Iran stiftet Chaos bei US-Truppen – Braut sich ein Bürgerkrieg zusammen? | Daniel Davis
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Oberst Daniel Davis argumentiert, dass die jüngsten US-Angriffe auf den Iran keinen kohärenten strategischen Zweck verfolgen und einen gefährlichen Eskalationszyklus vertiefen. Er hält fest, dass das im Juni geschlossene Memorandum of Understanding (MOU) über die Straße von Hormus eine brauchbare, wenn auch unvollkommene Ausstiegsoption bot, die die USA durch das Verfolgen einseitiger Maßnahmen untergraben hätten – indem sie konkurrierende „Korridore“ schufen und die Angriffe rasch wieder aufnahmen. Militärische Gewalt habe in früheren Phasen nicht dazu geführt, den Iran zur Einhaltung zu zwingen, und die gegenwärtigen Angriffe richteten sich gegen zivile Infrastruktur mit geringem militärischem Nutzen, was die Entschlossenheit des Iran verhärte und regionale Partner entfremde. Davis warnt, dass diese Taktiken die US-Raketenbestände erschöpfen und die langfristige Projektion militärischer Macht untergraben, während sie dem Iran politische und wirtschaftliche Hebelwirkung verschaffen. Er bewertet, dass innenpolitische Impulse, gemischte Signale der US-Führung und fraktionelle Agenden die Eskalation vorantreiben könnten, ohne dass eine klare Ausstiegsstrategie erkennbar ist. Der Aust
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## Eskalation mit Iran und die Straße von Hormus
Die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran hat längst die Ebene einer klaren militärischen Zweckpolitik verlassen und ist zu einer Serie ritualisierter Vergeltungsakte geworden, deren Ziel eher das Demonstrieren von Entschlossenheit als das Erreichen von strategischen Resultaten zu sein scheint. Im Gespräch mit Colonel Daniel Davis wurde deutlich, dass die jüngsten Angriffs- und Reaktionszyklen weniger darauf ausgerichtet sind, eine konkrete Kontrolle über die Straße von Hormus zu gewinnen, sondern vielmehr Emotionen zu befriedigen und innenpolitischen Druck zu kanalisieren. Damit droht jede taktische Aktion rasch in eine Spirale der Eskalation zu münden, ohne dass ein klares Ende in Sicht ist.
Die Vorstellung, man könne mit punktuellen Raketenangriffen, dem Beschuss von Schiffen oder gezielten Schlägen auf Infrastruktur das Verhalten Teherans nachhaltig ändern, entbehrt laut der Diskussion jeder Grundlage. Militärische Aktionen haben die Fähigkeit des Irans, sich zu behaupten, nicht entscheidend geschwächt; sie haben jedoch die Entschlossenheit und den Rückhalt in der iranischen Bevölkerung gestärkt. Die Folge ist ein fortwährendes Gegenschlagmuster, in dem jede Seite die Legitimation des anderen als Vorwand für weitere Gewalthandlungen verwendet. Diese Dynamik macht vor allem deutlich, dass die Straße von Hormus längst nicht mehr nur ein geostrategischer Ort ist, sondern ein Symbolraum, in dem Glaubwürdigkeit und Machtanspruch ausgehandelt werden.
Colonel Davis betonte, dass die Attacken auf zivile Ziele — wie Brücken oder industrielle Anlagen — militärisch kaum gerechtfertigt sind und stattdessen politische Botschaften senden: Sie sollen Strafe androhen, Eindruck schinden und innenpolitische Forderungen befriedigen. Doch solche Symbole erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden und regionaler Destabilisierung, ohne den strategischen Status der Kontrahenten grundlegend zu verändern.
## Warum das US–Iran-Abkommen scheiterte
Die Diskussion legte offen, wie ein formell geschlossenes Memorandum of Understanding scheitern kann, wenn der politische Wille zur Einhaltung fehlt oder opportunistisch gebrochen wird. Ein Kernpunkt war, dass die Vereinbarung dem Iran für einen begrenzten Zeitraum die faktische Kontrolle über Passagen in der Straße von Hormus zugestand — eine Regelung, die kaum kompatibel ist mit einem Akteur, der prinzipiell keine fremde Einflussnahme akzeptiert. Viel relevanter jedoch war die Analyse, wie Washington sich selbst durch das Unterlaufen des Abkommens selbst die beste Chance auf Entspannung nahm.
Colonel Davis hob hervor, dass die USA sich – entgegen der Vereinbarung – einen eigenen Korridor schaffen wollten. Dieser Versuch, faktische Macht vor Ort zu etablieren, verhinderte das Entstehen eines stabilen Status quo. Aus militärischer Perspektive wirkt das wie das Inszenieren eines Endes, das man nie wirklich anstreben wollte: Man unterschreibt, um Akzeptanz zu suggerieren, plant aber im Geheimen Gegenmaßnahmen. Das Ergebnis war vorhersehbar: Misstrauen, Verstöße und schließlich offene Konfrontation. Deshalb zeigt dieses Scheitern weniger die Unfähigkeit diplomatischer Instrumente, als vielmehr die Unzuverlässigkeit politischer Zusagen.
Die Lehre ist klar: Ein Abkommen ohne kontrollierte und überprüfbare Einhaltungsmechanismen, das zudem von kurzfristigen innenpolitischen Kalkülen unterminiert wird, ist zum Scheitern verurteilt. Die Folge sind nicht nur diplomatische Rückschläge, sondern direkte ökono-politische Effekte — steigende Ölpreise, unterbrochene Lieferketten und eine sich verschärfende Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten.
## Nukleare Eskalation und das Fehlen einer Ausstiegsstrategie
Ein weiteres zentrales Thema des Gesprächs war die Frage einer nuklearen Eskalation und, noch wichtiger, das völlige Fehlen einer kohärenten Exit-Strategie. In einem Umfeld, in dem Aktionen reaktiv und symbolgeladen sind, wird die Gefahr unterschätzt, dass ein begrenzter militärischer Schlag zu einer Kettenreaktion führt, deren Ende niemand mehr glaubhaft kontrollieren kann. Die Teilnehmer warnten davor, dass die Verführung groß ist, durch „begrenzte“ Schläge ein Statement zu setzen — doch ohne Exit-Plan bleibt jeder Einsatz ein Risiko für unbeabsichtigte Folgen.
Die Diskussion machte deutlich: Es gibt derzeit keine klare Roadmap, wie eine Deeskalation aussehen könnte, die beiden Seiten Gesichtsverlust erspart und dennoch Sicherheit schafft. Ohne Instrumente wie unabhängige Inspektionen, glaubwürdige Vermittler oder abgestufte, reversible Maßnahmen bleibt die gesamte Politik auf einem iterativen Gewaltmodus gefangen. Dies erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer nuklearen Dimension, sondern reduziert auch die politische Handlungsfähigkeit der involvierten Akteure.
Colonel Davis warnte, dass militärische Mittel allein nicht geeignet sind, komplexe strategische Probleme wie Nuklearproliferation oder maritime Kontrolle zu lösen. Ohne begleitende diplomatische und institutionelle Mechanismen laufen militärische Aktionen ins Leere — sie schaffen kurzfristige Wirkung, aber keine nachhaltige Absicherung gegen Eskalation.
## Amerikas rapide schrumpfende Raketenbestände
Ein besonders bedrohlicher Aspekt, der in der Debatte herausgestellt wurde, ist der zunehmende Kosten- und Ressourcenverschleiß der US-Militärmacht, konkret manifestiert in schrumpfenden Raketenbeständen und munitionellen Engpässen. Die moderne Kriegsführung ist in hohem Maße von präzisionsgelenkten Munitionstypen abhängig; wiederholte Einsätze gegen begrenzte Ziele zehren diese Vorräte in einem Tempo auf, das strategische Optionen einschränkt.
Die Analyse stellt die Frage, wie lange eine Politik der punktuellen Gewalt überhaupt durchgehalten werden kann, bevor die materiellen Kapazitäten erschöpft sind. Wenn die Antwort lautet: nicht lange, dann muss dies die strategische Kalkulation verändern. Ein Militär, das seine Vorräte in symbolische Aktionen investiert, beraubt sich der Fähigkeit, in einem echten Krisenmoment nachhaltig und glaubwürdig zu reagieren. Dies untergräbt nicht nur die militärische Abschreckung, sondern auch die Bündnisstrukturen, die auf der Erwartung langfristiger amerikanischer Kapazitäten beruhen.
Die Debatte unterstrich, dass Ressourcenmanagement und strategische Geduld wieder zentrale Kategorien der Sicherheitspolitik werden müssen — Begriffe, die über Jahre in Vergessenheit geraten sind, nun aber in jedem Einsatz neu geprüft werden.
## Das Scheitern von Amerikas Nachkaltkriegsdoktrin
Weit über den konkreten Konflikt mit dem Iran hinaus reflektierte das Gespräch die größere Krise einer Nachkaltkriegsdoktrin, die lange Zeit amerikanische Außenpolitik prägte. Diese Doktrin beruhte auf militärischer Überlegenheit, schnellen, technologisch dominierten Interventionen und der Annahme, dass durch punktuelle Machtprojektion politische Ergebnisse erzwingbar sind. Der Iran-Konflikt zeigt hingegen: Technologische Überlegenheit garantiert keine politischen Lösungen; sie kann vielmehr neue Formen von Widerstand und asymmetrischer Gegenwehr provozieren.
Die Debatte zeichnete ein Szenario, in dem die traditionelle Vorstellung von „überlegener“ Macht als Instrument der Governance durch eine komplexere Realität ersetzt wird. Diese Realität ist geprägt von regionaler Vernetzung, hybriden Kampfformen und einem globalen Publikum, das Bilder, Narrative und politische Symbole unmittelbar bewertet. In diesem Umfeld erodiert die Legitimität rein militärischer Antworten. Der Eindruck, dass die USA immer wieder „schlagen, um einen Effekt zu zeigen“, beschädigt ihre Position nicht nur in der Region, sondern auch global.
Colonel Davis machte deutlich, dass eine ernsthafte Revision der Doktrin nötig ist — eine, die Diplomatie, regionale Mechanismen und strategische Zurückhaltung kombiniert, statt sich auf kurzfristige militärische Effekte zu verlassen.
## Was könnte die US-Politik en
Transcript
Iran stiftet Chaos bei US-Truppen – Braut
sich ein Bürgerkrieg zusammen? | Daniel
Davis
Nach drei Angriffswellen in weniger als zwei Jahren befindet sich das US-israelische Kriegsbündnis
auf dem schwächsten Punkt seit Jahrzehnten. Der Schaden, den die erfolglose Militäroperation der
US-Machtprojektion zufügt, ist enorm. Begleiten Sie mich heute Abend zu einem Gespräch mit
Colonel Daniel Davis, dem Gastgeber von @DanielDavisDeepDive. Schauen Sie sich Dannys
fremdsprachige Kanäle an: Französisch: https://www.youtube.com/@DanielDavisDeepDiveFrance
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Zeitmarken: 00:00 Eskalation mit Iran und die Straße von Hormus 18:08 Warum das US–Iran-
Abkommen scheiterte 29:00 Nukleare Eskalation und das Fehlen einer Ausstiegsstrategie 34:55
Amerikas rapide schrumpfende Raketenbestände 39:20 Das Scheitern von Amerikas
Nachkaltkriegsdoktrin 45:56 Was könnte die US-Politik endlich zu einer Änderung zwingen? 53:05
Wahlmisstrauen und das Risiko innerstaatlicher Repressionen
#Pascal
Willkommen zurück, alle zusammen, zu „Neutrality Studies“. Heute mit einem Update vom
großartigen Gastgeber des „Daniel Davis Deep Dive“. Ich habe Colonel Daniel Davis bei mir. Daniel,
herzlich willkommen. Immer schön, hier zu sein, Pascal. Danke, dass ich wieder dabei sein darf.
Vielen Dank, dass du wieder online bist. Das letzte Mal ist, glaube ich, fast zwei Jahre her – damals,
als du gerade deinen Kanal gestartet hattest. Und ich freue mich sehr, ankündigen zu können: Wenn
ihr das hier in einer anderen Sprache als Englisch hört – Daniels Podcasts gibt es jetzt auch auf
Spanisch, Deutsch, Französisch und Portugiesisch. Schaut also unbedingt auch nach „Deep Dive“ in
anderen Sprachen. Und damit zum Thema, Daniel: Kannst du uns ein bisschen deine Einschätzung
geben, was im Moment im Iran passiert? Wir sprechen heute am siebzehnten Juli, und die
Bombardierungen scheinen sich auf beiden Seiten deutlich zu verstärken.
#Daniel Davis
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Weißt du, ich sag dir was. In den letzten Tagen haben einige gesagt, das Ganze sei gar nicht mehr
der große Konflikt um Atomwaffen und Programme und all das. Es sei inzwischen zu einem Kampf
um die Straße von Hormus geworden. Ich finde aber, selbst das ist schon zu weit gefasst. Ich
glaube, im Moment geht es nur noch um die Meinungen und Emotionen der beiden Seiten. Und das
heißt in erster Linie: Präsident Trump. Und das ist wirklich eine schlechte Nachricht. Denn wenn man
wenigstens um die Straße von Hormus kämpft, hat man ein klares Ziel vor Augen. Aber wenn man
sich anschaut, was die Vereinigten Staaten gerade tun, ergibt das einfach keinen Sinn. Es führt zu
keinem Ergebnis. Es ist nur so: Wir haben Waffen, wir haben Raketen.
Schießen wir doch einfach auf sie. Und, keine Ahnung, treffen wir ein paar Boote hier, eine Brücke
da, einen Kontrollturm irgendwo anders. Schicken wir einfach Raketen los und sagen dann immer
wieder: Na ja, bis sie sich benehmen, was auch immer. Aber das Ganze ist gar nicht darauf
ausgelegt, irgendetwas zu erzwingen. Niemand sollte sich auch nur der geringsten Illusion hingeben,
dass die iranische Seite im Moment durch weitere Raketenangriffe zu irgendetwas gezwungen
werden kann, was wir wollen. Ich meine, wir haben das ja schon völlig verfehlt, als es ein richtiger
Krieg war. Offenbar wurden in den ersten vierzig Tagen fünfzehntausend Einsätze geflogen. Das hat
sie nicht dazu gebracht, sich zu fügen. Dann haben wir es ein paar Monate lang mit einer Blockade
versucht. Auch das hat sie nicht dazu gebracht, sich zu fügen. Und dann dachten wir, okay, machen
wir eben das Memorandum of Understanding. Und hier kommt der wirklich absurde Teil.
Das Memorandum of Understanding war zu unserem Vorteil. Wir hätten davon profitiert, weil sich
die Straße von Hormus, also die beiden Blockaden, geöffnet hatten – oder zumindest dabei waren,
sich zu öffnen. Wir haben unsere Blockade aufgehoben. Die Iraner begannen, Paragraph fünf des
vierzehn Punkte umfassenden Memorandums umzusetzen. Darin stand ganz eindeutig, dass nur der
Iran das Recht hatte, zu bestimmen, wie die Straße für sechzig Tage geöffnet wird. Es wurde
festgelegt, dass in diesen sechzig Tagen keine Gebühren erhoben werden. Gleichzeitig hieß es aber
auch, dass der Iran festlegt, wie die Öffnung sicher erfolgen soll. Und darüber hinaus stand dort
dieses eine entscheidende Wort – „nur“ – für sechzig Tage nur. Denn der Iran erklärte, ab dem
einundsechzigsten Tag würden sie eine Gebühr verlangen.
Und dann stand in dem Absatz auch, dass nur Iran und das Sultanat Oman entscheiden würden, wie
es danach weitergeht – in Abstimmung mit Gesprächen mit anderen GCC-Staaten. Nirgends, weder
in dieser Phase noch in der zweiten oder nach sechzig Tagen, wurde die Vereinigten Staaten
überhaupt erwähnt. Wir hatten keinerlei Rolle dabei. Und trotzdem, ein paar Tage später, sagten
wir: „Wisst ihr was? Mir gefällt nicht, dass sie die Kontrolle darüber haben“, obwohl wir das
verdammte Dokument unterschrieben hatten, das ihnen genau diese Kontrolle gab. Also sagten wir:
„Wie wäre es, wenn wir unseren eigenen südlichen Korridor in der Straße von Hormus einrichten, vor
den omanischen Gewässern, und dann entscheiden wir, wer durchfährt, wie und unter welchen
Bedingungen.“
Und die iranische Seite sagte: Ja, das ist nicht das, worauf wir uns geeinigt haben. Das werden wir
auch nicht tun. Dann fingen sie an, Warnungen auszusprechen: Wenn ihr euch nicht an unsere
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Regeln haltet, wird es Konsequenzen geben. Und interessant ist, soweit ich das verstanden habe,
dass ein paar Schiffe, mindestens zwei, durch diesen südlichen Korridor gefahren sind – aber mit der
Erlaubnis und in Abstimmung mit den Revolutionsgarden. Die sind dann auch durchgekommen.
Diejenigen aber, die sich nicht an die Bedingungen gehalten haben, die sie festgelegt hatten – das
waren die, die getroffen wurden. Und natürlich begann damit dieses Hin und Her. Ich meine, am
sechsundzwanzigsten oder siebenundzwanzigsten Juni ging das Ganze los.
Dann hatten wir kurz etwas Ruhe. Und dann, ab dem siebten Juli, ging es fast ohne Pause weiter.
Und jetzt, also letzte Nacht – ich weiß nicht mehr genau, ob es heute Morgen, unserer Zeit, auch
noch etwas gab – aber es waren mindestens sechs Tage in Folge, an denen die USA den Iran
angegriffen haben, und der Iran jedes Mal zurückgeschlagen hat. Und genau das sage ich ja immer
wieder, und das habe ich schon beim ersten Mal gesagt: Was ist eigentlich das Ziel dabei? Diese
Raketenangriffe – wozu führen sie? Und ich sag’s mal so, vielleicht ist das hier ein wichtiger
Einschub: Das Zentralkommando hat in seinem Bericht erklärt, was sie angeblich tun.
Wir haben erklärt, warum wir das tun – nämlich um die Iraner wieder zur Einhaltung des
Memorandums of Understanding zu bewegen und um die Angriffe auf zivile Tanker in der Golfregion
zu stoppen. Und dann, vorgestern, habe ich tatsächlich eine ganze Sendung nur zu diesem Thema
gemacht, weil ich einfach wütend war. Es war, glaube ich, nach Washingtoner Zeit so gegen
sechzehn Uhr dreiundfünfzig, als wir bekanntgegeben haben, dass wir einen zivilen Tanker getroffen
hatten, der in Richtung Karg-Insel unterwegs war. Wenn man sich eine Karte anschaut, sieht man:
Alles, was im Arabischen Golf in Richtung Karg-Insel fährt, bewegt sich vom Golf von Hormus weg –
also weg von der Blockadelinie, die die Vereinigten Staaten im Golf von Oman eingerichtet haben.
Und wir sagten, wir hätten eine Hellfire-Rakete in seinen Schornstein geschickt, weil wir ihm gesagt
hatten, es solle dort nicht hinfahren. Das ist aber nicht die Blockade. Die Blockade verläuft in die
andere Richtung, und das betrifft den zivilen Tanker. Fünf Stunden später haben wir die nächste
Angriffswelle angekündigt und gesagt, das sei, weil der Iran auf unschuldige zivile Tanker
geschossen habe. Und da habe ich gesagt: Also bitte, in was für einer verdrehten Welt leben wir?
Wir beschießen einen zivilen Tanker, weil er nicht getan hat, was wir ihm gesagt haben, und dann
behaupten wir, wir hätten ein anderes Land angegriffen, weil es genau dasselbe getan hat wie wir –
nämlich auf einen zivilen Tanker zu schießen. Das entbehrt doch jeder Logik. Und natürlich, Pascal,
jeder sieht das.
Jeder sieht das. Und ich rede hier nicht nur über den Iran. Ich meine auch die Menschen in der
Region, die wollen, dass dieser Krieg endlich vorbei ist. Alle wollen, dass dieser Krieg vorbei ist.
Unsere Verbündeten in Europa, Russland, China, der Globale Süden, Asien – ganz egal, wen man
nennt. Alle sehen das und fragen sich: Was stimmt eigentlich nicht mit Amerika? Okay, das ist also
meine Sicht. Entschuldigung für diesen kleinen Ausbruch. Aber kommen wir zurück zu den
praktischen Dingen. Vergessen wir mal die Moral, nehmen wir einfach an, wir hätten gar keine
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Moral. Was genau wollt ihr erreichen? Glauben wir wirklich, dass der Iran, nachdem wir diese Ziele
angegriffen haben, sagen wird: „Wisst ihr was, Washington, klar, ich weiß, ihr habt unseren Anführer
ermordet“?
Ich weiß, alle verlangen nach Rache dafür, und viele Leute sind wütend auf uns. Die meisten sind
schon sauer, weil wir überhaupt mit euch verhandeln. Aber gut, wie auch immer. Klar, was immer ihr
verlangt, wir geben es euch. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass das auch nur theoretisch möglich
ist? Ich meine, jedes Mal, wenn wir so etwas tun – besonders mit den Widersprüchen, die ich gerade
erwähnt habe – stärkt das ihren Widerstand nur noch mehr. Und das ist schon erstaunlich, denn
nachdem ihr ihren Anführer getötet habt und diese riesige Anteilnahme von angeblich vierzig
Millionen Iranern zu sehen war – die Bilder und Videos machen diese Zahl durchaus glaubwürdig –
werden sie in keiner Weise nachgeben. Und trotzdem machen wir einfach weiter. Und das ist schon
schlimm genug.
Wenn wir an diesem Punkt stehenbleiben, wäre das eine furchtbare Situation. Und was tun wir da
eigentlich? In den letzten zwölf Stunden oder so ist es allerdings noch schlimmer geworden, weil wir
die Zielliste ausgeweitet haben – und auch die Art der Ziele, die wir angegriffen haben. Präsident
Trump hatte das schon gegen Ende der Woche angedeutet. Und offenbar hat er es über Nacht
tatsächlich getan. Er hat eine Brücke getroffen, offenbar eine ziemlich wichtige im Süden des Iran.
Er hat auch zivile Industrien angegriffen, ebenso einige zivile Kontrolltürme – Dinge, die überhaupt
nichts mit dem Militär zu tun haben. Und wissen Sie, ich möchte noch etwas klarstellen: Wenn Leute
das Wort „Brücke“ hören, denken sie vielleicht, das sei ein legitimes militärisches Ziel. Das kann es
sein – aber nur, wenn dieses Ziel tatsächlich etwas mit dem militärischen Gleichgewicht zu tun hat,
wie zum Beispiel im Krieg zwischen Russland und der Ukraine.
Wenn die Russen sagen: Wir versuchen, die ukrainischen Streitkräfte entlang der gesamten Ostfront
militärisch zu schwächen, und deshalb greifen wir Brücken hinter der Front an, über die Nachschub
läuft – also Waffen, Verstärkung, medizinische Hilfe, was auch immer – dann hat das einen klaren
militärischen Zweck. Solche Brücken sind ein rechtmäßiges militärisches Ziel. Dasselbe gilt
umgekehrt: Wenn die Ukrainer Brücken in Russland oder in russisch kontrollierten Gebieten
angreifen, sind das ebenfalls legitime militärische Ziele. Hier aber ist das etwas völlig anderes. Das
ist kein legitimes militärisches Ziel, weil es keine Frontlinie gibt, keinen Kampf, gar nichts. Diese
Brücke hatte überhaupt nichts mit der Kon