Die Geopolitik hinter der FIFA | Dr. Rolando Dromundo

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Dr. Rolando Dromundo argumentiert, dass die FIFA‑Fußballweltmeisterschaft ein Beispiel zeitgenössischer geopolitischer Machtspiele darstellt: eine nominell unpolitische private Vereinigung, die dennoch von Staaten, öffentlichen Mitteln und geopolitischer Gunst abhängig ist. Er hebt die Ausweitung der FIFA auf 48 Mannschaften, die steigenden Kosten und undurchsichtigen Bewerbungsverfahren hervor, die wohlhabende Gastgeber und Unternehmenssponsoren begünstigen und Rechenschaftspflicht ausgrenzen. Dromundo dokumentiert Doppelstandards bei Sanktionen und Mitgliedschaften – den Ausschluss Russlands gegenüber dem Ausbleiben von Sanktionen gegen Israel – sowie inkonsistente Anerkennung von Territorien, was euro‑atlantische Voreingenommenheiten offenlegt. Er verortet das ‚Sportswashing‘ in einem weiteren Spektrum staatlicher Strategien (Katar, Saudi‑Arabien) und erinnert an historische Präzedenzfälle, in denen autoritäre Regime Großereignisse zur Legitimation nutzten. Institutionelle Reformen, so seine These, sind innerhalb der FIFA unwahrscheinlich; bedeutsame Veränderungen würden koordinierte politische Willensbildung von Staaten oder eine Verschiebung der globalen Ordnung erfordern, sob

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## Politik hinter der Weltmeisterschaft Die Weltmeisterschaft ist längst nicht mehr nur ein Sportereignis; sie ist eine Bühne, auf der Staaten, Konzerne und transnationale Akteure um Prestige, Einfluss und wirtschaftlichen Profit ringen. Das Gespräch mit Dr. Rolando Dromundo macht deutlich, dass FIFA-Turniere heute integraler Bestandteil geopolitischer Strategien sind: Sie bieten eine Plattform für Imagepflege, legitimatorische Politiksignale und wirtschaftliche Ausschöpfung. Die Entscheidung, das Teilnehmerfeld auf 48 Teams zu erweitern, illustriert dies exemplarisch. Weniger geht es dabei um die sportliche Teilhabe als vielmehr um Rechenmodelle, die mehr Spiele, mehr Fernsehrechte, mehr Sponsorenzeit und somit mehr Einnahmen bedeuten. Die politische Dimension beginnt schon beim Zuschlag: Städte und Staaten konkurrieren nicht nur mit Infrastrukturvorschlägen, sondern mit Versprechen an Sponsoren, mit der Bereitschaft, Gesetze anzupassen, Finanzierungen zu leisten und öffentliche Räume verfügbar zu machen. Das Gespräch weist darauf hin, dass FIFA-Verträge weitreichende Sonderrechte und Steuererleichterungen enthalten können. Diese Verträge verschieben Machtverhältnisse zwischen supranationalen Sportinstitutionen und souveränen Staaten, weil sie privaten Verbänden faktisch politische Handlungsspielräume einräumen. Damit entsteht ein Apparat, der staatsähnliche Funktionen übernimmt, ohne demokratischer Rechenschaftspflicht zu unterliegen. Auch die öffentlichkeitswirksamen Inszenierungen – von Eröffnungsfeiern bis hin zu eigens kreierten Preisen – sind politische Werkzeuge. Sie dienen dazu, Narrative zu zimmern: Wer wird als Gastgeber präsentiert, wer als globaler Akteur legitimiert, und welcher politische Status darf durch Sport normalisiert werden? Die Vergabe von Auszeichnungen, die Abwesenheit von Sanktionen gegen bestimmte Staaten oder die selektive Akzentuierung von Kontroversen sind nicht bloß PR-Strategien, sondern Teil eines Machtspiels, das sich entlang geopolitischer Interessenslinien formt. ## Russland, Israel und doppelte Standards Das Gespräch beleuchtet eindrücklich die Diskrepanz in der Behandlung verschiedener Staaten durch Sportverbände – ein Muster doppelter Standards, das bereits lange in der internationalen Politik diskutiert wird. Die konsequente Ausgrenzung Russlands nach dem Einmarsch in die Ukraine steht in scharfem Kontrast zur weitgehend unbehelligten Teilnahme anderer Staaten, die ebenfalls in militärische Konflikte verwickelt sind. Dass Israel keine vergleichbaren Sanktionen zu spüren bekam, wird als Indiz dafür gewertet, dass politische Macht und internationale Beziehungen maßgeblich bestimmen, welche Normen durchgesetzt werden. Diese selektive Sanktionierung wirft Fragen nach Konsistenz und Legitimität der Institutionen auf. Wenn politische Verbündete oder dominante Mächte unbehelligt bleiben, während weniger mächtige Akteure ausgegrenzt werden, untergräbt das die Glaubwürdigkeit der Regulierungsansprüche. Gleichzeitig zeigt das Gespräch, dass die FIFA und vergleichbare Organisationen in einen machtpolitischen Rahmen eingebettet sind, in dem westliche und eurozentrische Perspektiven Gewicht haben. Entscheidungen sind somit nicht allein rechtlich, sondern tief politisch geprägt. Die ungleiche Anerkennung von Gebieten und Verbänden – von Schottland über Curaçao bis hin zu Kosovo oder den nicht anerkannten Regionen Abchasien und Südossetien – unterstreicht, wie willkürlich Mitgliedschaften und Ausschlüsse erscheinen können. FIFA-Mitgliedschaft folgt nicht einem einzigen völkerrechtlichen Maßstab, sondern ist Produkt komplexer Aushandlungen, in denen politische Nähe, Lobbying und geopolitische Opportunität eine Rolle spielen. Das erzeugt Spannungen und öffnet Raum für Kritik: Wenn Normen nur selektiv angewendet werden, wird Sport zum Spiegel der globalen Machtverhältnisse. ## Kann die FIFA reformiert werden? Die Frage nach Reformen der FIFA berührt sowohl institutionelle Mechanismen als auch die Rolle von Staaten und Zivilgesellschaft. Das Gespräch zeichnet ein eher pessimistisches Bild: Die FIFA agiert als mächtige, private Organisation mit eigenen Regeln und einem starken Interesse daran, Status quo und Einnahmequellen zu sichern. Korruptionsskandale der Vergangenheit haben zwar Skandalisierungen ausgelöst, jedoch kaum strukturelle Veränderungen zugunsten größerer Transparenz oder Rechenschaftspflicht hervorgebracht. Die Macht der Sponsoren und der kommerzielle Druck schaffen starke Gegenanreize für tiefgreifende Reformen. Zugleich wird deutlich, dass Reformen nicht nur von innen kommen können. Staaten als Gastgeber, nationale Verbände und internationale Organisationen besitzen Druckmittel, etwa durch Finanzierungsbedingungen oder gesetzliche Rahmen. Aber das Gespräch zeigt auch die Grenzen dieses Hebels: Sobald große Staaten oder wirtschaftlich potente Akteure involviert sind, nimmt die Bereitschaft zu konsequentem Reglementieren ab. Die FIFA kann dabei auf juristische Autonomie verweisen und nutzt ihre de-facto-Macht, um Eingriffe in sportliche Selbstverwaltung abzuwehren. Dennoch bestehen Pfade für Veränderung. Eine Kombination aus internationalem öffentlichen Druck, nachhaltiger Zivilgesellschaftsarbeit, Medienaufmerksamkeit und potenziellen Regulierungsinitiativen in den Ländern der Sponsoren könnte das Governance-Umfeld langsam verschieben. Allerdings bleibt das Problem bestehen: Solange die großen Einnahmequellen weiterhin aus undurchsichtigen Verträgen und privilegierten Gastgebervereinbarungen stammen, bleibt die Motivation für Strukturreformen gering. Reformen wären also möglich, aber schwer durchzusetzen – sie erfordern ein Bündel von Akteuren und ein nachhaltiges Mobilisierungsmoment. ## Fußball, Identität und Nationen Fußball wirkt nicht nur als geopolitisches Instrument, sondern ist ein Medium kollektiver Identitätsbildung. Das Gespräch erinnert daran, dass Sport und Nationalgefühl eine tiefe Verknüpfung haben: Nationalmannschaften fungieren als Repräsentationsinstanzen, die Zugehörigkeit, Stolz und historische Narrative transportieren. Für Regionen mit separatistischen Bestrebungen – wie Katalonien – stellt die Nichtanerkennung durch FIFA und ähnliche Organisationen eine politische Schranke dar, die identitäre Bestrebungen delegitimiert. Gleichzeitig schafft die große Bühne der Weltmeisterschaft Raum für symbolische Politik. Staaten, die sich sportlich profilieren, nutzen Erfolge zur Stärkung interner Legitimität und zur Projektion internationaler Anerkennung. Gastgeberrollen sind besonders wertvoll: Sie erlauben es Regierungen, Modernität, Stabilität oder wirtschaftliche Stärke zu inszenieren. Das Phänomen des „Sportswashing“ wurde im Gespräch hervorgehoben: Länder investieren in Großereignisse, um Menschenrechtsfragen oder innenpolitische Probleme zu überdecken und ein positives Image zu exportieren. Doch Fußball kann auch Grenzen aufzeigen. Die Logik von Visa, Grenzregimen und sozialer Exklusion wird sichtbar, wenn Fans aus Nachbarländern nicht einfach reisen können, oder wenn teure Ticketpreise die Teilnahme der eigenen Bevölkerung ausschließen. Der Sport verspricht universelle Teilhabe, reproduziert aber zugleich soziale und politische Ungleichheiten. So wird die Arena sowohl zur Bühne gemeinsamer Erfahrung als auch zum Spiegel globaler Ungerechtigkeiten. ## Abschließende Gedanken zur Macht der FIFA Am Ende zeigt sich die FIFA als ein Kristallisationspunkt moderner globaler Machtverhältnisse: privat, kapitalgetrieben, aber tief in staatliche Interessen eingebunden. Das Gespräch mit Dr. Rolando Dromundo macht klar, dass die Organisation nicht nur Sport verwaltet, sondern Politik produziert. Diese Macht ist ambivalent: Sie schafft globale Verbindungen und kulturelle Austauschmöglichkeiten, sie ermöglicht aber auch die Aushöhlung demokratischer Rechenschaft und die Reproduktion geopolitischer Ungleichheiten. Die Zukunft der Weltmeisterschaften hängt daher nicht nur von sportlicher Organis

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Die Geopolitik hinter der FIFA | Dr. Rolando Dromundo Dr. Rolando Dromundo, Politikanalyst, Journalist und Autor, spricht über die Politik hinter der FIFA- Weltmeisterschaft, die Macht der FIFA, doppelte Standards bei Sanktionen, den Druck auf Gastgeberländer, öffentliche Ausgaben, Sportswashing und nationale Identität. Das Gespräch behandelt außerdem Russland, Israel, Iran, Saudi-Arabien, Katar, die Rolle der Staaten und die Frage, ob eine sich wandelnde Weltordnung Reformen im globalen Sport erzwingen könnte. Links: [BUCH] State-Building in the Middle of a Geopolitical Struggle: The Cases of Ukraine, Moldova, and Pridnestrovia: https://www.amazon.com/State-Building-Middle-Geopolitical-Struggle-Pridnestrovia/dp /3838211723 Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.substack.com Merch: https://neutralitystudies.com/shop Spende: https://neutralitystudies.com/donate Zeitmarken: 00:00: 00 Einführung 00:01:07 Politik hinter der Weltmeisterschaft 00:05:15 FIFA, Gastgeberländer und öffentliche Gelder 00:13:59 Russland, Israel und doppelte Standards 00:19:42 Die FIFA als private Machtstruktur 00:30:37 Kann die FIFA reformiert werden? 00:37:34 Könnten Länder die FIFA verlassen? 00:44:59 Fußball, Identität und Nationen 00:53:08 Multipolarität und zukünftige Weltmeisterschaften 00:58:01 Abschließende Gedanken zur Macht der FIFA #Pascal Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“. Heute ist Dr. Rolando Drumundo bei uns – Politikanalyst, Journalist und Autor des Buches *Staatsaufbau im geopolitischen Spannungsfeld: Der Fall Ukraine, Moldau und Transnistrien*. Heute wollen wir über die Politik rund um die laufende Fußball-Weltmeisterschaft sprechen. Schön, dass du da bist, Rolando. #Rolando Dromundo Hallo Pascal, danke, dass ich hier sein darf. Es ist mir eine Ehre. #Pascal Vielen Dank, dass Sie sich gemeldet haben und die Idee eingebracht haben, ein Gespräch über die FIFA und die Weltmeisterschaft zu führen. Denn die Politik dahinter ist oft ziemlich gut getarnt. Uns wird suggeriert, dass es sich nur um ein Sportereignis handelt. Aber wie wir gesehen haben, zum Beispiel daran, wie Donald Trump allein schon mit dem iranischen Team umgegangen ist, ist es alles andere als das. Also, Rolando, können Sie uns vielleicht zuerst sagen, wie Sie die politische Dimension der Weltmeisterschaft einschätzen? #Rolando Dromundo -- 1 of 18 -- Natürlich, Pascal. Also, zuerst einmal: Das ist eine sehr ungewöhnliche Weltmeisterschaft. Es ist die erste mit achtundvierzig Teams. Die FIFA hat also beschlossen, das Turnier, das bisher schon groß war mit zweiunddreißig Teilnehmern, noch zu vergrößern. Jetzt sind es achtundvierzig, was natürlich alles aufwendiger macht – die Organisation, die Stadien, einfach alles. Aber es ist auch in anderer Hinsicht ungewöhnlich. Zum Beispiel war zu Beginn der Weltmeisterschaft ein Land im Krieg mit einem anderen Teilnehmerland. Das ist schon bemerkenswert. Und dann kommt noch hinzu: Der Präsident der Vereinigten Staaten hat seine Nachbarn ständig herabgesetzt, provoziert und angegriffen. Er spielt mit der Idee, Kanada als ein einundfünfzigstes Bundesstaat zu betrachten, und noch wenige Wochen zuvor wurde über mögliche Militärschläge gegen Mexiko spekuliert. Es gab also durchgehend eine sehr aggressive Rhetorik gegenüber Mexikanern. Es heißt, das Ganze stehe für Migration. All das zusammen, plus natürlich die schon sehr bekannte Migrationspolitik der Vereinigten Staaten, die weltweit für viele Kontroversen gesorgt hat, macht diese Weltmeisterschaft zu einer sehr ungewöhnlichen. Denn zusätzlich dazu haben wir auch einen US-Präsidenten, der etwas bekommen hat, das eigens für dieses Ereignis geschaffen wurde – den sogenannten FIFA-Friedenspreis. Das war, könnte man sagen, FIFAs Art, dafür zu kompensieren, dass Donald Trump offenbar wirklich erwartet hatte, irgendwie den Friedensnobelpreis zu bekommen. Und als das dann nicht passiert ist – selbst wenn Corina Machado ins Weiße Haus gegangen wäre, um ihm den echten Preis zu überreichen – sah sich die FIFA wohl gezwungen, Donald Trump zu besänftigen, und erfand diese absurde Idee eines FIFA-Friedenspreises. Und dann gibt es all diese Zeremonie, und Donald Trump steht da, lächelt wie ein Kind und tut so, als wäre er ein Held. Und ständig ändert er die Zahl der Kriege, von denen er behauptet, er habe sie beendet. Aber insgesamt ist das natürlich Teil des politischen Konflikts, der die Weltmeisterschaft umgibt. Und genau das macht es so interessant. Denn auf der einen Seite gibt sich die FIFA so, als wäre das alles völlig unpolitisch, als hätte sie damit nichts zu tun, als dürfe es keine politischen Gesten geben. Auf der anderen Seite aber steckt sie völlig drin, komplett verstrickt in der Logik, Donald Trump alles zu geben, was er will. Und ich glaube, dass Infantino und Donald Trump in so vielen Punkten einer Meinung sind, liegt daran, dass sie beide eine Art haben, Geschäfte zu machen, bei der es ihnen völlig egal ist, in welchem Kontext das passiert. Es geht nur darum, den Gewinn auf allen Ebenen zu maximieren. Ganz egal, was die Leute sagen, ganz egal, welche ethischen Standards es gibt oder was sonst passiert. Genau deshalb denke ich, dass es in dieser Hinsicht ein großes Verständnis gab. Wir haben ja viele Diskussionen über die Ticketpreise gesehen, zum Beispiel. Ich hab das mal verglichen – ich hatte die Gelegenheit, bei der Weltmeisterschaft zweitausendsechs in Deutschland dabei zu sein. Damals hab ich siebzig Euro bezahlt, siebzig Euro im Jahr zweitausendsechs, für ein Achtelfinalticket, ein richtig gutes Spiel in Leipzig. Wenn man das vergleicht, sieht man jetzt, dass die Preise für das Finale bis zu elftausend Dollar reichen. Das ist völlig absurd. Insgesamt gibt es also wirklich viele, viele Punkte, über die man sprechen könnte – all die politischen Fragen rund um die Weltmeisterschaft, wissen Sie? -- 2 of 18 -- #Pascal Ja. Also, wie sehen Sie das? Ich meine, achtundvierzig Länder – das ist enorm. Und Sportveranstaltungen hatten ja schon immer eine politische Dimension. Die Olympischen Spiele zum Beispiel, die sind immer auch geopolitisch aufgeladen. Selbst in der Antike war das so. Auch die antiken Olympischen Spiele hatten politische Verbindungen. Es hieß ja, dass selbst verfeindete Staaten damals eine Waffenruhe einlegten, um zu den Spielen zu reisen, dort anzutreten und danach wieder zurückzukehren, oder? Zumindest war das das Ideal, unter dem sie stattfanden. Und ganz ähnliche Probleme sehen wir ja auch heute, oder? Wie Sie schon gesagt haben, Iran befindet sich im Krieg mit den Vereinigten Staaten. Und dann geht es darum, dass die USA sich weigern, das Team überhaupt zu empfangen, es also nicht auf ihrem Staatsgebiet übernachten oder essen zu lassen. Sie müssen stattdessen nach Mexiko ausweichen. Glauben Sie, dass so ein Konflikt für die FIFA oder auch für die Olympischen Spiele und andere große Sportereignisse tragbar ist, wenn es darum geht, künftig eine der großen Mächte als Gastgeber auszuwählen? Und was, denken Sie, lernen wir gerade von der aktuellen FIFA – also von der Art, wie sie mit dieser Situation umgeht – im Hinblick auf solche großen internationalen Veranstaltungen? #Rolando Dromundo Große internationale Ereignisse haben schon immer, wirklich immer in der Geschichte – und das gilt nicht nur für den Fußball – die Vereinigten Staaten als eine Art Super-Schaufenster genutzt. Es ist einfach der größte Markt, die größte Chance. Wenn man sich zum Beispiel die Geschichte der Olympischen Spiele anschaut: Die Spiele haben sich nach Los Angeles vierundachtzig völlig verändert, was ihre Organisation angeht. Das war ein Moment, der das ganze Verständnis davon, was diese Spiele für Unternehmen, für Konzerne und für Sponsoren bedeuten können, komplett verändert hat. Deshalb war sich die FIFA völlig im Klaren darüber, sie kannte das Risiko. Aber sie hat trotzdem abgewogen und gedacht, dass der Gewinn deutlich höher sein würde – auch wenn das Image der FIFA schon stark gelitten hatte. Denn es geht ja nicht nur um die Probleme beim Ticketverkauf, um die Preise oder die vielen Missstände. Es geht auch darum, dass in manchen Ländern enorme Summen an öffentlichen Geldern investiert werden müssen. Wenn man zum Beispiel nach Kanada schaut: Nur zwei Städte haben zugesagt, weil Montreal nicht bereit war, die riesigen Beträge zu investieren, die die FIFA verlangt. Die FIFA zwingt Städte, Verträge zu unterschreiben, in denen sie Steuerbefreiungen bekommt, viele Sonderrechte, und in denen Gesetze an ihre Wünsche angepasst werden müssen. Also hat man da eine Organisation wie die FIFA, die politische Abkommen schließt, ohne selbst eine politische Institution oder ein Staat zu sein. Sie betreibt Politik – aber außerhalb dessen, was eigentlich die Aufgabe der Staaten ist. #Pascal -- 3 of 18 -- Hey, nur eine ganz kurze Info. Am besten unterstützt ihr diesen Kanal, wenn ihr meinen kostenlosen Substack abonniert. Ihr könnt dort auch mit einem bezahlten Abo helfen. Oder ihr schaut euch unser neues Merch auf neutralitystudies Punkt com an. Die Links findet ihr unten. Wir sehen uns dort. #Rolando Dromundo Also, der große Widerspruch im Sport... Im Moment ist es so: Wir haben diese riesigen Sportorganisationen, die so tun, als wären sie unpolitisch. Dabei brauchen sie den Staat, sie leben davon, und sie hängen in hohem Maß von öffentlichen Geldern ab, die für die Austragung solcher Veranstaltungen ausgegeben werden. Denn natürlich will die FIFA die Regeln bestimmen. Die FIFA will unter keinen Umständen zulassen, dass sich irgendeine lokale Regierung in den Fußball einmischt – das wäre aus ihrer Sicht reines Chaos. Und jedes Mal in der Geschichte, wenn ein Land versucht hat, irgendwie in den Sport einzugreifen, hat die FIFA das sofort unterbunden. Aber wenn man die Veranstaltung organisieren muss, dann soll man mich bitte auch bezahlen, oder? Deshalb investieren die Staaten diese riesigen Summen in so ein Event – was für viele Länder natürlich nicht so einfach ist, oder? Und genau deshalb macht es einen Unterschied, wenn die Veranstaltung in den Vereinigten Staaten stattfindet. Dort gibt es immer das Geld, immer die Ressourcen, immer die Möglichkeiten. Sie können sich leisten, eine riesige Zahl an Spielen auszurichten und die Tickets an Fans für mehr als tausend Dollar pro Stück zu verkaufen – und jemand wird sie kaufen. Weil man sich das in den USA als Organisationskomitee einfach leisten kann. Und genau deshalb ist es für sie so profitabel und so attraktiv, das zu tun. Und selbst wenn man die Sportindustrie noch gar nicht mit einbezieht – ein Teil der Organisation eines solchen Events ist ja auch die Frage: Wie ist deine Geschichte in dieser Sportart? Also, was hast du bisher erreicht, welche Ergebnisse hast du vorzuweisen, und bist du wirklich engagiert? Marokko hat jahrelang versucht, Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft zu werden – und das mit deutlich besseren Ergebnissen im Fußball. Aber sie haben diese Chance nie bekommen, weil es eben anders läuft, oder? Und natürlich spielt auch der politische Einfluss eine Rolle – ganz zu schweigen von der Bühne, die so ein Ereignis darstellt. Ich meine, am Ende wird Donald Trump, der ja gerne im Mittelpunkt steht, eine Fußball- Weltmeisterschaft haben und die Olympischen Spiele, falls er 2028 noch Präsident ist. Und genau das ist der Punkt – das ist das Hauptthema, aber auch der größte Widerspruch. Bei der FIFA, und nicht nur dort, ist es heute so, dass der internationale Sport keinerlei Rechenschaft ablegt. Es gibt überhaupt keine Möglichkeit, irgendetwas zu klären oder Transparenz zu zeigen – weder im Umgang mit Sponsoren noch bei den tatsächlichen Verhandlungen darüber, wie ein Land den Zuschlag für eine Austragung bekommt. Und genau deshalb haben wir am Ende... Wenn wir an all die Korruptionsskandale im internationalen Sport denken, erinnern wir uns an das, was damals mit Joseph Blatter und Andrew Avelange passiert ist. Aber das wird nicht der letzte Fall -