Larry C. Johnson behauptet, dass es keine kohärente Gesamtstrategie hinter der US‑israelischen Kampagne gegen Iran gebe; stattdessen sei die Politik pfadabhängig, reaktiv und von politischem Theater sowie Marktmanipulation getrieben. Er argumentiert, dass Trumps öffentlich conciliatorische Signale oft zeitlich so gesetzt werden, dass sie Märkte beeinflussen, während die militärische Haltung — amphibische Mittel und Truppenaufstockungen — einen Druck erzeugt, diese einzusetzen, trotz fehlender klarer militärischer Zielsetzungen. Johnson beurteilt den Iran als strategisch im Vorteil: Seine „Mosaik“-Luftverteidigungs‑ und Anti‑Access‑Fähigkeiten haben das Lagebewusstsein der USA verschlechtert und anhaltende Angriffe auf Israel und Ziele im Golfraum ermöglicht, wodurch die Luftverteidigung der Koalition unterminiert wurde. Potenzielle amphibische Landnahmen oder Inselfassungen (Kharg, Qeshm) wären logistisch verwundbar, politisch teuer und kaum geeignet, strategische Ziele wie die Öffnung der Straße von Hormus zu sichern. Johnson warnt, dass eine fortgesetzte Eskalation schwere Verluste, globale wirtschaftliche Auswirkungen und wachsenden internationalen Widerstand, insbesondere aus d
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## Strategielosigkeit und Pfadabhängigkeit: Die Illusion großer Pläne
Die eindringlichste Botschaft aus der Diskussion ist schlicht: Es gibt keine straffe, kohärente Großstrategie — nur eine Abfolge schlechter Entscheidungen, die sich wechselseitig bedingen. Diese Beschreibung entspricht dem Begriff der Pfadabhängigkeit: Einmal eingeschlagene Politiken zwingen zu weiteren Schritten, weil die getroffenen Voraussetzungen und Investitionen andere Optionen blockieren. Das Video und die Darstellung von Larry C. Johnson malen ein Bild von Politik als improvisierter Reaktion auf die eigenen Verfehlungen, nicht als Ausdruck eines durchdachten Masterplans. Wer dieses Muster erkannt hat, versteht auch, warum militärische Eskalation nicht zwingend ein Ausdruck strategischer Absicht ist, sondern oft die Folge logistischer und politischer Momentumkräfte.
Johnson macht deutlich, dass die Entscheidungsträger in Washington — unabhängig von Rhetorik oder Imagepflege — in eine Situation hineingesteuert haben, in der der Aufbau von Truppen selbst Handlungszwang erzeugt. Ein einmal gestarteter Verlegungsprozess steigert die Kosten des Zurückziehens: materiell, politisch und reputationsbezogen. So wird aus dem Aufbau von amphibischen Kräften nicht nur eine Option, sondern nahezu eine Verpflichtung, diese auch einzusetzen — selbst wenn das Ergebnis militärisch und politisch fragwürdig ist.
## Marktmanipulation und öffentliche Inszenierung
Ein weiteres zentrales Argument lautet, dass die öffentliche Kommunikation bewusst instrumentalisiert wird, um Märkte zu beeinflussen. Johnson weist auf ein Muster hin: Vor Börsenöffnungen platzierte Versprechen von diplomatischen Durchbrüchen lassen Kurse sprunghaft steigen. Solche taktischen Kommunikationsepisoden fungieren nicht nur als politische Narrative, sie haben auch handfeste ökonomische Wirkungen. Wenn Marktbewegungen folgen, profitieren Akteure auf beiden Seiten — politisch Verantwortliche sichern sich narrative Legitimation, finanzielle Profiteure realisieren Gewinne.
Die gezielte Verwendung von Hoffnungsschimmern – mal Verhandlungsoptimismus, mal Drohkulisse — ist demnach kein Zufall, sondern ein Instrument. Die Folge ist ein doppeltes Täuschungsproblem: Die Öffentlichkeit erhält ein Bild von Kontrolle und Lösungsfähigkeit, während gleichzeitig Marktinterventionen stattfinden. Politische Rhetorik wird so zum wirtschaftlichen Hebel. Dieser Mechanismus unterminiert Vertrauen und macht Politik manipulierbar durch kurzfristige Kursgewinne.
## Amphibische Option: Warum eine Invasion als unausweichlich dargestellt wird
Die Debatte über eine mögliche Bodeninvasion oder die Eroberung strategischer Inseln im Persischen Golf steht im Zentrum der Besorgnis. Johnson argumentiert, dass die Verlegung von Truppen und amphibischer Ausrüstung faktisch zu der Erwartung führt, diese Kräfte irgendwann einzusetzen. Damit verbunden ist die Vorstellung, dass eine solche Aktion dem Image von Handlungsfähigkeit dient — unabhängig von ihrem strategischen Nutzen.
Die Logik hinter einer Inseloperation wird in der Diskussion hinterfragt: In traditionellen amphibischen Operationen gibt es ein klares, nachprüfbares Ziel — etwa ein Flugfeld, das die weitere Operationsführung ermöglicht. Im aktuellen Szenario jedoch fehlt eine vergleichbare, eindeutig militärisch-strategische Zieldefinition. Weder die Besetzung einzelner Ölhäfen noch die vorübergehende Präsenz auf einer Insel garantieren eine dauerhafte Kontrolle der Straße von Hormus oder eine nachhaltige Schwächung iranischer Fähigkeiten. Vielmehr droht die US-Seite, Kräfte in exponierten, kaum verteidigbaren Stellungen zu binden — ein klassisches Beispiel für den Einsatz militärischer Mittel ohne proportionalen politischen Gewinn.
## Praktische und strategische Grenzen einer Inselbesetzung
Die Diskussion führt präzise jene praktischen Hürden zusammen, die eine amphibische Operation problematisch machen. Zentrale Punkte sind Aufklärung und Sensorik: Der Iran hat gezielt Radarsysteme ausgeschaltet, womit die US-Überwachung massiv beeinträchtigt wurde. Das Verschwinden von Beobachtungsfähigkeiten — etwa durch den Verlust von E-3 AWACS — reduziert die situative Transparenz und erhöht das Risiko für Landungsflotten und eingesetzte Kräfte.
Geographisch und logistisch betrachtet sind Inseln wie Kharg oder Qeschm schwer zu halten. Sie bieten dem Angreifer keinen klaren, dominierenden militärischen Vorteil, während sie dem Verteidiger zahlreiche asymmetrische Möglichkeiten eröffnen: Minen, Unterwasserdrohnen, Schnellboote, Raketen und die Nutzung natürlicher Geländeeigenschaften. Außerdem ist die zivile Bevölkerung ein Faktor, der nicht nur moralische, sondern auch operationelle Probleme schafft. Besetzungen erzeugen sofort humanitäre Verpflichtungen — Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung — die zu Nachschubabhängigkeiten führen und Einsatzkräfte in exponierte Logistiklinien pressen.
Johnson betont die Problematik, dass eine solche Operation eher Belastungen erzeugt als Vorteile: Versorgungsbedarf, Verwundbarkeit gegenüber präzisen iranischen Gegenangriffen und ein internationales Narrativ, das schnell die Rolle der USA als Besatzungsmacht aufzeigen würde. Kurz: Die Insel wäre kein Hebel zur Öffnung der Meerenge, sondern vielmehr ein Magnet für Gegenangriffe und eine Reputationsfalle.
## Versorgung, Moral und historische Parallelen
Die Analogie zu historischen Fehlschlägen illustriert das Bedrohungsszenario: Gallipoli wird als Warnung genannt — eine amphibische Operation, die strategisch schlecht vorbereitet war und hohe Verluste erzeugte. Johnson zeigt auf, wie fehlende Nachschublinien, unklare Missionsziele und unrealistische Erwartungen den Ausgang einer Operation bereits vorbestimmen können. In solchen Fällen wird der militärische Erfolg schnell zur Illusion; der politische Preis wächst mit jeder eingehenden Rakete und jedem gesunkenen Versorgungsschiff.
Auch die moralische Dimension ist zentral: Die Stationierung von Truppen auf dicht besiedelten Inseln ruft sofort humanitäre Dilemmata hervor. Das Halten oder Nutzen einer Bevölkerung als Hebel — etwa Druck durch Kontrolle von Versorgungskorridoren — wäre nicht nur völkerrechtlich heikel, sondern würde die US-Seite in das Narrativ eines Angreifers drängen. Das Risiko, durch eigene Handlungen als Aggressor wahrgenommen zu werden, schadet der politischen Legitimität und trägt zur Eskalation bei.
Zugleich leiden die Moral und das Selbstverständnis der Truppen unter Einsätzen ohne klares Ziel. Offizierskreise, so Johnson, seien zunehmend entmutigt: Professionelle militärische Führung verlangt klare Aufträge, nicht bloße Präsenz. Ohne Plan sinkt die Zuversicht innerhalb der Streitkräfte, was langfristig zu einer Schwächung der operativen Leistungsfähigkeit führen kann.
## Regionale und globale Konsequenzen: Märkte, Allianzen, Eskalationsdynamik
Abschließend lohnt sich der Blick auf die strategischen Nebenwirkungen einer solchen Politik. Marktmanipulation und dramaturgische Politik haben direkte wirtschaftliche Folgen — Ölpreise, Versicherungsprämien und Handelsrouten reagieren auf die Wahrnehmung von Risiko. Wenn Staaten bewusst Narrative nutzen, um Märkte zu beeinflussen, entsteht ein neues Geflecht aus politischer Profitlogik und geopolitischem Kalkül, das langfristig die Glaubwürdigkeit sägt.
Auf der Ebene der Allianzen erzeugt eine solche Politik Unsicherheit: Verbündete müssen einschätzen, ob die zugrundeliegende Strategie konsistent ist oder auf kurzfristigen innenpolitischen Imperativen beruht. Gleichzeitig beobachten Rivalen und neutrale Mächte jede militärische Verlegung — China und Russland werden ausspähen, analysieren und möglicherweise Informationen teilen. Die Eskalationsdynamik wird dadurch globalisiert; lokale Operationen können schnell zu einem Katalysator für größere Machtkonfrontationen werden.
Schließlich bleibt das völkerrechtliche und moralische Urteil der internationalen Öffentlichkeit. Eine Intervention, die als un
Transcript
USA spielt auf Zeit: Invasion, Märkte,
Kriegschaos | Johnson
Der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson ist sich ziemlich sicher: Es gibt keine „große Strategie“
oder „4D-Schach“. Der US-israelische Koalitionskrieg gegen den Iran ist einfach eine fortlaufende
Katastrophe (Akademiker würden es „pfadabhängig“ nennen), bei der eine schlechte Entscheidung
zur nächsten führt. Inzwischen ist eine Bodeninvasion mit US-Soldaten am Boden im Grunde
unvermeidlich, weil die Truppen bereits aufgebaut wurden – also muss man sie auch einsetzen. Aber
was können sie tun? Und was wird passieren, wenn der Iran sie dann vernichtet? Nun, schnallen Sie
sich an, denn das wird nicht schön. Dennoch schaffen es die edlen Männer und Frauen in
Washington, weiterhin die Märkte zu manipulieren und eine Menge Geld zu verdienen, während wir
auf den Abschluss des Truppenaufbaus warten. Was für eine Horrorshow. Unterstütze Larry:
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#Pascal
Willkommen zurück, alle zusammen. Hier ist Pascal Lottaz von Neutrality Studies. Es ist der 31. März
2026, und wir werden erneut von Larry C. Johnson begleitet. Larry, willkommen zurück.
#Larry C. Johnson
Hey, danke für die Einladung, Mann. Ich weiß das wirklich zu schätzen.
#Pascal
Vielen Dank, dass Sie sich wie immer am späten Abend Zeit nehmen. Für Sie ist es natürlich noch
der 30. März. Sagen Sie, das letzte Mal, als wir gesprochen haben, ist etwa zehn Tage her – wie
beurteilen Sie die vergangene Woche oder so des Iran-Kriegs, und insbesondere die sehr
unbeständigen Aufs und Abs, die aus dem Weißen Haus kommen?
#Larry C. Johnson
Ja, wenn man Donald Trump folgt – stell dir vor, du sitzt bei einem Wimbledon-Tennismatch –
bumm, bumm, bumm. Man müsste eine Halskrause tragen, um zuzusehen, wie Donald Trump
ständig seine Positionen wechselt. Er ist überall – von rechts nach links, rauf und runter. Das
Neueste... Erinnerst du dich, das letzte Mal, als wir gesprochen haben, Scott Besson, der
Finanzminister, und Trump hatten alle Ölsanktionen gegen den Iran aufgehoben. Warum? Ach, wir
müssen so viel Öl wie möglich auf den Markt bringen, den Preis niedrig halten. Und dann heute –
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oder gestern, ja, früh am Montagmorgen, Washingtoner Zeit – tritt Trump auf und redet darüber,
dass er Karg Island nicht beschlagnahmen und alle iranischen Ölfelder in die Luft jagen wird. Da
denke ich mir, hm, würde das nicht die Ölverfügbarkeit verringern, wenn all das iranische Öl vom
Markt genommen wird?
#Pascal
Also werde ich Trump fragen: Was denn nun?
#Larry C. Johnson
Mein bisheriges Lieblingsmeme zeigt Trump, wie er auf der Couch eines Psychiaters liegt, und der
Psychiater sitzt neben ihm und sagt: „Also, Herr Präsident, diese beiden Iraner, mit denen Sie
gesprochen haben – sind sie jetzt hier im Raum bei uns?“
#Pascal
Ich meine, die ganze Vorstellung, dass Trump tatsächlich Diplomatie mit dem Iran betreibt – dass sie
geheime Kanäle haben, einen 15-Punkte-Plan, einen 17-Punkte-Plan, und alles läuft gut, Pakistan
hilft, die Dinge beruhigen sich – ich meine, das ist doch alles wieder nur ein Täuschungsmanöver.
Oder vielleicht nicht einmal das; es ist einfach nur eine Inszenierung für die amerikanische
Öffentlichkeit, denke ich. Es ist inzwischen Theater, oder?
#Larry C. Johnson
Nun, es ist Theater, und es ist auch Marktmanipulation. Das ist bereits die zweite Woche in Folge, in
der Donald Trump früh am Morgen twittert: „Oh Mann, wir stehen kurz davor, ein Abkommen zu
haben. Der Frieden ist greifbar.“ Er hat da seinen Neville-Chamberlain-Moment – alles außer dem
weißen Papier in der Hand – und behauptet, er habe ein Abkommen. Und das geschieht etwa
anderthalb Stunden, bevor die Börse öffnet. Wenn der US-Markt öffnet – zack – steigt er um 600
Punkte. Ich garantiere Ihnen, irgendjemand aus Trumps Umfeld verdient damit eine Menge Geld.
Trump betreibt also gezielte Marktmanipulation, denn das, was er sagt, ist schlichtweg nicht wahr.
Ich denke, in anderen Kreisen würde man das eine Lüge nennen. Es gibt keine direkten Gespräche
mit dem Iran, erstens. Welche Gespräche auch immer stattfinden, laufen über einen Dritten. Früher
war es Oman, am 26. Februar, und heute ist es offenbar Pakistan.
#Larry C. Johnson
Aber es sind nicht einmal richtige Gespräche, weil Pakistan die Botschaft übermittelt, und Iran sagt
meistens nur: „Dazu haben wir nichts zu sagen“, und reagiert nicht. In der Zwischenzeit geht der
Aufbau der US-Streitkräfte weiter – die Verlegung amphibischer Ausrüstung in die Region, um sie
möglicherweise in einer amphibischen Operation gegen den Iran einzusetzen. Ich kann nicht
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ausschließen, dass sie tatsächlich versuchen könnten, die Insel Karsk sowie Omesh und vielleicht
Bandar al-Bas einzunehmen. Vielleicht versuchen sie sogar mehr als eine. Ich meine, es gibt im
Moment wirklich viele Gerüchte, und man weiß nicht, wie viel davon absichtlich gestreut wird, um
Desinformation zu erzeugen.
#Pascal
Ich meine, wenn ich dir zuhöre, habe ich den Eindruck, dass sie im Moment wieder ein bisschen Zeit
brauchen, um genug Truppen zu sammeln, um eine realistische Chance auf eine Bodeninvasion
irgendeiner Art zu haben – irgendeine strategische Insel oder etwas, das jemand Trump als gute
Idee verkauft hat. Und Trump sagt dann, in seiner typischen Geschäftshaltung: „Okay, dann
verdienen wir eben ein oder zwei Dollar, während wir warten“, richtig? Also einfach rauf und runter,
die Leute hinhalten, den Markt dort halten, wo er nützlich ist. Und dann – zack – schlagen wir zu,
wenn es keiner erwartet, und wir werden lachen und eine richtig gute Zeit haben, wenn endlich alle
Träume wahr werden. Ist das so ungefähr die Idee?
#Larry C. Johnson
Ja, ja. Seine Kunst des Verhandelns besteht darin, zu lügen und den Gegner aus dem Gleichgewicht
zu bringen, ihn in dem Glauben zu wiegen, dass alles in Ordnung ist, dass wir auf Kurs sind. Und
dann – zack – aus heiterem Himmel ein Schlag in die Magengrube.
#Pascal
Ja, aber an diesem Punkt fragt man sich irgendwie – wer ist eigentlich der Feind? Ich meine, die
Iraner verstehen das alles. Sie sind darauf vorbereitet. Sie sagen so etwas wie: „Kommt nur, wir
freuen uns darauf, euch auszulöschen.“ Ich meine, wenn das das ist, was man will – sie sagen das
fast wörtlich. Mir ist übrigens deine Kappe aufgefallen: „Wir, das Volk, sind wütend.“ Und wir hatten
diesen riesigen Marsch – schöne Kappe übrigens. Wir hatten diesen Marsch, diese Demonstrationen
neulich in Washington. Ich meine, versucht Trump im Moment im Grunde, alle in den Vereinigten
Staaten in eine Art Ruhe zu wiegen, damit sie nicht noch stärker aufbegehren? Denn das scheint
wirklich schlimm zu werden.
#Larry C. Johnson
Er hat sich selbst in eine Ecke manövriert. Der bisherige Sündenbock scheint der Chef des Mossad zu
sein, der Berichten zufolge Trump und Bibi versichert hatte, das iranische Regime sei nur ein
Kartenhaus – es brauche nur einen starken Windstoß, einen kräftigen Schlag, um
zusammenzubrechen – und das iranische Volk würde auf die Straßen gehen, um eine neue
Regierung zu bilden. Nun, das stellte sich als falsch heraus. Der Iran hatte gestaffelte Verteidigungen
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vorbereitet, die alle voneinander getrennt sind, sodass sie nicht von einem einzigen Knotenpunkt
abhängen. Es ist eine mehrknotige – oder nennen wir es multipolare – Verteidigung. Aber
Multipolarität? Mehrknotigkeit.
#Pascal
Der Knoten ist eine bessere Metapher.
#Larry C. Johnson
Okay.
#Pascal
Sie nennen es „Mosaik“. Der Begriff, den sie verwenden, ist „Mosaikverteidigung“. Also, die
verschiedenen Teile des Mosaiks wirken zusammen, um das Gesamtbild zu schaffen. Ja.
#Larry C. Johnson
Also reagierte der Iran sehr schnell – und tatsächlich mit einem Plan. Sie schalteten methodisch
insgesamt 13 verschiedene Bodenradarsysteme aus, die entscheidend dafür waren, Flugzeuge,
Raketen, Drohnen, Bewegungen von Personal und Schiffe auf dem Meer zu verfolgen. Nachdem
diese ausgeschaltet waren, war die Vereinigten Staaten de facto blind. Sie versuchten, das zu
kompensieren, indem sie die E-3 AWACS einfliegen ließen – jene, die vor zwei Tagen auf dem
Luftwaffenstützpunkt Prince Salid zerstört wurde. Und jetzt, ohne diese AWACS – da sie die
Aufgaben der Radars übernommen hatte – sind die US-Streitkräfte erneut blind. Sie sehen wirklich
nicht, was dort draußen vor sich geht.
#Pascal
Was ich meine ist, dass die Situation jetzt – einen Monat nach den ersten Angriffen – in Bezug auf
die militärische Leistungsfähigkeit der USA definitiv schlechter ist als am Anfang. Was ich wirklich
nicht weiß, ist, wie gut die Lage für den Iran ist. Alles, was wir wissen, ist, dass sie weiterhin
Raketen abfeuern können und immer mehr davon Israel und die Golfregion treffen. Wenn wir das
also wissen, was könnte dann ein realistisches Szenario sein, bei dem US-Bodentruppen im Iran oder
auf einer der Inseln eingesetzt werden? Ich meine, zu versuchen, das Uran auszuschalten – das ist
einfach dumm, oder? Das ergibt keinen Sinn. Aber sie einfach nur dort zu stationieren, um dort zu
sein, ergibt auch keinen Sinn, weil man dann ein leichtes Ziel ist. Was also, deiner Meinung nach,
wäre etwas, das dieses Pentagon tatsächlich genehmigen würde – im Hinblick auf ein strategisches
Ziel für eine amphibische Landung?
#Larry C. Johnson
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Es gibt keinen. Das ist das Problem. Ziehen wir also eine Parallele zum Zweiten Weltkrieg im Pazifik,
um eine Vorstellung davon zu bekommen, wann militärische Maßnahmen mit einem ganz
bestimmten Ziel ergriffen werden. Das war die Invasion von Guadalcanal durch die US-Marines. Das
Ziel war, das Flugfeld – später als Henderson Airfield bekannt – zu erobern, damit die Japaner es
nicht nutzen konnten. Denn wenn sie dieses Flugfeld gehabt hätten, wären sie im Grunde in der
Lage gewesen, das Meer rund um die Insel zu kontrollieren, sowohl in Richtung Neuguinea als auch
in Richtung Australien. Es hatte also tatsächlich strategische Bedeutung. Der militärische Auftrag dort
war klar: verhindern, dass die Japaner die Insel kontrollieren, sie sichern, kontrollieren und dort die
eigene Luftmacht etablieren. Auf diese Weise schuf man eine Luftdeckung rund um die Insel, die
dann den Start weiterer Missionen ermöglichte.
Hier gibt es kein so klar definiertes Ziel. Also nehmen wir Karg als Beispiel. Worum geht es dort?
Darum, den iranischen Ölfluss zu stoppen? Nun, Karg ist nicht das einzige Terminal, das der Iran
zum Verladen von Öl nutzt, also würde eine Besetzung den iranischen Export nicht wirklich
unterbinden. Was sie jedoch bewirken würde, ist, dass US-Truppen in eine äußerst verwundbare
Position geraten, da sie sich auf einer Insel ohne wirksame unterirdische Befestigungen oder Bunker
zum Schutz befinden würden. Und sie liegt nah genug, um bombardiert, beschossen, mit Drohnen
angegriffen oder mit Artillerie beschossen zu werden. Also hätten die US-Truppen, die dort landen,
sofort ein ernstes Problem. Was ist das Endziel? Soll Karg Island gehalten werden? Gut – was bringt
das? Prahlereien über erobertes Territorium?
Das schwächt Iran militärisch überhaupt nicht. Wird es ihren Ölfluss stören? Ja, es wird ihn teilweise
stören, aber sie haben andere Optionen. Das ist also nicht die einzige Alternative. Gehen wir nach
Qeschm. Es ist nicht ganz eine Insel, weil sie mit dem Festland verbunden ist, aber sie liegt direkt
neben der Straße von Hormus und ist ein hervorragender Ort, um die durchfahrenden Schiffe zu
überwachen. Auf dieser Insel leben etwa 150.000 Menschen, also muss man sich mit dieser
Bevölkerung auseinandersetzen, wenn man sie einnimmt. Angenommen, man nimmt sie mit 10.000
Marines ein – ich bin kein Mathegenie, aber sie sind mindestens 15 zu 1, vielleicht sogar 150 zu 1, in
der Unterzahl. Sie haben also sofort ein Problem mit der Menschenmenge. Und wenn einige dieser
Iraner Schusswaffen haben, werden sie auf die Marines schießen.
Aber du behauptest