzeichnet, das sogenannte Logistics Exchange Memorandum, das amerikanischen Marineschiffen dieselbe Möglichkeit bietet. Das war also eine durchaus bedeutende Entwicklung. #Pascal Sind sie gleichberechtigt? Geht es im Grunde um die gleichen Rechte für Russen wie für Amerikaner? Also einfach eine Art Copy-and-Paste-Aktion? #Anuradha Chenoy Es ist nicht genau ein Copy-Paste, aber es verschafft ihnen bestimmte Rechte. Und das Problem ist, das amerikanische Abkommen wurde sehr umstritten, weil Indien – zumindest bisher – nicht Teil irgendeines amerikanischen Abenteuers oder einer Eindämmungspolitik gegen China sein will. Das sieht es bei Russland eben anders. Außerdem bekommen indische Schiffe dadurch Zugang zur Arktis. Das macht das Abkommen deutlich ausgewogener als das mit den Amerikanern. Nun, indische Schiffe haben eigentlich kein Interesse daran, US-Häfen anzulaufen – die Marineflotte hat daran kein Interesse –, aber sie hat sehr wohl Interesse an der Arktis und an russischen Häfen an der Ostküste, von Wladiwostok aufwärts bis in die Arktis. Das war also ein wichtiger Punkt. Und dann geht es noch um Atomkraftwerke und um eine Ausweitung des Handels. Das ganze Problem ist, dass die Amerikaner enormen Druck auf Indien ausgeübt haben, kein russisches Öl zu kaufen. In gewisser Weise ist es so: Indien möchte – und ist auch – ein strategischer Partner der USA. Aber viele sehen, dass die Beziehungen zu den USA im Vergleich zu denen mit Russland sehr ungleich sind. Die USA geben Indien die Bedingungen vor. Sie haben zum Beispiel gesagt: Wir erlauben euch, oder wir erlauben euch nicht, russisches Öl zu kaufen. Das war eine Aussage von Scott Besant, die mehrfach wiederholt wurde – dass Indien es nicht darf, oder dass es für einen Monat erlaubt ist, russisches Öl zu kaufen. Dann gibt es eine Ausnahme von den Sanktionen, und diese wird um einen weiteren Monat verlängert, um die Ölpreise zu beeinflussen – was die USA eben tun. Sie wollen, dass dieser Fluss weiterläuft. Und übrigens, Blinken war gerade in der Stadt – also der US-Außenminister. Er war in den letzten zwei Tagen in der Stadt, um an einem Quad-Treffen in Indien teilzunehmen – dem Treffen der Außenminister des Quad. Und auch diesmal ging es in seiner gesamten Agenda darum, indisches Öl zu verkaufen, in dem bilateralen Gespräch, das er direkt mit dem -- 2 of 18 -- Premierminister führte – nicht einmal mit dem Außenminister. Er ist einfach ins Büro des Premierministers gegangen. Daran sieht man, wie ungleich diese Beziehungen sind, und wie stark sich darin die Macht der USA über Indien zeigt. Und dann hat Indien versprochen, fünfhundert Milliarden US-Dollar in die amerikanische Wirtschaft zu investieren, um amerikanische Waren zu kaufen. Selbst die britische Financial Times, eine konservative Zeitung, nannte das in ihrer Schlagzeile „bizarr“. Denn Indien braucht jeden Teil seiner Devisenreserven – und trotzdem tätigt es hier Direktinvestitionen in den USA. #Pascal Und bezieht sich das auf die angedrohten Zölle, oder ist das etwas anderes? #Anuradha Chenoy Es geht um die Drohung mit Zöllen, über die wir schon gesprochen hatten – ich glaube, du und ich hatten das Thema schon einmal. Aber das Problem ist, dass Indien nicht entschieden genug reagiert hat. Die Zölle, die die USA verhängt hatten, waren ja zunächst von fünfundzwanzig auf fünfzig Prozent gestiegen, falls Indien weiterhin russisches Öl importiert. Daraufhin hat Indien seine Ölimporte aus Russland reduziert. Die Gespräche, die dazu geführt wurden, sind aber bis heute nicht wirklich transparent. Die Unterlagen dazu sind, soweit ich weiß, noch nicht veröffentlicht. In der Zwischenzeit hat der Oberste Gerichtshof der USA einige dieser Zölle aufgehoben, aber sie gelten zum Teil immer noch. Und nach dem, was ich von vielen indischen Ökonomen gelesen habe, haben diese Maßnahmen weder den indischen Landwirten noch der indischen Wirtschaft genutzt – auch wenn die Regierung das bestreitet. Aber diese Zahl, die Indien mehrfach wiederholt hat – genauso wie die USA –, dass Indien in den nächsten fünf Jahren fünfhundert Milliarden US-Dollar investieren werde, hat wirklich alle überrascht. Denn, wissen Sie, Indien ist keine so große Volkswirtschaft, dass es solche Investitionen stemmen könnte. Tatsächlich versucht Indien ja, ausländische Direktinvestitionen ins Land zu holen, nicht umgekehrt. Diese Art von umgekehrter Investition, zu der Indien zugestimmt hat, zeigt also, welchen Druck die USA auf Indien ausüben – zusätzlich zu den ohnehin schon hohen Zöllen auf indische Waren. In gewisser Weise unterstützt Indien damit die Reindustrialisierung Amerikas. Aber was Indien im Gegenzug wirklich bekommt, das wissen wir nicht. #Pascal Hey, ganz kurz eine Unterbrechung, weil ich neulich von YouTube gesperrt wurde. Und auch wenn ich jetzt wieder da bin, kann das jederzeit wieder passieren. Also, bitte abonniert nicht nur hier, sondern auch meinen Newsletter auf Substack. Das ist pascallottaz.substack.com. Den Link findet ihr unten in der Beschreibung. Und jetzt zurück zum Video. Also, viele Länder haben solche Investitionen zugesagt, oder? Auch die Japaner. Aber der Punkt ist: Viele japanische Unternehmen haben tatsächlich Werke in den Vereinigten Staaten, und sie verkaufen dort, also verdienen sie US- -- 3 of 18 -- Dollar. Und im Grunde bedeutet dieses Versprechen, dass sie diese Dollar wieder in die dortige Wirtschaft reinvestieren. Aber irgendwo muss man das Geld ja sowieso anlegen, oder? Für Indien ist das, glaube ich, eine andere Situation. Denn haben wir wirklich viele indische Unternehmen, die direkt auf dem US-Markt aktiv sind, um US-Dollar zu verdienen? #Anuradha Chenoy Also, die Sache ist die: Der Handel läuft eigentlich ganz gut – der Handel zwischen Indien und den USA, bei dem Indien einen Überschuss hat. Es geht um ungefähr zehn Milliarden Dollar pro Jahr, und dabei hat Indien einen deutlichen Überschuss. Aber es gibt gar nicht so viele indische Unternehmen, obwohl große Konzerne wie die Adani-Gruppe jetzt angekündigt haben, ihre Firmen in den USA zu gründen – wegen verschiedener Arten von Druck, denen sie ausgesetzt waren. Und man sieht, dass etwas Ähnliches auch in Südkorea passiert ist. Südkorea war ja führend im Schiffbau, und jetzt haben sie zugesagt, rund hundertfünfzig Milliarden US-Dollar in den amerikanischen Schiffbau zu investieren. Also, was die USA tun, ist Teil ihrer außenwirtschaftlichen Strategie, ihrer Geopolitik. Sie betreiben sozusagen eine Art Lastenteilung – genau wie sie in der NATO Druck machen, damit andere mehr beitragen. Das heißt, sie sollen US-Waffen kaufen und in den militärisch-industriellen Komplex investieren. Gleichzeitig führt das zu einer Deindustrialisierung, die man zum Beispiel in Deutschland sehen kann. Ich habe das auch auf Ihrem Kanal gesehen, dass darüber gesprochen wurde. Ein ähnlicher Prozess hat jetzt in Asien begonnen. Das war deutlich beim Treffen der Außenminister des sogenannten Quad zu erkennen. Der Druck, den die USA auf asiatische Länder ausüben, zielt ebenfalls auf Lastenteilung ab. Es geht also nicht nur darum, dass dort US-Stützpunkte stehen. Natürlich hat Indien keine US-Basen, aber Japan, die Philippinen, Südkorea und andere schon. Also, es geht nicht nur darum, dass das Basen sind. Sie werden in die Lieferketten und in die amerikanische Reindustrialisierung eingebunden. Das heißt, sie werden eine zentrale Rolle spielen. Dieses Netzwerk, diese wirtschaftlichen Netzwerke – ich glaube, das kann man erkennen, wenn man die Originaldokumente liest, die in diesen bilateralen Vereinbarungen unterzeichnet wurden. Die USA nutzen diese Standorte also nicht mehr nur als vorgeschobene Basen. Natürlich tun sie das auch, im Rahmen ihres Konflikts mit China. Aber sie wollen sie gleichzeitig integrieren und zu einer Art Verteidigungsknotenpunkten für das US-Militär ausbauen. Früher wurden von dort ja auch schon Waffen und militärisches Material aus den USA importiert. Jetzt geht es aber zusätzlich um wirtschaftliche Lieferketten, bei denen sie in die USA investieren, und die USA wiederum ihre Produkte dorthin verkaufen. Das ist, könnte man sagen, eine neue Form von Neokolonialismus. Und die Regierungen, die jeweiligen Regime, akzeptieren das ziemlich bereitwillig. #Pascal Es ist schon irgendwie faszinierend, dass Indien da mitgemacht hat. Ich meine, Druck ist das eine. Aber andererseits haben wir gesehen, dass die Regierung von Herrn Modi bei vielen Dingen sehr -- 4 of 18 -- bereitwillig mitzieht. Und dann gab es natürlich auch dieses unglückliche zeitliche Zusammentreffen: Er besuchte Israel, ungefähr fünf Tage bevor Israel und die USA ihren Überraschungsangriff auf den Iran starteten. Seitdem, denke ich, ist Indien einerseits nicht besonders glücklich über den Iran- Krieg. Andererseits hat sich Herr Modi dazu sehr zurückgehalten. Trotzdem spürt man natürlich auch die Auswirkungen beim Öl. Ich meine, wie wirkt sich die Schließung der Straße von Hormus jetzt auf Indien aus? #Anuradha Chenoy Das hat sich sehr negativ auf Indien ausgewirkt. Und ich sehe da einen Zusammenhang mit dem, was Sie über Herrn Modis Besuch in Israel gesagt haben. Dieser Besuch wurde zu einer Zeit geplant, in der Israel stark isoliert war. Zum ersten Mal betrachten viele eu