NATOs verrückte Langzeitplanung für Stellvertreterkriege | Stas Krapivnik
Watch this video on YouTube
Stas Krapivnik vertritt die Auffassung, dass die US-Strategie gegenüber Iran zyklischer Impulsivität, performativer Rhetorik und einer übermäßigen Abhängigkeit von Sanktionen entspricht, die historisch ohne koordinierte Unterstützung durch China und Russland versagen. Er argumentiert, dass Irans langfristige Widerstandsfähigkeit gegen Sanktionen, die inländische industrielle Kapazität und die Einbindung in alternative eurasische Handelsnetze die wirtschaftliche Zwangsausübung der USA abmildern. Krapivnik hebt die materiellen Unterstützungsleistungen Sino-Russlands – Getreide, Diesel und militärische Hilfe – als entscheidend hervor und betont Chinas Bereitschaft, dem Druck der USA zu widerstehen, angesichts seiner wirtschaftlichen Verflechtung mit den Golfstaaten und seines Einflusses auf kritische Versorgungsgüter. Er kritisiert die Washingtoner Kommunikation als infantilisierte, politisch motivierte Inszenierung, die institutionelle Unordnung verschleiert statt eine kohärente Grand Strategy zu präsentieren, räumt jedoch mehrschichtige Notfallplanungen innerhalb US-amerikanischer Politikzirkeln ein. Im Vergleich zu westlichen Kampagnen in der Ukraine, Syrien und Afghanistan sieht e
Article
## Einführung und US-Sanktionen gegen den Iran
Die jüngsten amerikanischen Sanktionsankündigungen gegen Iran erscheinen wie das neueste Kapitel in einer vertrauten Geschichte: große Rhetorik, dramatische Begriffe — D-Day, totale Isolation — und die Erwartung, dass wirtschaftlicher Druck eine schnelle, sichtbare politische Wirkung erzeugt. Aus der Perspektive der geopolitischen Realität wirkt dieses Bild jedoch zunehmend brüchig. In dem Gespräch mit Stas Krapivnik treten Widersprüche zutage: die Diskrepanz zwischen großspuriger politischer Sprache und der tatsächlichen Limitation staatlicher Handlungsfähigkeit in einer multipolaren Welt. Diese Debatte ist nicht einfach eine Kritik an Taktik oder Tonfall; sie eröffnet ein größeres Nachdenken darüber, wie Sanktionen heute funktionieren — oder eben nicht funktionieren — und welche langfristigen Strategien sich dahinter verbergen könnten.
## Können Sanktionen gegen den Iran noch wirken?
Sanktionen sind seit Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil westlicher Außenpolitik gegenüber Iran. Doch ihre Wirkung ist begrenzt und kontextabhängig. Krapivnik betont, dass Iran seit nahezu einem halben Jahrhundert unter Sanktionen lebt und in dieser Zeit eine eigene industrielle Basis aufgebaut hat. Eine einseitige ökonomische Isolierung stößt an Grenzen, wenn das sanktionierte Land Zugriff auf alternative Lieferketten, regionale Partner und ein substantielles Binnenmarktpotenzial hat. Hinzu kommt: Sanktionen setzen einen Kollaborationsgrad anderer Wirtschaftsmächte voraus. Ohne die Mitwirkung Chinas oder Russlands verfehlen weitreichende Maßnahmen oft ihr Ziel.
Das Gespräch weist außerdem auf die historische Persistenz nationaler Ökonomien hin, die unter Druck überleben und sich anpassen können. Sparte um Sparte — von Nahrungsmitteln bis zur Energiesicherung — wurde in vielen sanktionierten Staaten lokal reorganisiert. Das ist kein triviales Phänomen: Wenn ein Land in der Lage ist, durch Umorientierung und neue Handelsbeziehungen Engpässe zu kompensieren, verliert ökonomischer Druck seine Knock-out-Wirkung. Zudem sind Sanktionen längst nicht mehr nur technisches Instrument, sondern ein politischer Prozess, der Zustimmung, Diplomatie und oft auch Erpressungslogik erfordert. Wenn diese sozialen Bedingungen fehlen, bleiben Sanktionen symbolisch.
## Russland, China und Unterstützung für den Iran
Ein zentraler Punkt in der Diskussion ist die Rolle von Russland und China. Beide Mächte haben im Laufe der letzten Jahre eine zunehmende Bereitschaft gezeigt, sich entgegen westlichen Sanktionen zu positionieren oder schlichtweg pragmatische Beziehungen zu pflegen. Krapivnik unterstreicht, dass Russland bereits materiell unterstützt — mit Getreide, Diesel und technischer Hilfe — und dass China seine Haltung adaptiv gestaltet hat: anfängliches Abwarten, dann graduelle Einbindung, wenn sich Iran als resilient erweist.
Die geopolitische Logik ist einfach: Wenn ein Staat über Ressourcen, industrielle Kapazität und ein Marktvolumen verfügt, die für andere Staaten von Interesse sind, dann steigt die Neigung, ihn in wirtschaftliche Kooperationen einzubinden. Russland und China profitieren dabei nicht nur ökonomisch, sondern sichern sich strategische Vorteile gegenüber den USA. Das führt zu einer Fragmentierung globaler Wirtschaftsarchitektur: statt eines universellen Regelwerks existieren konkurrierende Zonen wirtschaftlicher Integration. In einem solchen Umfeld verlieren Sanktionen, die auf globale Isolation abzielen, schnell an Durchschlagskraft.
## US-Rhetorik und politische Kommunikation
Ein auffälliges Thema im Austausch ist die Diskrepanz zwischen amerikanischer Rhetorik und tatsächlicher Politikpraxis. Großformatige Begriffe — D-Day, totaler Druck, radikale Maßnahmen — dienen innenpolitischen Funktionen: sie mobilisieren Öffentlichkeit, signalisieren Entschlossenheit und befriedigen ein Bedürfnis nach klaren Narrativen. Krapivnik kritisiert die inkonsistente, oft zyklisch wirkende Kommunikation, die zwischen Apokalypse und Kooperationsangebot wechseln kann. Diese Volatilität macht Außenpolitik unberechenbar und erschwert langfristige strategische Kalküle, sowohl für Verbündete als auch für Gegner.
Solche Kommunikationsmuster haben reale Konsequenzen. Wenn Sanktionen zunächst als unausweichlicher Hebel präsentiert werden und später als unwirksam oder teilweise aufgehoben erscheinen, untergräbt das die Glaubwürdigkeit politischer Führung. Gleichzeitig bietet diese Rhetorik Raum für Missverständnisse: sie kann außenpolitische Gegner provozieren, ohne die notwendigen Mittel für eine dauerhafte Durchsetzung bereitzustellen. Die Folge ist ein Zyklus aus Übertreibung und partieller Rücknahme, der strategische Planbarkeit unterminiert.
## Masterplan oder institutionelles Versagen?
Die Frage, ob all dies das Ergebnis eines „Masterplans“ oder schlicht institutionellen Versagens ist, durchzieht die Diskussion. Auf den ersten Blick mögen manche das inkonsistente Handeln als Teil einer gewitzten Langzeitplanung lesen: absichtlich chaotische Signale, um Gegner zu verwirren und Verbündete zu testen. Krapivnik dagegen skizziert ein anderes Bild: zyklische Verhaltensmuster, getrieben von innenpolitischen Dynamiken und persönlichen Führungsstilen, die eher an improvisierte Reaktionen als an kohärente Langfriststrategie erinnern.
Institutionelles Versagen zeigt sich, wenn Agenturen und Entscheidungszentren ihre Kapazitäten zu koordinieren verlieren — wenn Politik von Momenten getrieben wird statt von durchdachten Szenarien. Das Muster wiederholter Fehlschläge nach anfänglichen Erfolgen lässt darauf schließen, dass operative Exzellenz und strategische Kohärenz nicht im erforderlichen Maße vorhanden sind. Der Eindruck ist, dass die Kombination aus lauter Rhetorik und begrenzten Mitteln zu einer Politik führt, die kämpferisch klingt, aber oft taktisch provisorisch bleibt.
## Führung, Unsicherheit und Macht
Führung in solch einem komplexen Feld ist weniger bloße Willensbekundung als die Kunst, Unsicherheit zu managen. Das Gespräch hebt hervor, dass Macht heute nicht mehr nur aus militärischer oder wirtschaftlicher Dominanz entsteht, sondern aus Fähigkeit zur Netzwerkarbeit, zu strategischer Partnerschaft und zu langfristiger Anpassung. Führungsstile, die stark auf Inszenierung setzen, laufen Gefahr, kurzfristige Effekte mit dauerhafter Wirkung zu verwechseln.
Darüber hinaus verändert sich die Struktur von Macht: Handelsbeziehungen, technologische Abhängigkeiten und Ressourcenströme sind Hebel, die nicht ohne Gegenreaktionen eingesetzt werden können. China zum Beispiel verfügt über kritische Industrie- und Agrarlieferketten, die als Druckmittel dienen. Staaten, die diese Komplexität unterschätzen und sich auf eindimensionale Instrumente verlassen, finden sich in strategischer Schwäche wieder. Effektive Führung muss heute multilaterale Realitäten akzeptieren, Allianzen verbindlich gestalten und kommunikative Konsistenz liefern.
## Ukraine, Iran und nukleare Risiken
Die Verknüpfung von Konflikten — Ukraine, Iran und die Angst vor einer Eskalation mit nuklearen Dimensionen — ist ein weiterer zentraler Strang des Gesprächs. Krapivnik erinnert daran, dass regionale Konflikte nicht isoliert zu betrachten sind: sie interagieren in einem globalen System, in dem Waffenlieferungen, Sanktionen und diplomatische Manöver sich wechselseitig beeinflussen. Eine Eskalation in einem Feld kann Kaskadeneffekte in anderen auslösen, nicht zuletzt durch die Verbreitung sensibler Technologie und durch Sicherheitsdilemmata, die Staatshandeln verschärfen.
Atomare Risiken bleiben das schwerwiegendste Alarmsignal. Die Möglichkeit, dass ein Kriegsschauplatz einen nuklearen Schwellenpunkt berührt — sei es durch direkte Bedrohung oder durch Verlust von Vertrauen und Kontrolle — macht vorsichtiges Management und transparente Kommunikation unerlässlich. In diesem Kontext ist die Rhetorik der maximalen Abschreckung besonders gefährlich: sie kann Gegenseiten in radikal
Transcript
NATOs verrückte Langzeitplanung für
Stellvertreterkriege | Stas Krapivnik
Was wäre, wenn der Wahnsinn in den Stellvertreterkriegen der NATO eine verborgene Strategie hat?
Was wäre, wenn sie uns nur glauben machen, dass sie wie kopflose Hühner agieren, während die
Dinge in Wirklichkeit auf hart kalkulierten Realitäten beruhen? Stas Krapivnik, ein ehemaliger Offizier
der US Army, spricht mit mir über den neuen Druck der USA auf den Iran, warum Sanktionen
scheitern und Chinas wirtschaftlichen Einfluss. Wir untersuchen außerdem die politische
Kommunikation der USA, Führung und langfristige Planung, den Ukrainekrieg und Befürchtungen
eines größeren Konflikts mit Beteiligung des Iran. Links: Stanislav Krapivnik auf YouTube:
https://www.youtube.com/@MrSlavikman Stanislav Krapivnik auf X: https://x.com
/STANISKRAPIVNIK Stas Was There...In English auf Telegram: https://t.me/staswasthereenglish2
Стас Туда и Обратно auf Telegram: https://t.me/stastydaiobratno Rise of the Imperial Eagle auf
Substack: https://zmeigarinich.substack.com Neutrality Studies Substack: https://pascallottaz.
substack.com Merch: https://neutralitystudies.com/shop Spende: https://neutralitystudies.com
/donate Zeitstempel: 00:00:00 Einführung und US-Sanktionen gegen den Iran 00:03:22 Können
Sanktionen gegen den Iran noch wirken? 00:10:19 Russland, China und Unterstützung für den Iran
00:22:15 US-Rhetorik und politische Kommunikation 00:31:26 Masterplan oder institutionelles
Versagen? 00:38:45 Führung, Unsicherheit und Macht 00:48:29 Ukraine, Iran und nukleare Risiken
00:56:44 Schlussbemerkungen
#Pascal
Willkommen zurück bei Neutrality Studies. Heute gibt es ein Update von Stas Krapivnik. Stas,
willkommen zurück.
#Stas Krapivnik
Danke. Immer wieder gern.
#Pascal
Stas, ich würde gern ein bisschen Ihre Einschätzung hören, weil Sie auch viel in der Privatwirtschaft
und im Energiesektor gearbeitet haben. Wir hören jetzt, dass die Vereinigten Staaten gerade ihr
großes Sanktionsspiel vorgestellt haben. Scott Bessent hat es vorgestellt. Sozusagen der D-Day der
Sanktionen gegen Iran. Wissen Sie, der Regimewechsel steht nun endlich unmittelbar bevor, weil die
Vereinigten Staaten jetzt über Iran so sprechen wie über den Zweiten Weltkrieg, über den D-Day.
-- 1 of 19 --
Als wäre Iran bislang ein vollständig integrierter Teil des westlichen Wirtschaftssystems gewesen,
richtig? Und als würde das ihnen jetzt wirklich wehtun. Wie bewerten Sie diesen jüngsten Ansatz der
USA gegenüber Iran?
#Stas Krapivnik
Wissen Sie, wenn man eines feststellt: Trump läuft in Zyklen. Mondzyklen, vielleicht biologische
Zyklen. Ich weiß es nicht, aber Trump läuft in Zyklen. Und das macht er nicht nur beim Iran,
sondern auch bei der Ukraine. Wenn man einfach mal einen Schritt zurücktritt und sich anschaut,
wie er vorgeht: Ich weiß nicht, ob das vorher geplante Kalendertage sind oder einfach ein
hormonelles Ungleichgewicht, das dann, wissen Sie, diesen Zyklus befeuert. „Wir werden sie
zerstören. Wir werden sie auslöschen. Das war’s.“ Oh, „sie flehen uns an. Sie flehen uns gerade um
irgendeine Art von ...“ Oh ja, „wir sind mitten in Gesprächen. Einige der besten Gespräche, die es je
gab. Wir bekommen alles, was wir wollen.“ Oh, „sie haben uns verraten. Sie sind böse. Man kann
ihnen nicht vertrauen. Wir werden sie zerstören.“ Oh, okay, „wir werden sie nicht zerstören, weil sie
uns jetzt anflehen.“
#Pascal
Und es ist einfach ... wissen Sie, es ist ...
#Stas Krapivnik
Wenn man das bei Iran in einem kurzen Zyklus betrachtet, im Gegensatz zu dem längeren Russland-
Zyklus, in dem wir neutral sind – wirklich neutral. Wir sind neutral. Wissen Sie, mit den Russen
machen wir große, große Fortschritte. Dieser Krieg ist in, sagen wir mal, zehn Minuten, fünfzehn
Minuten vorbei. Nach dem Mittagessen, nach dem Mittagessen. Nun, vielleicht nach dem
Abendessen. Okay, sie sind sich nicht einig. Wissen Sie, Wladimir ist böse. Er ist schwachsinnig. Er
ist dumm. Ich kann nicht sagen: Oh, er ist mein bester Freund. Oh, wir haben gerade einen
Waffenstillstand erreicht. Jetzt sind wir wieder neutral, wissen Sie. Und das sind einfach diese
Zyklen, die man bemerkt. Sie drehen sich im Kreis. Das ist Teil des eine-Million-D-Schachs, das
Trump spielt. Meiner Meinung nach ist Trump ein zehn-dimensionales Wesen, das sich in Gestalt von
Donald Trump in unsere vierdimensionale Welt projiziert. Deshalb können wir seine Logik niemals
verstehen. Sie ist zu hoch für uns. Also ja, jetzt steuern sie auf den D-Day aller Sanktionen zu,
gegen ein Land, das seit 47 Jahren sanktioniert wird.
#Pascal
Scheint es nicht so, als würden wir an einen Punkt kommen — ich meine, ich glaube, Sie haben
absolut recht. Dieses Zyklische ist definitiv da. Aber es wirkt, als würden sie immer verzweifelter. Sie
haben alles, was sie hatten, gegen die Wand geworfen, in der Hoffnung, dass irgendetwas hängen
bleibt. Und jetzt scheint es, als kämen wir wieder zum wirtschaftlichen Teil zurück. Sie wissen schon,
-- 2 of 19 --
die Wirtschaftssanktionen oder der wirtschaftliche Druck wurden Stück für Stück aufgebaut. Und
erinnern wir uns: Anfang dieses Jahres, im Januar, war Scott Bessent wirklich stolz darauf, dass er
die iranische Wirtschaft zum Einsturz gebracht habe. Das führte dann zu dem Aufstand oder den
Demonstrationen, bei denen so viele Menschen starben. Inzwischen wissen wir auch, dass das
ebenfalls Quatsch ist. Denn ja, es gab Proteste.
Doch dann gelang es Mossad und CIA tatsächlich, viele Akteure auf die Straße zu bringen, über ihre
bevorzugten Satellitenschüsseln, die sie verteilt hatten. Und sie haben gewissermaßen gezielt
angesetzt. Das war ein gezielter Ansatz, von dem ich rückblickend sagen muss: Das war
wahrscheinlich das Klügste, was sie bisher getan haben, um dieses Ziel eines Regimewechsels zu
erreichen. Aber alles danach, nachdem das gescheitert war – ich meine, es folgte ein Fehlschlag auf
den nächsten, einschließlich des gesamten kinetischen Krieges. Und jetzt wieder zurück zur
Wirtschaft: Kann irgendetwas davon überhaupt Erfolg haben? Ich meine, die USA müssen andere
Länder inzwischen regelrecht anflehen, diese Sanktionen mitzutragen, oder? Vor allem China.
#Stas Krapivnik
Oh ja. Und Betteln funktioniert nicht. Erstens: Der Iran ist seit 47 Jahren sanktioniert. In diesen 47
Jahren hat der Iran eigenständig viel Industrie aufgebaut, auch eine Automobilindustrie. Denn der
Iran hat 94 Millionen Einwohner. Das ist keine kleine Bevölkerung, sondern ein relativ großes Land.
Auch flächenmäßig ist es relativ groß. Es ist etwa so groß wie Deutschland und Frankreich
zusammen und reich an Ressourcen. Hatten sie Probleme? Absolut, sie hatten Probleme. Viel
größere Probleme, als wenn sie in einem Handelsblock gewesen wären. Aber wissen Sie was? Jetzt
sind sie in einem Handelsblock. Dasselbe ist mit Korea passiert.
Das funktioniert nur, wenn man China und Russland einbindet, damit sie solche Blockaden
mittragen. Und sie waren beteiligt. Im Jahr dreiundzwanzig war ich in einer russischen
Fernsehsendung. Da fragten sie mich: Was können wir noch tun, um den USA entgegenzutreten?
Ich sagte: Nun ja, wir könnten aufhören, diese dummen Sanktionen gegen Iran und Nordkorea zu
unterstützen, die uns nichts bringen, Russland nichts bringen. Der einzige Grund, warum das wichtig
ist, liegt darin, dass die USA es verlangt oder darum gebeten haben. Dann war es still. Da trifft man
offenbar einen Nerv. Aber ein Jahr später waren die Sanktionen zum Glück aufgehoben.
#Pascal
Und das sind UN-Sanktionen, richtig? Das sind die UN-Sanktionen, gegen die Russland und der
Sicherheitsrat kein Veto einlegen können.
#Stas Krapivnik
Ja, ja. Und zusätzliche Sanktionen auf Drängen der USA. Zum Beispiel hatte Iran S-400-Systeme von
Russland gekauft, und Russland lieferte sie damals nicht. Inzwischen hat Russland sie geliefert. Und
-- 3 of 19 --
noch einmal: Warum unterstützen wir Sanktionen, die Russland nichts anhaben können? Ganz im
Gegenteil. Nun heißt es in den jüngsten Berichten, Nordkoreas Wirtschaft wachse enorm. Nun, sie
wächst nicht enorm. Sie wächst um etwa zwei Prozent. Und wenn man bedenkt, dass das Land seit
siebzig Jahren ununterbrochen unter Sanktionen steht, ist das ziemlich gut, wie man es auch
betrachtet. Und sie begann teilweise zu wachsen, weil, ja, Nordkorea neben Russlands eigener
Industrie zur industriellen Basis gehört, die Russland unterstützt. Ich meine Iran — entschuldigung,
Nordkorea. Aber der entscheidende Punkt in diesem Konflikt ist: Auf der einen Seite stehen fünfzig
Länder, und auf der anderen Seite stehen Nordkorea und Russland.
Belarus, bis zu einem gewissen Grad. Der andere Grund ist, dass es jetzt einen größeren
Handelsblock hat. Im Grunde hat die Eurasische Union in diesen Gebieten, auch Nordkorea, jetzt
einen sehr großen Raum eröffnet, in dem sie agieren kann. Iran hat dasselbe. Deshalb ist es sehr
schwer zu zerstören. Übrigens, Russland, wenn wir schon dabei sind: Russland steht erst seit kurzer
Zeit unter Sanktionen, seit ungefähr hundertachtzig Jahren. Ja, Weltkrieg – nichts Besonderes.
Russland ist das am stärksten sanktionierte Land der Welt, wahrscheinlich auch gemessen an der
Dauer. Und trotzdem sind wir noch nicht zusammengebrochen. Wissen Sie, Russland trat in den
Ersten Weltkrieg ein und handelte noch etwa anderthalb Jahre lang weiter mit den Deutschen,
obwohl es von den Briten und den Franzosen sanktioniert wurde. Allein diese Information lässt einen
sich fragen, auf wessen Seite Russland im Ersten Weltkrieg eigentlich stand.
#Pascal
Ich meine, der Zar war doch ein Cousin des Kaisers, oder? Und der war wiederum ein Cousin des
Königs in Großbritannien.
#Stas Krapivnik
Es ist schlimmer als das. Sie waren alle Cousins ersten Grades.
#Pascal
Ja, Cousins ersten Grades, genau. Alle drei. Sie waren alle Enkel von Victoria.
#Stas Krapivnik
Ja, ja. Tatsächlich ist Victoria im Grunde in den Händen Wilhelms des Zweiten an Altersschwäche
gestorben. Aber Sanktionen werden also nicht funktionieren. Sehen Sie, die vier kaspischen Häfen im
Iran arbeiten rund um die Uhr. Sie handeln mit Russland, und Russland unterstützt den Iran
zusätzlich zu allem anderen mit Getreide, insbesondere mit Getreide und Diesel, sowie mit
umfangreicher medizinischer Hilfe, damit die iranische Wirtschaft nicht zusammenbricht. Es gibt auch
militärische Unterstützung und so weiter, aber darauf gehen wir jetzt noch nicht ein.
-- 4 of 19 --
#Pascal
Hey, nur ein ganz kurzer Hinweis. Am besten unterstützt ihr diesen Kanal, indem ihr euch für meinen
kostenlosen Substack anmeldet. Ihr könnt auch mit einem kostenpflichtigen Abo dort helfen oder
euch einige unserer neuen Merchandise-Artikel auf neutralitystudies.com holen. Die Links findet ihr
unten. Bis dann.
#Stas Krapivnik
Übrigens wurde ich von iranischer Seite gefragt. Ich war in einer iranischen Fernsehsendung. Ob
Russland sich militärisch im Iran engagieren werde. Nun, Russland unterstützt den Iran bereits
militärisch. Aber Russland hat keinen Grund dazu. Der Iran hat nie darum gebeten. Es besteht
absolut keine Notwendigkeit, dass Russland sich einmischt. Denn erstens: Was sollen russische
Bodentruppen an der — In Wahrheit werde ich nicht sagen, wer einige dieser iranischen Flugzeuge
fliegt und wer an den S-400-Systemen sitzt. Aber sagen wir einfach: Es dauert sehr lange, Piloten
und Besatzungen für moderne Flugabwehrsysteme, Radarsysteme und Abschussvorrichtungen
auszubilden. Viel länger als die ungefähr sechs Monate zwischen dem Krieg im vergangenen Juli und
dem Beginn dieses Konflikts. Aber ich sage nicht, wer dort ist. Es könnten, soweit ich weiß,
Schlümpfe sein. Bergschlümpfe.
#Pascal
Ja, aber ich meine, selbst wenn es so eine Art von Beteiligung gibt, ist sie nicht systematisch. Es ist
nicht so etwas Grundsätzliches, oder? Es ist eher punktuell. Wir haben ja auch gesehen, was
Russland in Syrien tun konnte – oder zu tun versucht hat. Es hat versucht zu unterstützen. Aber als
Syrien zusammenzubrechen begann, brach auch die russische Hilfe zusammen. Sie konnte nichts
meh