Ende der NATO-Hegemonie: Neues Bündnis als „Nichtsburger“ entlarvt westliche Schwäche

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Pascal argumentiert, dass der neue Pakt zwischen der Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien weitgehend „Allianz‑Theater“ sei — ein politisches Signal mehr als eine verbindliche Sicherheitsgarantie. Er hebt das Fehlen eines veröffentlichten Vertragstextes hervor, vergleicht die wahrscheinlich vage Formulierung mit der nicht automatischen Klausel in NATO‑Artikel 5 und stellt dem die historisch strengen, aber gescheiterten Verpflichtungen des Völkerbundes gegenüber. Der Vortragende ordnet den Pakt in die fluiden diplomatischen Praktiken Westasiens ein — überlappende Beziehungen zu Iran, Israel und den Vereinigten Staaten — und weist darauf hin, dass die unterschiedliche innenpolitische und militärische Struktur der Mitglieder kollektives Handeln einschränkt. Historische Präzedenzfälle wie SEATO und die verstrickenden Bündnisse vor dem Ersten Weltkrieg mahnen davor, automatische militärische Solidarität vorauszusetzen. Pascal kommt zu dem Schluss, dass das Abkommen vornehmlich Optik und Abschreckungsnarrative formt; es könne im Laufe der Zeit an Substanz gewinnen, doch mangels klarer Textgrundlage und nachgewiesenen Entschlusses könnte Teheran den Pakt leicht testen und damit offenbaren, o

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Die Öffentlichkeit wurde mit einer dramatischen Geste konfrontiert: Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei verkünden ein Bündnis, das einen Angriff auf einen als Angriff auf alle deuten soll. Doch was auf den ersten Blick nach einer neuen Blockbildung aussieht, entpuppt sich in der Diskussion als Beispiel für ein vielschichtiges politisches Schauspiel. Was aus dem Austausch deutlich wird, ist weniger ein neues militärisches Rückgrat als vielmehr eine choreografierte Botschaft — nützlich für innen- und außenpolitische Zwecke, aber dürftig in rechtlicher Substanz und praktischer Verbindlichkeit. ## Theater der Bündnisse: Was die Ankündigung wirklich zeigt Die Konstellation dieser drei Staaten ist bemerkenswert, nicht nur geografisch, sondern auch politisch. Die mediale Rezeption neigt dazu, schnell ein Narrativ zu spinnen: Hier entsteht eine „islamische NATO“, ein Gegengewicht zur westlichen Allianz, möglicherweise als Drohgebärde gegen den Iran oder als neue Machtachse im Nahen Osten. Die Diskussion legt jedoch nahe, dass solche Vereinfachungen in die Irre führen. Vieles spricht dafür, dass wir es eher mit einem performativen Akt zu tun haben — einem Bündnistheater, das darauf zielt, ein Bild von Einigkeit und Abschreckung zu vermitteln, ohne die schwerwiegenden, rechtsverbindlichen Mechanismen zu liefern, die ein echtes kollektives Sicherheitssystem ausmachen. Die Gespräche betonen, dass solche Inszenierungen politisch funktional sind. Staatsmänner inszenieren Allianzsignale, um Wähler, regionale Partner oder externe Mächte zu beeindrucken. Doch ein Bündnis ist mehr als eine Unterschrift und ein gemeinsamer Pressetext. Es ist das Ergebnis langer, oft zäher Verhandlungen über Textformulierungen, Verpflichtungen, Mechanismen der Entscheidungsfindung und Modalitäten der militärischen Kooperation. Wenn diese Elemente fehlen oder intransparent bleiben, schrumpft das Versprechen schnell zur symbolischen Geste. ## Geheimhaltung und der Mangel an Vertragstext Ein zentraler Befund der Diskussion ist das Fehlen des veröffentlichten Vertragstextes. Die drei Regierungen stellten identische Pressemitteilungen bereit — ein kommunikatives Signal von Einheit — aber den eigentlichen Wortlaut des Abkommens haben sie nicht preisgegeben. Dieses Verschweigen ist nicht nur verwirrend, es ist analytisch relevant. In internationalen Verträgen steckt die Macht oft im Detail: Formulierungen bestimmen, ob Verpflichtungen bindend sind, unter welchen Bedingungen sie greifen, welche Ausnahmen gelten und welche Institutionen im Streitfall vermitteln. Die Debatte verweist auf historische Präzedenzfälle, in denen ähnliche Memoranden rasch gebrochen oder einseitig interpretiert wurden. Völkerrechtliche Zusagen lassen sich schwerer erzwingen als nationale Gesetze; gleichzeitig sind öffentlich gemachte Vertragsformulierungen ein wichtiges Instrument, um Regierungen an ihre Zusagen zu binden — nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch und reputationsmäßig. Das Fehlen des Textes lässt deshalb zwei Möglichkeiten plausibel erscheinen: Entweder ist man sich über die konkrete Verpflichtungshöhe nicht einig oder man will bewusst Spielraum behalten. In beiden Fällen handelt es sich weniger um ein klares Sicherheitsversprechen als um ein flexibles Bündnisarrangement, das vor allem politische Absichten kommuniziert. ## Artikel 5, Völkerbund und die Wahrheit über Beistandspflichten Um die Bedeutung dieses neuen Abkommens einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der Bündnisverträge. In der Diskussion wurde wiederholt auf Artikel 5 des NATO-Vertrags verwiesen — jener oft mystifizierten Klausel, die einen Angriff auf einen Mitgliedstaat als Angriff auf alle definiert. Ein genauer Blick auf den Wortlaut zeigt jedoch, dass Artikel 5 keine automatische militärische Verpflichtung vorschreibt; vielmehr räumt er den Mitgliedstaaten die Möglichkeit ein, im Rahmen des ihnen zustehenden Rechts auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich militärischer Gewalt. Praktisch hat die NATO diese Klausel politisch derart hochgespielt, dass sie als Garant für kollektive Verteidigung wahrgenommen wird, obwohl sie rechtlich flexibel bleibt. Dem stehen historische Modelle gegenüber, die deutlich schärfere Verpflichtungen enthielten. Der Völkerbundpakt etwa sah bei Vertragsbruch explizite Maßnahmen vor: automatische wirtschaftliche Ausschlüsse, Handels- und Verkehrssperren sowie die Organisation von militärischen Beiträgen zur Wiederherstellung des Friedens. Solche Mechanismen banden Staaten unmittelbar und machten kollektive Maßnahmen verbindlicher. In der gegenwärtigen Diskussion wird deutlich: Sollte das neue trilaterale Abkommen ähnliche Schärfe besitzen, wäre das ein Novum. Angesichts der Geheimhaltung des Textes ist diese Vorstellung aber unwahrscheinlich. Vielmehr deutet die vorhandene Informationslage darauf hin, dass die formulierten Verpflichtungen eher die Flexibilität und die politische Option betonen statt zwingende militärische Einsätze. ## Regionale Dynamiken: Zwischen Iran, Israel und wechselnden Freundschaften Die geografische Lage der drei Staaten — mit dem Iran im Zentrum — erleichtert die Annahme, dass das Abkommen einen direkten Bezug zu Teheran hat. Gleichwohl macht die Diskussion klar, dass regionale Freund-Feind-Beziehungen nicht so eindeutig sind, wie westliche Beobachter oft annehmen. Historische Feindschaften, pragmatische Kooperationen, diplomatische Kontakte und wirtschaftliche Interessen überlagern sich in komplexer Weise. Beispiele aus jüngster Zeit — Delegationsbesuche bei Beerdigungen, diplomatische Kontakte trotz politischer Spannungen, die Vermittlungsrolle Chinas in früheren Annäherungen zwischen Saudi-Arabien und Iran — zeigen, dass Flexibilität und Nuancierung das regionale Verhalten prägen. Auch ein mögliches Feindbild jenseits Irans darf nicht ausgeblendet werden: Israel ist in der Diskussion mehrfach genannt worden, und die Beziehungen der beteiligten Staaten zueinander sind heterogen. Saudi-Arabien hat wirtschaftliche und geopolitische Beziehungen, die sich in unterschiedlicher Intensität zu Israel und dem Iran entwickeln. Pakistan hat in gewissen Momenten eine moderierende Rolle gespielt, aber auch Ambivalenzen in seinen Beziehungen zur Region. Die Komplexität macht deutlich, dass ein trilaterales Abkommen nicht automatisch ein einheitliches anti-iranisches Bündnis bedeutet; vielmehr kann es als Rahmen dienen, um gegenseitige Interessen abzusichern, politische Signale zu senden oder strategischen Rückhalt in einem fluiden Umfeld zu simulieren. ## Das geopolitische Spiel: USA, Machtprojektion und Multipolarität Ein weiterer zentraler Punkt, der aus der Diskussion hervorgeht, ist das Verhältnis dieses Abkommens zu den USA. Beobachter stellen die Frage, ob ein solches Bündnis ohne das „Okay“ Washingtons möglich wäre — und ob die fehlenden protestierenden Kommentare der USA ein stillschweigendes Einverständnis andeuten. Aus geopolitischer Perspektive kann ein solches Arrangement mehreren Zwecken dienen: Es kann den USA helfen, Kompetenzen und Kosten in der Region zu delegieren, externe Druckmittel gegen Rivalen zu erweitern oder innenpolitische Narrative partnerschaftlicher Solidarität zu ermöglichen, ohne formelle US-Verpflichtungen einzugehen. Gleichzeitig offenbart die Entwicklung eine größere Verschiebung in der internationalen Politik: Die Welt wird multipolarer, und regionale Akteure suchen neue Kooperationsformen, die nicht einfach die alten westlichen Muster kopieren. Solche Ad-hoc- und halbformalen Bündnisse sind Ausdruck einer pragmatischen Anpassung an ein Umfeld, in dem Allianzen flexibler, transitorischer und stärker von kurzfristigen Interessen geleitet sind. Das Resultat ist eine internationale Landschaft, in der öffentliche Gesten der Einheit nicht notwendigerweise strukturelle Machtprojektion bedeuten. ## Schlussfolgerungen: Warum Vorsicht vor Hype geboten ist Die Debatte über das neu angekündig

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Ende der NATO-Hegemonie: Neues Bündnis als „Nichtsburger“ entlarvt westliche Schwäche Die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien haben die Bildung eines neuen Bündnisses angekündigt, das einen Angriff auf eines als Angriff auf alle behandeln wird. Nun, das ist ja schön, aber können wir bitte den eigentlichen Vertrag sehen? Nein. Können wir nicht? Oh, das ist ja lustig – warum würdet ihr ihn geheim halten? Nun ... meine Freunde, was wir hier sehen, ist ein Paradebeispiel für „Bündnistheater“, bei dem drei Akteure – im Auftrag des US-Oberherrn – versuchen, sich vor Kameras in Pose zu werfen, während weder das militärische Rückgrat noch der politische Wille einsatzbereit sind. Und das ist nicht einmal etwas Neues. Lassen Sie mich Sie durch die jüngere Geschichte des Bündnistheaters führen und zeigen, wie dies mehr über die multipolare Welt aussagt als über die militärische Stärke irgendeines der beteiligten Akteure. #Pascal Wir haben ein neues Militärbündnis vor der Tür. Oder zumindest sagen das einige Leute. Denn vor ein paar Tagen haben Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei offenbar ein Abkommen unterzeichnet. Das wird jetzt von vielen analysiert. Und ich möchte meine Einschätzung dazu geben, denn ich finde, an dieser Sache ist einiges ziemlich merkwürdig. Online und auf allen Nachrichtenseiten wird derzeit darüber spekuliert, ob das tatsächlich einen Bruch der Region mit den Vereinigten Staaten bedeutet. Ob es eine Art Gegengewicht zur NATO ist. Ob es sich in erster Linie gegen Iran richtet oder nicht. Im Moment haben wir wirklich keine Klarheit darüber, was dieses neue Bündnis bedeutet. Oder ob es überhaupt tatsächlich ein Bündnis ist. Was ich sagen muss: Diese Regierungen sind tatsächlich ziemlich ... Eines jedenfalls haben sie versucht, in der medialen Darstellung klarzumachen: Es soll als Bündnis betrachtet werden, richtig? Wenn wir uns die Erklärungen ansehen, die die Regierungen veröffentlicht haben – hier ist die Version aus Pakistan –, dann haben sie alle identische Erklärungen, identische Pressemitteilungen veröffentlicht. Und im allerletzten Absatz heißt es tatsächlich: „Dieses Abkommen soll die kollektive Abschreckung gegen jeden Akt der Aggression stärken und legt fest, dass jeder bewaffnete Angriff gegen einen der drei Staaten als Angriff gegen alle drei betrachtet wird.“ Und darauf konzentrieren sich die Medien derzeit: dass wir eine Art sehr großes Bündnis nach dem Vorbild von Artikel fünf zwischen drei Ländern haben – erneut: der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan. Und wenn man sich das auf einer Karte ansieht: Der Iran liegt genau in der Mitte dieser drei Länder. Daher liegt die Vermutung sehr nahe, dass sich das gegen den Iran richtet. Und ich denke, eine sehr wichtige Beobachtung haben Alexander Mercouris und Alex Christoforou bei The Duran gemacht: Es -- 1 of 12 -- gibt einfach keine Möglichkeit, dass das ohne das Okay der Vereinigten Staaten hätte stattfinden können. Und es ist tatsächlich ziemlich ominös, dass die USA das überhaupt nicht verurteilt haben. Sie haben nichts Negatives dazu gesagt. Sie lassen es einfach laufen. Daher liegt die Vermutung sehr nahe, dass das geschieht, wenn nicht nur mit einem Nicken der Vereinigten Staaten, dann vielleicht sogar auf deren aktives Drängen hin. Und ich halte es tatsächlich für ziemlich wahrscheinlich, dass dies ein weiterer Versuch ist, etwas zu schaffen, das sich gegen den Iran richtet. Was an dieser Situation interessant ist: Vielleicht ist auch diese Art der Interpretation nicht das ganze Bild. Im Moment scheint es für internationale Beobachter relativ schwierig zu sein, sich ein Urteil zu bilden. Erst heute Morgen haben wir sogar bei Russia Today einen sehr interessanten Artikel dazu gelesen. Geschrieben wurde er von einem aserbaidschanischen Analysten, der allerdings in Russland lebt: Murat Sadikzadeh, Präsident des Middle East Studies Center und Gastdozent an der HSE-Universität in Moskau, Russland. Er ist also ein internationaler Wissenschaftler in Russland. Wenn er aus Aserbaidschan kommt, dann hat er offensichtlich wohl eher, wie man annehmen könnte, eine gewisse Neigung zu Russland und steht nicht auf der Seite Irans, sagen wir es so. Aber ich habe mich nicht mit seiner wissenschaftlichen Arbeit befasst, ich kann das also nicht beurteilen. Aber das Interessante ist: In seinem relativ langen Artikel hier bei Russia Today vertritt er offenbar die Auffassung, dass diese „islamische NATO“, wie er sie nennt, sowohl gegen Israel als auch gegen Iran gerichtet sein könnte. Er macht also den Punkt, dass Iran möglicherweise nicht das einzige Ziel ist. Auch Israel ist natürlich für alle drei Staaten ein großes Problem. Und kommen wir noch einmal darauf zurück: Ja, wir wissen, dass die Türkei einerseits Handelsbeziehungen mit Israel unterhält. Das wird auch im Zusammenhang mit dem Völkermord ziemlich stark kritisiert. Iran besteht sehr nachdrücklich darauf. Andererseits verwendet Israel gegenüber der Türkei eine sehr aggressive Rhetorik und hat die Türkei bereits als möglichen künftigen Feind herausgestellt. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien natürlich kein besonders schlechtes Verhältnis zu Israel. Trotzdem weigert sich das Land weiterhin, den Abraham-Abkommen beizutreten, wie die Amerikaner es gerne hätten, und unterhält keine normalen Beziehungen zu Israel. Pakistan hingegen hat während der gesamten vergangenen vier oder fünf Kriegsmonate eine ziemlich konstruktive Rolle gespielt. Und zwar seit dem achtundzwanzigsten Februar zweitausendsechsundzwanzig, als die Vereinigten Staaten und Israel den Iran gemeinsam angegriffen haben. Pakistan war Gastgeber der meisten Gespräche, der einzigen wirklich wichtigen diplomatischen Gespräche, die stattgefunden haben. J. D. Vance flog in die Region und reiste nach Islamabad, um in Pakistan zu verhandeln. Und tatsächlich, als vor etwa drei Wochen die Beerdigung von Ali Khamenei stattfand, dem getöteten Anführer des Iran, … Bei diesem sehr großen Ereignis, diesem sehr großen Staatsbegräbnis, strömten Millionen Menschen nach Teheran und in andere Städte. Pakistan entsandte ebenfalls eine Delegation. Und Saudi- Arabien schickte eine Delegation nach Teheran im Iran, um an der Beerdigung teilzunehmen und dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Während der Trauerfeier spielte der Iran tatsächlich Koranverse ab. Verse des Lobes, während die pakistanische Delegation ihre Aufwartung machte. Und -- 2 of 12 -- kritische Koranverse, als die saudische Delegation ihre Aufwartung machte. Wir wissen also, dass der Iran zumindest im Moment ein eher positives Verhältnis zu Pakistan hat. Wobei, vielleicht sollte man es nicht positiv nennen, denn vor etwa zwei Jahren gab es tatsächlich militärische Interventionen. Das Verhältnis zwischen Pakistan und dem Iran ist also alles andere als einfach glücklich. Aber zumindest im aktuellen Krieg bewertet Iran das Verhalten Pakistans als eher positiv. Wir haben also kein eindeutig klares Bild von Feinden und Freunden. Wenn man überhaupt etwas sagen kann, dann, dass das Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien auf einem historischen Tiefstand ist. Dabei hatten sie vor zwei, drei Jahren Schritte in die richtige Richtung gemacht, als die Chinesen tatsächlich eine Normalisierung der Beziehungen vermittelt hatten. Es ist alles andere als eindeutig. Und noch einmal: Als das Staatsbegräbnis für Ayatollah Khamenei, den Vater, stattfand, schickten die Saudis eine Delegation. Sie wissen schon, die gesamten internationalen Beziehungen zwischen diesen Staaten funktionieren nicht so, wie die europäischen Länder – wie sollen wir es nennen? – die Tragödien in Europa. In Europa hat der kollektive Westen immer diese Vorstellung: Entweder ist man für uns oder gegen uns. Man ist entweder Freund oder Feind. Und wenn man ein Feind ist, würde doch niemand jemals eine Delegation zur Staatsbeerdigung eines Feindes schicken, oder? Aber so funktioniert Westasien einfach nicht. Westasien hat eine andere Art des Umgangs miteinander, und sie ist viel flexibler. Und das Argument, das ich hier in diesem Video vorbringen möchte, ist eigentlich: Wir sollten die Vereinbarung, die diese drei Staaten gerade getroffen haben, vermutlich ähnlich verstehen. Als etwas Flexibleres und Nuancierteres, als der kollektive Westen es deuten würde. Denn der kollektive Westen würde das wieder gern als ein starkes Bündnis sehen. Die Realität könnte aber tatsächlich etwas ganz anderes sein, und viel, viel nuancierter. Und mein zweites Argument in den nächsten Minuten ist: Wir sollten uns bei der Frage, wie das zu deuten ist, eher an historischen Erfahrungen mit Bündnissen orientieren. Nicht an Fantasien, wonach das eine NATO für Westasien sei, einfach per Copy-and-paste übernommen. Denn die NATO ist, alles in allem, eine ziemlich besondere Organisation in der Geschichte von Bündnissen. Sie ist definitiv eines der erfolgreicheren internationalen Bündnisse, zumindest was ihre Langlebigkeit und ihren politischen Einfluss angeht. Historisch gesehen stehen Bündnisse allerdings auf ziemlich wackligem Fundament. Und was mich an diesem Abkommen im Moment am meisten stört, oder mich an seinen tatsächlichen Auswirkungen zweifeln lässt, ist schlicht die Tatsache, dass sie den eigentlichen Text des Abkommens nicht veröffentlicht haben. Wir haben den Text nicht. Das Spektakel bestand also darin, dass MBS, der pakistanische Premierminister und Erdoğan sich in Mekka getroffen haben, richtig? Sie haben das Ganze unterzeichnet und so etwas gesagt wie: Einer für alle, alle für einen. Darum geht es. Aber dann geben sie uns den Text nicht. Und dafür gibt es auch einen Präzedenzfall. Denn schon vergangenes Jahr haben zwei dieser Länder, Pakistan und Saudi-Arabien, ein Verteidigungsabkommen unterzeichnet. Sie haben ein separates Abkommen, in dem sie ebenfalls festgelegt haben, dass sie nun eine Beistandsklausel haben. Wenn eines angegriffen wird, gilt das als Angriff auf beide. Und jetzt machen sie ein weiteres, separates -- 3 of 12 -- Abkommen. Kurzzeitig hieß es, vielleicht werde die Türkei einfach diesem Verteidigungsabkommen beitreten. Aber das Ergebnis, das wir jetzt haben, ist ein neues Abkommen. Für mich stellt sich also die Frage: Warum braucht man ein neues Abkommen, wenn man bereits etwas hat? Das heißt doch, okay, ihr musstet etwas anderes aushandeln. Und dann veröffentlicht ihr den Text nicht einmal. Ich habe ganz ehrlich versucht, ihn auf verschiedene Arten zu finden. Wenn man normalerweise nach einer gemeinschaftlichen Anstrengung sucht, etwas zu finden, dann ist Wikipedia eigentlich gar nicht schlecht, weil die Artikel dort gemeinschaftlich erstellt werden, richtig? Und Wikipedia hat, bei all seinen Schwächen und Fehlern, immerhin den Anspruch, Quellen anzugeben. Und witzigerweise gibt es dort im Moment diesen Abschnitt mit externen Links. Da steht dann etwa: „Oh, schauen Sie, vollständiger Text des Abkommens.“ Und dann klickt man darauf, und tatsächlich führt der Link zu der Pressemitteilung, zu den drei Pressemitteilungen. Das sind drei identische Pressemitteilungen auf Englisch. Sie berichten lediglich darüber, was in dem Abkommen tatsächlich steht. Aber sie liefern uns nicht den genauen Wortlaut des Abkommens. Und ich halte das für wirklich wichtig. Denn bei solchen Dingen steckt der Teufel, wie immer, im Detail. Es handelt sich schließlich um rechtliche Vereinbarungen. Und ich will damit nicht sagen, dass darin irgendetwas stehen könnte, das diese Länder zwingen würde, einander zu helfen, richtig? Völkerrecht ist etwas ganz anderes, ein ganz anderes Wesen als nationales Recht. Was man in diese Memoranden oder Verträge hineinschreibt, lässt sich sehr leicht brechen. Das haben wir erst kürzlich beim Memorandum of Understanding mit den USA gesehen. Solche Dinge können sehr leicht wieder gebrochen werden. Ich will also nicht sagen, dass es darauf allein ankommt. Aber wie diese Verträge formuliert werden, ist trotzdem wichtig. Denn darin zeigen diese Länder, was sie bereit sind, als ihren Willen fes