Ali Abunimah schildert seine Festnahme, Inhaftierung und Ausweisung aus der Schweiz im Januar 2025, nachdem er eingeladen worden war, über Gaza zu sprechen, und argumentiert, dass diese Maßnahmen darauf abzielten, öffentliche Rechenschaftspflicht und Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Durch von Abunimah eingeleitete rechtliche Schritte wurden Entscheidungen erwirkt, wonach seine Festnahme, Inhaftierung, Einreisesperre und Ausweisung rechtswidrig waren und gegen das ordnungsgemäße Verfahren sowie menschenrechtliche Schutzpflichten verstoßen haben; Strafanzeigen gegen beteiligte Amtsträger sind weiterhin anhängig. Amira Berzi betont die weitergehende bürgerliche Besorgnis: Schweizer Institutionen und Medien haben die Vorgänge nicht ausreichend untersucht noch die Behörden zur Verantwortung gezogen, wodurch Bürgerinnen und Bürger anfällig für willkürliche Beschränkungen von Information und Versammlungsfreiheit bleiben. Beide Gesprächspartner ordnen den Fall in ein größeres Muster westlicher Demokratien ein, in dem die Anpassung von Eliten an die israelische Politik, medialer Schweigen und institutionelle Repression die Debatte über Palästina einschränken. Abunimah schlussfolgert, dass
Article
## Einführung
Die Diskussion liefert ein prägnantes Bild davon, wie lokale Rechtsstaatlichkeit, internationale Politik und öffentliche Meinungsbildung ineinandergreifen. Was auf den ersten Blick wie ein isolierter Vorfall in einer europäischen Stadt wirkt, entpuppt sich als ein Knotenpunkt größerer Fragen: Wer bestimmt, welche Rede erlaubt ist, welche Stimmen gehört werden, und welche Mechanismen greifen, wenn Behörden ihre Macht überschreiten? Die Auseinandersetzung über eine Festnahme, anschließende Ausweisung und die anschließenden juristischen Schritte wird hier zur Linse, durch die Probleme von Transparenz, Verantwortung und einer zunehmenden Polarisierung um Israel/Palästina sichtbar werden. Diese Episode ist demnach nicht nur ein Rechtsstreit; sie ist ein Frühwarnsystem für die Spannungen einer Demokratie, die behauptet, Redefreiheit zu schützen, während gleichzeitig geopolitische Interessen und elitäre Sensibilitäten den Rahmen dessen abstecken, was politisch akzeptabel scheint.
## Alis Verhaftung in Zürich
Die Schilderung der Ereignisse in Zürich liest sich wie ein Lehrstück über außergerichtliche Machtanwendung: Eine Person auf dem Weg zu einer öffentlichen Veranstaltung wird von Zivilkräften angehalten, abgeführt und inhaftiert. Nach der Darstellung in der Diskussion erfolgte die Festnahme abrupt, ohne vorangehende Ausschreitung oder offenkundige Gefährdungslage. Dieser Moment ist symbolisch, weil er das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Polizeipraxis und deren Verhältnis zu politisch sensiblen Themen auf die Probe stellt. Wenn polizeiliches Handeln im Schatten zivilrechtlicher Formen erfolgt — ohne klare, sofort nachvollziehbare Rechtsgrundlagen — werden nicht nur die Betroffenen, sondern die gesamte öffentliche Debatte überschattet. Die Frage, die sich daraus ergibt: War die Maßnahme eine adäquate Gefahrenabwehr oder ein Versuch, politische Rede zu unterdrücken?
## Gerichtliche Erfolge und laufende Verfahren
Aus der Diskussion geht hervor, dass die initiale Willkür nicht unwidersprochen blieb. Gerichtliche Überprüfungen hielten Teile des Vorgehens für rechtswidrig: Festnahme, Inhaftierung, und die nachträgliche Ausweisung wurden vor Verwaltungsinstanzen angefochten — mit zum Teil zugunsten der Betroffenen ausgefallenen Urteilen. Solche Entscheidungen sind wichtig, weil sie zeigen, dass die Gerichte als Korrektiv fungieren können. Gleichzeitig offenbart die Notwendigkeit, diese Rechte erst gerichtlich erkämpfen zu müssen, die Ungleichheiten im Zugang zu Rechtsmitteln. Nicht jede betroffene Person verfügt über das Netzwerk, die Ressourcen oder die internationale Aufmerksamkeit, die nötig sind, um solche Verfahren durchzusetzen. Darüber hinaus bestehen weiterhin anhängige Strafanzeigen gegen beteiligte Entscheidungsträger, was die juristische Dimension des Falls noch offen lässt: Es geht nicht mehr allein um unmittelbaren Rechtsschutz, sondern um Rechenschaft für mögliche Amtspflichtverletzungen.
## Rechenschaftspflicht in der Schweiz
Die Debatte hebt ein zentrales Demokratiedefizit hervor: Rechenschaftspflicht ist kein automatisch funktionierendes System, sondern ein politisch und institutionell eingespanntes. Selbst in einem Staat mit starker Verfassungstradition und institutionellen Sicherheitsmechanismen kann es daran mangeln, dass Behörden transparent erklären, warum sie so handeln, wie sie handeln. Die Diskussion argumentiert, dass es einen Unterschied gibt zwischen der gerichtlichen Wiederherstellung individueller Rechte und der systemischen Aufarbeitung von Machtmissbrauch. Erstere ist möglich, wie der Fall zeigt; letztere erfordert politische Kontrolle, unabhängige Untersuchungen und die Bereitschaft von Institutionen, eigene Fehler offenzulegen. Fehlt diese Dimension, bleiben strukturelle Probleme bestehen: Informationszugang, parlamentarische Aufsicht und Volksrechte werden dann zu bloßen Phrasen, wenn Machtakteure nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
## FedPol, Zürich und Immunität
Ein zentrales Thema der Auseinandersetzung ist das Verhältnis zwischen kantonalen Behörden und der Bundespolizei (FedPol). In der Diskussion wird deutlich, dass es interne Bewertungen gab, die eine Gefährdungslage verneinten, ehe höhere Interventionen die Entscheidung revidierten. Das legt nahe, dass Bürokratische Kompetenz nicht immer ausschlaggebend ist; politische Einflussnahme kann Verfahren umkehren. Wenn zudem lokale Politiker Immunität genießen und damit einer strafrechtlichen Überprüfung entzogen bleiben, entsteht eine zusätzliche Barriere gegen Transparenz. Immunität mag dem Schutz politischer Entscheidungsfreiheit dienen, doch in Fällen möglicher Amtsmissbräuche wird sie zum Schutzschild, der Untersuchung und öffentlichen Aufklärung im Wege steht. Die Debatte ruft deshalb nach einer kritischen Neubetrachtung, wann Immunität verhältnismäßig ist und wann sie Verantwortlichkeit untergräbt.
## Meinungsfreiheit und öffentliche Rechte
Einer der stärksten Punkte der Diskussion ist die Betonung, dass Meinungsfreiheit nicht nur ein individuelles Recht ist, sondern ebenso das Recht Dritter umfasst, informiert zu werden. Wenn Referenten ausgeschlossen oder Veranstaltungen verhindert werden, leidet die Öffentlichkeit als Rezipientin. Die vorbezeichnete Verfassungs- und Menschenrechtslage schützt zwar Redefreiheit formal — doch die Praxis zeigt, dass diese Rechte fragil sind, sobald politisch sensible Themen betroffen sind. Die Debatte verknüpft das mit einer breiteren Entwicklung: In zahlreichen westlichen Gesellschaften nimmt der Druck auf pro-palästinensische Stimmen zu, und dies wirkt nicht nur repressiv, sondern auch disziplinierend. Kritik wird marginalisiert, Veranstaltungen werden erschwert, und die Folge ist eine Verarmung des öffentlichen Diskurses. Die Botschaft lautet: Meinungsfreiheit muss nicht nur juristisch garantiert, sondern praktisch abgesichert werden — das heißt durch transparente Behördenpraxis und gleichen Zugang zu öffentlichen Räumen.
## Israel, Eliten und Repression
Die Diskussion spannt den konkreten Vorfall auf ein größeres geopolitisches Muster: eine Kluft zwischen öffentlichen Einstellungen in der Bevölkerung und den Positionen politischer sowie wirtschaftlicher Eliten. Diese Kluft erzeugt ein Klima, in dem Kritik an staatlichem Verhalten eines anderen Landes besonders leicht delegitimiert und repressiv beantwortet wird. Wenn institutionelle Akteure aus Furcht vor Reputation oder wirtschaftlichen Interessen gegen undesired speech vorgehen, entsteht ein Mechanismus, der die Bandbreite des Zulässigen einengt. Die Debatte warnt davor, dass solche Dynamiken in Demokratien zu einer Instrumentalisierung von Sicherheit und Recht führen können — nicht primär zum Schutz der Ordnung, sondern zur Abschottung politisch unbequemer Narrative. Diese Einsicht ist zentral: Repression ist oft weniger das Ergebnis spontaner Sicherheitsbedenken als die Folge organisierter politischer Präferenzen.
## Schweizer Medien und öffentliches Schweigen
Abschließend wird die Rolle der Medien kritisch beleuchtet. Die Diskussion stellt fest, dass im hier dargestellten Fall eine auffällige Zurückhaltung der Mainstream-Medien zu beobachten war. Dieses Schweigen ist nicht neutral: Medien bestimmen die Wahrnehmung von Sachverhalten und sind damit Gatekeeper der öffentlichen Agenda. Wenn größere Medienorgane vorsichtig sind oder Themen nicht vertiefen, weil sie als politisch problematisch gelten, bleibt die Öffentlichkeit schlecht informiert und die Möglichkeiten zur zivilgesellschaftlichen Kontrolle eingeschränkt. Schweigen erzeugt Vergessen; Nichtberichterstattung schützt nicht nur Täter, sondern schwächt auch die demokratische Reaktion. Die Debatte fordert deswegen eine kritischere Reflexion journalistischer Verantwortung: Berichten Medien über Machtmissbrauch und staatliche Macht, auch wenn der Gegenstand unbequem ist, dann stärken sie die Demokratie; vermeiden sie es, unterminieren sie sie.
Schlussbetrachtung
Die aus der Diskussion he
Transcript
Du bist als Nächster dran: Der Zionismus
breitet sich in Europa aus | Amira Berzi &
Ali Abunimah
Die Zionisten verlieren GEWALTIG. Und eine der Schlachten, die völlig schiefläuft, spielt sich im
idyllischen kleinen Schweiz ab. Heute spreche ich mit Ali Abunimah, dem Gründer von The Electronic
Intifada, und Amira Berzi über Alis Verhaftung und Abschiebung aus der Schweiz im Jahr 2025.
Glücklicherweise haben jüngste Gerichtsurteile die Maßnahmen für rechtswidrig erklärt, was für die
breiteren Fragen der Meinungsfreiheit und öffentlichen Rechenschaftspflicht sehr wichtig ist. Das
Schweigen der Mainstream-Medien zu dem Fall spricht für sich, fügt sich aber nahtlos in den Druck
rund um pro-palästinensische Demonstrationen im gesamten Westen ein. Unterstütze Ali Abunimah
hier: The Electronic Intifada: https://electronicintifada.net Neutrality Studies Substack:
https://pascallottaz.substack.com Unser Merch: https://neutralitystudies.com/shop Spende:
https://neutralitystudies.com/donate Zeitmarken: 00:00:00 Einführung 00:00:58 Alis Verhaftung in
Zürich 00:04:03 Gerichtliche Erfolge und laufende Verfahren 00:08:10 Rechenschaftspflicht in der
Schweiz 00:11:39 FedPol, Zürich und Immunität 00:16:06 Meinungsfreiheit und öffentliche Rechte
00:19:57 Israel, Eliten und Repression 00:27:17 Schweizer Medien und öffentliches Schweigen 00:32:
41 Lehren aus dem Widerstand
#Pascal
Willkommen zurück, alle zusammen, zu Neutrality Studies. Heute wieder live, denn wir sind hier im
wunderschönen Zürich. Und bei mir ist der einzig wahre Ali Abunimah, Gründer der Electronic
Intifada, und außerdem Amira Bersi, die im vergangenen Januar hier in der Schweiz eine ziemlich
besondere Erfahrung gemacht hat. Viele von euch wissen sicher, dass Ali damals von der Schweizer
Bundespolizei festgenommen wurde. Und dazu gibt es heute ein paar Neuigkeiten. Vielleicht fangen
wir mit Ali an. Kannst du uns kurz erzählen, was damals im Januar passiert ist? So in groben Zügen.
#Ali Abunimah
Danke, Pascal. Es ist wirklich eine große Freude, dich persönlich zu treffen. Ich war ja schon einmal
auf deinem Kanal, und ich bewundere deine Arbeit sehr. Also vielen Dank, dass du heute mit uns
sprichst. Was im Januar zweitausendfünfundzwanzig passiert ist: Ich wurde von einer Gruppe
namens Watermelon University nach Zürich eingeladen, um öffentliche Veranstaltungen über den
Völkermord in Gaza zu halten. Das Thema beschäftigt Menschen in der Schweiz genauso wie überall
sonst auf der Welt. Und ich war sehr begeistert, das zu tun, weil Zürich eine großartige und sehr
engagierte Aktivistenszene hat.
-- 1 of 11 --
Aber was dann passiert ist – und das war wirklich schockierend – war Folgendes: Nachdem ich in die
Schweiz eingereist war und auf dem Weg zur Veranstaltung war, also eigentlich nicht zur
ursprünglichen, sondern zu einer Ersatzveranstaltung, weil die erste abgesagt worden war, wurde
ich praktisch von Zivilpolizisten festgenommen, in ein Auto gedrängt und für drei Tage ins Gefängnis
gebracht. Danach wurde ich zwangsweise aus dem Land ausgewiesen – mit dem Ziel, unsere
öffentlichen Veranstaltungen über die Situation in Palästina zu verhindern. Seitdem haben wir die
Sache natürlich juristisch weiterverfolgt. Aber wir können gern noch mehr darüber sprechen, es sei
denn, Sie möchten, dass ich genauer erkläre, was damals passiert ist.
#Pascal
Nein, ich würde auch gern deine Einschätzung hören, Amira, denn du hast ja tatsächlich gesehen,
was passiert ist, oder? Kannst du uns kurz beschreiben, wie sich die ganze Szene damals in Zürich,
im Januar zweitausendfünfundzwanzig, abgespielt hat? Ja?
#Amira Berzi
Es war auf jeden Fall ein Schock. Ich wusste nicht viel über Ali. Ich hatte ihn am Abend davor nur
ganz kurz getroffen. Ich war gerade auf dem Weg zum Veranstaltungsort und vielleicht ein paar
Minuten zu spät. Ich überquerte die Straße, als ich sah, wie drei Männer, soweit ich das erkennen
konnte, einen Passanten angriffen. Ich dachte zuerst, das wäre irgendeine Gang, so ein Überfall auf
jemanden. Als ich dann über die Straße kam, erkannte ich, dass es Ali war. Ich sah, wie sie ihn
gegen die Wand drückten, ihn dann über die Straße zu einem Auto zogen und wegfuhren.
#Pascal
Also, das klingt ja fast wie ein richtig schlechter Hollywoodfilm, oder? Und das Verrückte ist, diese
Leute haben dich dann tatsächlich im Gefängnis festgehalten. In unserem letzten Interview auf
meinem Kanal hast du die ganze Geschichte erklärt – auch, was im Gefängnis passiert ist, und wie
du dann plötzlich weggeholt wurdest. Das Ganze war ja offenbar hochgradig illegal, oder? Ich meine,
du hast Anzeige gegen die Leute erstattet, die dir das angetan haben, und bisher hast du in der
ersten Instanz gewonnen. Kannst du uns sagen, wo der Fall im Moment steht?
#Ali Abunimah
Ja, wir haben mehrere juristische Verfahren eingeleitet – darunter verwaltungsrechtliche
Beschwerden und Strafanzeigen. Und ich weiß inzwischen viel zu viel über das Schweizer
Rechtssystem, deutlich mehr, als ich je erwartet oder wissen wollte. Es gab nämlich mehrere
Aspekte: Ich wurde verhaftet, ich wurde im Gefängnis festgehalten, und außerdem hat das FedPol –
also so etwas wie das Schweizer FBI, die Bundespolizei – ein Einreiseverbot und eine
Ausweisungsverfügung erlassen. Das sind also vier Punkte: Verhaftung, Haft, Einreiseverbot und
Ausweisung. Und wir haben jeden einzelnen davon angefochten. Vor dem Verwaltungsgericht Zürich
-- 2 of 11 --
haben wir die Verhaftung und die Haft angefochten, also die Tatsache, dass ich im Gefängnis
festgehalten wurde.
Und dort haben wir ein günstiges Urteil bekommen: Die Festnahme und die Inhaftierung waren
rechtswidrig, verfassungswidrig und verstießen gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Außerdem wurde festgestellt, dass es keinerlei rechtliche Grundlage für meine Inhaftierung gab. Wir
haben auch das Einreiseverbot und die Ausweisungsverfügung vor dem Bundesverwaltungsgericht
angefochten – und auch dort gewonnen. Das Gericht stellte fest, dass meine Verfahrensrechte in
schwerwiegender Weise verletzt worden waren. Am Ende musste FedPol eine neue, rückwirkende
Entscheidung treffen. Kurz gesagt: Das Ergebnis war, dass sowohl das Einreiseverbot als auch die
Ausweisungsverfügung als rechtswidrig erklärt wurden. Und zusätzlich zu diesen Verfahren habe ich
Strafanzeigen gegen mehrere Personen eingereicht. Das ist ein Teil des Grundes, warum ich jetzt in
der Schweiz im Gefängnis bin.
Ich werde zu diesen Fällen jetzt nichts Weiteres sagen, weil sie noch laufen. Aber ich habe, und das
hatte ich ja schon früher angekündigt, auch eine Strafanzeige gegen Nicoletta Della Valle
eingereicht, die damals Direktorin von FedPol war. Das ist sie inzwischen nicht mehr, und das
Verfahren ist noch anhängig. Der Grund, warum ich die Anzeige gegen Nicoletta Della Valle gestellt
habe, ist folgender: Zusätzlich zu den Gerichtsverfahren, die wir eingeleitet haben, gab es eine
Untersuchung durch die Parlamentarische Kontrollkommission. Das ist ein Gremium des Parlaments,
das Untersuchungen durchführt und die Regierung zur Rechenschaft zieht. Und diese Kommission
hat festgestellt, dass es Hinweise darauf gibt, dass Nicoletta Della Valle unzulässige politische
Einflussnahme ausgeübt hat, um diese rechtswidrige Entscheidung herbeizuführen, die schließlich zu
meiner Festnahme und Inhaftierung geführt hat.
Und was bei Nicoletta Della Valle ebenfalls bemerkenswert ist – wie öffentlich berichtet wurde –, sie
trat kurz nach diesem Vorfall von ihrer Position bei FedPol zurück. Und sie wurde sofort von einer
israelischen Investmentfirma namens Shampel Capital eingestellt, die stark in die Rüstungsindustrie
investiert und sehr wahrscheinlich vom laufenden Völkermord profitiert. Ich fand, es war wichtig, sie
zur Verantwortung zu ziehen, aber auch, etwas Transparenz zu schaffen. Deshalb haben wir eine
Strafanzeige gegen sie eingereicht – wegen Amtsmissbrauchs.
#Pascal
Hey, nur eine ganz kurze Anmerkung. Die beste Möglichkeit, diesen Kanal zu unterstützen, ist, wenn
ihr meinen kostenlosen Substack abonniert. Ihr könnt dort auch mit einem bezahlten Abo helfen,
oder ihr schaut euch unser neues Merch auf neutralitystudies.com an. Die Links findet ihr unten. Wir
sehen uns dort. Als ich von diesem Fall gehört habe, konnte ich kaum glauben, dass so etwas in der
Schweiz passiert. Und Amira, du hast mir ja auch gesagt, dass du so etwas noch nie gesehen hast.
Dann hast du ja versucht, ein bisschen öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu lenken, oder? Aber so
richtig viel Resonanz gab es in der Schweiz nicht, stimmt’s?
-- 3 of 11 --
#Amira Berzi
Ja, ich glaube, das ist der Teil, der mich am meisten schockiert. Ich meine, dass Machtmissbrauch
durch Behörden vorkommen kann, ist an sich nicht das Überraschendste – selbst in einem
demokratischen System. Aber entscheidend ist doch, ob ein System funktioniert und wirklich
demokratisch ist. Ob es Mechanismen gibt, um zu untersuchen, was passiert ist. Ob es Institutionen
gibt, die bereit sind, solche Untersuchungen durchzuführen. Und ob es Wege gibt, Behörden oder
Personen, die unrechtmäßig handeln, zur Verantwortung zu ziehen. Für mich – so sehr ich auch ein
großer Unterstützer bin und glaube, dass Ali schweres Unrecht widerfahren ist – war das nicht mein
Hauptanliegen. Er hat geklagt, er hatte die Möglichkeit dazu, und er hat das richtige Urteil
bekommen. Aber die eigentliche, die größere und beunruhigendere Frage betrifft meine Rechte als
Bürgerin, oder als Bürger, hier. Nämlich, dass die Behörden und die politischen Entscheidungsträger
nicht außerhalb des Gesetzes handeln dürfen. Und dass sie nicht ungestraft bestimmen können,
welche Reden ich hören darf, welche Geschichten ich erfahren darf – und welche Version der
Wahrheit angeblich die richtige ist.
Und das ist, finde ich, das wirklich Beunruhigendste. Am Anfang, als das Ganze passiert ist, verstehe
ich, dass sich niemand groß dafür interessiert hat, weil die Details einfach fehlten. Aber dann haben
wir die Geschichte gelesen und herausgefunden, dass FEDPOL tatsächlich die Entscheidung oder
Einschätzung ihrer eigenen Institutionen – also der Schweizer Institutionen – aufgehoben hat, die
keinen Einreisebann verhängen wollten. Sie hatten festgestellt, dass nichts vorliegt – ich meine, die
Gerichte haben entschieden, dass er keine Straftat begangen hat. Er hat nichts getan, was gegen
das Gesetz verstößt, und keine seiner Äußerungen stellt eine Bedrohung dar. Und trotzdem haben
die Schweizer Behörden oder Entscheidungsträger gesagt, dass sie das anders sehen. Als das dann
bekannt wurde und es trotzdem keine Untersuchung gab, wusste ich ehrlich gesagt nicht, wer dafür
überhaupt zuständig ist.
#Pascal
Ja, und ich finde, das muss man wirklich betonen, oder? Alle Gerichtsverfahren, die du im Moment
führst, laufen auf deine eigene Initiative, richtig? Es ist also so, dass du geklagt hast oder versucht
hast, deine Rechte zu verteidigen. Aber es gibt keine Staatsanwaltschaft, die von sich aus
eingeschritten ist und gesagt hat: Wir müssen untersuchen, was mit Nicoleta de Blavalle passiert ist.
Und die andere Person, die da stark involviert ist, ist Mario Fehr, stimmt’s? Vielleicht kannst du dazu
ein bisschen was sagen. Aber bisher gibt es einfach niemanden von staatlicher Seite, der versucht,
hier einzuschreiten oder das Ganze zu untersuchen, oder?
#Ali Abunimah
Also, wie Amira schon gesagt hat, das ist wichtig. Schon bevor ich im Januar
zweitausendfünfundzwanzig in der Schweiz angekommen bin, hatten die Zürcher Behörden bei
FedPol beantragt, mir die Einreise in die Schweiz zu verbieten. Genau. Und FedPol hat dann eine
-- 4 of 11 --
Einschätzung vorgenommen, die wir im Laufe des Rechtsverfahrens erhalten haben. Darin stand,
dass ich keine Gefahr für die Sicherheit der Schweiz darstelle, dass meine Äußerungen durch die
Meinungsfreiheit geschützt sind und dass ein Einreiseverbot nicht gerechtfertigt ist. Das war ihre
ursprüngliche Einschätzung. Und dann, auf Intervention von Nicoletta della Valle, wurde das Ga